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Krisen gestärkt überwinden – die vier Phasen der Veränderung

… aus der  Themenserie Stark wie Bambus: den täglichen Druck mit Resilienz meistern der Expertin für innere Kraft und Resilienz Katharina Maehrlein. Nach Teil 1: „Die Bambusstrategie – Begegnen Sie den täglichen Herausforderungen mit Resilienz“ kommt heute Teil 2 mit „Krisen gestärkt überwinden – die vier Phasen der Veränderung“.

Burnout, Stress, Druck, Mensch
© Bild: Jorma Bork / pixelio.de

Gerade eben noch war alles im Lot, und jetzt das: Die gerade erhaltene Nachricht lässt die Welt, die Sie kannten, zusammenbrechen und vieles wird sich verändern. Wie sollen Sie je wieder festen Boden unter die Füße bekommen? Wie kommen Sie aus dieser Krise wieder heraus?

Das Leben wirft uns immer wieder Prüfsteine in den Weg. Diese gibt es in groß, mittel und klein, wie Krankheit, Tod, Verlust des Arbeitsplatzes, Versetzung, Konflikte, Unzufriedenheit oder Stress. Doch egal in welchem Ausmaß uns die Krise trifft, wir stehen im Grunde immer vor der gleichen Herausforderung: Wir müssen diese Prüfsteine akzeptieren und annehmen, um sie zu überwinden. Wir müssen uns auf die Veränderung neu einstellen und können, getreu dem Ausspruch Nietzsches „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“, tatsächlich gestärkt daraus hervorgehen. Denn unser „Steh-auf-Muskel“ lässt sich trainieren.

Die Fähigkeit zur Akzeptanz einer Situation, einer Krise, ist die erste grundlegende innere Voraussetzung dafür, dass wir die alten Vorstellungen über Bord werfen können und offen sind für das Neue. Das braucht natürlich seine Zeit. Je nachdem, wie dramatisch die Veränderung für uns ist, durchlaufen wir von der ersten Schrecksekunde an, in der wir davon erfahren, bis zur erfolgreichen Neuorientierung vier mehr oder weniger deutlich ausgeprägte Phasen.

Die vier Phasen der Veränderung

1. Phase: Wir wollen die Veränderung nicht wahrhaben

Oft reagieren Menschen auf ungewollte Veränderungen nicht sofort, verhalten sich eher zurückhaltend und cool, und die von den Überbringern der Nachricht erwarteten Tränen oder Wutausbrüche bleiben aus. Denn häufig verdrängen Menschen die Realität zunächst und wollen sie einfach nicht wahrhaben; sie versuchen noch, die Tatsachen zu ignorieren, oder gehen erst einmal von einem Irrtum aus. Nach der ersten Schockstarre kommt die Reaktion aber dann meist doch noch in Form von aggressiv oder depressiv gefärbtem verbalem Verhalten, und die Überbringer der Botschaft fühlen sich davon überfordert und peinlich berührt. Ausbrüche dieser Art sind für den Betroffenen selbst jedoch wertvoll, sind sie doch der erste Schritt aus der Erstarrung – die Veränderung wird das erste Mal bewusst erfasst.


2. Phase: Wir überlegen uns Gegenmaßnahmen

In der nächsten Phase werden viele Menschen aktiv und versuchen herauszufinden, ob sie das Geschehene oder Gesagte nicht rückgängig machen können, ob sie Gegenmaßnahmen ergreifen können. Im Falle einer Kündigung könnte der Mitarbeiter zum Beispiel versuchen, diese abzuwenden, indem er den Betriebsrat oder seinen Rechtsanwalt aufsucht. Enttäuschung, Rachegefühle und Hass gewinnen die Oberhand, wenn das nicht funktioniert, und in dem Versuch, die „alte“ stabile Situation doch noch wiederherzustellen, lassen sich manche zu nicht rationalem Verhalten hinreißen. Am Ende wird das immer deutlicher werdende Gefühl der Hilflosigkeit oft zu Angst.

3. Phase: Wir nehmen Abschied von der „alten“ Situation

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der Betroffene realisieren muss, dass er der Veränderung nichts entgegensetzen kann. Alle seine Anstrengungen und Mühen können ihn nicht vor der ungewollten Situation bewahren. Das ist die Ent-Täuschung – das Ende der Täuschungen. Im obigen Fall der Kündigung verarbeiten dies viele, indem sie sich intensiv mit Kollegen austauschen und verklärt Vergangenes Revue passieren lassen. Diese emotionale Aufarbeitung ist der wichtigste Teil dieser Phase, denn sie ermöglicht das „Abschiednehmen“. Und ohne den Abschied vom Alten ist keine wirkliche Orientierung an Neuem möglich.

4. Phase: Wir orientieren uns neu

Der Betroffene ist nun „drüber hinweg“; er hat seine Enttäuschung emotional überwunden und die neue Situation als Tatsache akzeptiert. Nun ist sein Kopf frei für neue Gedanken, und er kann damit beginnen, sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und die nächsten Schritte zu planen: Der Weg ist frei für die Neuorientierung. Dieses Gefühl, die Zügel wieder selbst in der Hand zu halten, gibt ihm Aufschwung, und Wut und Schmerz werden abgelöst von Hoffnung und Zuversicht. Der „Steh-auf-Muskel“ ist gestärkt, der Betroffene hat etwas Wichtiges gewonnen: Resilienz.

