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Kommunikation schafft Vertrauen: Ängste nehmen, Digitalisierung gestalten

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Laut einer Umfrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung befürchten 81 Prozent der Deutschen, durch die Digitalisierung beruflich den Anschluss zu verlieren, 84 Prozent haben Angst vor wachsenden Gehaltsunterschieden. Dass die Ängste oft aus Unwissenheit und Desinformation resultieren und wie man Mitarbeitern und Führungskräften diese Ängste vor der Digitalisierung nehmen kann, weiß Thomas Ring, Partner der mmc AG.

„Ängste sind Folge von Unwissenheit“ – Thomas Ring über die digitale Transformation

Viele Arbeitnehmer fürchten, durch die Digitalisierung ins berufliche Abseits gedrängt zu werden. Warum?

Ein Megatrend wie die Digitalisierung, die viele Umwälzungen in der Geschäftswelt und an den einzelnen Arbeitsplätzen zur Folge hat, schürt immer Ängste. Der Grund ist, dass wir heute noch nicht absehen können, wohin dieser Prozess führt. Hinzu kommt, dass viele einfach gar nicht mehr begreifen, was um sie herum geschieht. In den Medien oder am Arbeitsplatz schnappen sie einzelne Informationsschnipsel auf, die sie aber nicht richtig einsortieren können. Die Folge ist, dass sie sich Dinge ausmalen, die nicht der Realität entsprechen. Die größten Befürchtungen entstehen durch Unwissenheit.

Sind diese Ängste denn immer so unbegründet?

Sicher sind manche Befürchtungen berechtigt. Natürlich werden im digitalen Zeitalter manche Berufsbilder verschwinden. Sie werden aber durch neue Arbeitsplätze ersetzt, die andere Kompetenzen fordern. Durch die Digitalisierung werden Zehntausende neuer Arbeitsplätze entstehen. Es ist also wichtig, in den Unternehmen und an den Arbeitsplätzen für Weiterbildung und den Erwerb technischer Kompetenzen zu sorgen, damit die Mitarbeiter fit für die Zukunft werden.

Hegen denn nur die Mitarbeiter Ängste vor der Digitalisierung?

Nein, das betrifft Unternehmen und Führungskräfte ebenso. Auch sie müssen schließlich mit den beschleunigten Innovationszyklen Schritt halten. Wenn sie sich nicht selbst regelmäßig neu erfinden, dann werden andere, schnellere und innovativere Unternehmen sie kannibalisieren. Umstrukturierungen und Kulturwandel sind keine Prozesse, die mal eben von heute auf morgen umsetzbar sind. Kosten, Schweiß und Mühe sind damit verbunden.

Damit diese Prozesse erfolgreich verlaufen, muss die Führungsebene mit gutem Beispiel vorangehen. Statt nur von den Mitarbeitern technologisches Knowhow zu fordern, müssen sie es als erstes anwenden. Statt den Mitarbeitern neue Flexibilität und Ansprechbarkeit zu predigen, muss es die Führungsebene vorleben. Und die Umstrukturierung darf vor der Chefetage nicht haltmachen. Das schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit – die ersten Schritte für einen erfolgreichen Change-Prozess.

Wie können Unternehmen den Ängsten der Mitarbeiter begegnen?

Thomas Ring, mmc AG, Managementberater, Consulting, Managementberatung
Thomas Ring, Partner und Vorstand der mmc AG (Bild: © mmc AG)

Mit Kommunikation, Offenheit und Transparenz. Am wichtigsten ist es, stets alle Informationen mit den Betroffenen zu teilen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich an Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen zu beteiligen. Wer gemeinsam eine strategische Vision entwickelt und diese umsetzt, steht auch hinter dem Transformationsprozess. So entsteht gar nicht erst das Gefühl der Ohnmacht, weil wichtige Dinge über den eigenen Kopf hinweg entschieden werden. Und auch das Unternehmen profitiert von der Intelligenz der Masse, die klügere Ideen hervorbringt, als eine kleine Elite, die ihr eigenes Süppchen kocht. Auch das ist Digitalisierung.

Herr Ring, ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch.

Das Interview mit Thomas Ring, Partner und Vorstand der mmc AG, führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

Katja Heumader

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