Schritt für Schritt

Diese vier Phasen können wir uns auch als Leiter vorstellen, deren Sprossen wir Schritt für Schritt erklimmen müssen, um oben den Überblick und den wieder freien Kopf zu erhalten. Auf dem Weg dahin bricht vielleicht manchmal eine Sprosse ein, manchmal müssen wir länger auf einer Stufe pausieren. Es lohnt, einen zweiten und dritten Blick nach oben und unten zu riskieren, denn Sie kennen nun die vier Phasen zur Neuorientierung: Wo stehe ich gerade auf der Leiter? Was ist eigentlich mit mir los? Wie ist die Sachlage? Was ist zu tun?


Was auch immer Ihnen in Ihrem Leben, in Ihrem Job begegnet: Manche Entscheidungen von weiter oben können Sie leicht mittragen, andere kollidieren vielleicht mit Ihren Werten und es fällt Ihnen schwerer, sie zu akzeptieren und umzusetzen. Einige unliebsame Gegebenheiten in immer wieder auftauchenden Veränderungsprozessen können Sie aktiv so gestalten, dass sie Ihren Vorstellungen entsprechen, einiges andere können Sie aber nur hinnehmen und als gegeben akzeptieren. Resilient sein heißt dann nicht nur, auf Lösungen zu fokussieren. Denn manchmal gibt es keine Lösung und die Anpassungsleistung liegt eher darin zu lernen, mit unbeantworteten Fragen zu leben.

Gedanken-Check

Dafür, wie wir uns fühlen, sind unsere Gedanken verantwortlich. Manchmal führen sie uns in eine Sackgasse und wir machen Denkfehler. Halten Sie auf Ihrer Leiter inne und sehen Sie sich danach um, wie realistisch das Bild tatsächlich ist, das Ihre Gedanken gerade entwerfen.

Wenn Sie gerade aufgeregt oder angestrengt sind, gaukeln Ihnen Ihre Gedanken die Situation zum Beispiel häufig als viel schlimmer vor, als sie eigentlich ist. Sie geraten dadurch unter Druck und können Ihre Gedanken und Impulse kaum noch kontrollieren. Für diese Momente sollten Sie auf eine bei Ihnen funktionierende Entspannungstechnik zurückgreifen können, um wieder zur Ruhe zu kommen und dann Ihre Gedanken zu bewerten. So können Sie lähmende Gedanken wie beispielsweise „Das kann ja nur schiefgehen“ sofort durch positivere Gedanken ersetzen.  Übernehmen Sie den Vorsitz in Ihrem Kopf und halten Sie dagegen! Erinnern Sie sich beispielsweise an eine ähnliche Situation in der Vergangenheit, die Sie erfolgreich überstanden haben.

Häufig fixieren wir uns auch zu stark auf nur einen Lösungsweg oder glauben, uns nur zwischen zwei Möglichkeiten A und B entscheiden zu müssen. Finden Sie weitere Lösungsmöglichkeiten, suchen Sie nach einem Weg C, D oder E, zum Beispiell, indem Sie A und B zu einem C zu kombinieren.

Ihre Katharina Maehrlein

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Übrigens: am Montag, 10. März 2014, den dritten Teil der ThemenserieStark wie Bambus: den täglichen Druck mit Resilienz meistern.

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Über Katharina Maehrlein:

Katharina Maehrlein, Star wie Bambus, Soul@Work
(Foto: © Katharina Maehrlein)

Katharina Maehrlein (Taunusstein) ist Rednerin, Trainerin und Coach und hat als Expertin für innere Kraft und Resilienz in den letzten 17 Jahren rund 20.000 Menschen dabei unterstützt, ihren Job erfolgreich zu meistern.

Sie ist Bestsellerautorin (Die Bambusstrategie – Den täglichen Druck mit Resilienz meistern. GABAL Verlag, 4. Auflage), Gründerin von „Stark wie Bambus – Initiative zur Prävention von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz“ und Initiatorin und Veranstalterin von Soul@Work, dem Jahreskongress der Initiative. Nicht ganz einfache persönliche Lebensumstände haben Resilienz für Katharina Maehrlein zur eigenen „Überlebensstrategie“ werden lassen.

Mehr über Katharina Maehrlein im Internet auf www.katharina-maehrlein.de.

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Über das Buch:

In „Die Bambusstrategie“ finden Sie Tests zur Selbsteinschätzung, Checklisten, Übungen und pragmatische Tipps, um in Ihrem Inneren so stark und unabhängig zu sein wie ein Bambus und sich in den Stürmen des Arbeitsalltags gelassen biegen zu können und nicht zu zerbrechen.

Das Buch liefert die neuesten Ergebnisse aus der Resilienz- und Glücksforschung und gibt eine Anleitung, Mut, Kraft und Stehvermögen zu entwickeln, um die herausfordernden Situationen des Alltags standfest zu meistern. Ihre innere Stärke wird weiter aufgebaut, um in anstrengenden Doppelrollen sicher und gelassen agieren zu können.

Oliver Foitzik

Ein Kommentar zu “Krisen gestärkt überwinden – die vier Phasen der Veränderung

  1. Vielen Dank für diesen Artikel Frau Maehrlein!. Der Mut zur Selbsterkenntnis ist ganz sicher nicht immer leicht aufzubringen.
    Insbesondere die von Ihnen beschriebene 3. Phase: „Wir nehmen Abschied von der „alten“ Situation“, so vermute ich, wird für viele eine große Hürde sein. Rückfälle in alte Verhaltensmuster inbegriffen.

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