Wirtschaft

Liechtensteiner Erbprinz mit Abgesang auf die Steueroasen: Deren Zeit sei vorbei

Erbprinz Alois von Liechtenstein hat einen bemerkenswerten Nachruf auf die Steueroasen dieser Welt getätigt. Mit Blick auf sein eigenes Fürstentum, das sich bislang stets unter den Top Global Playern der Steuersümpfe (wohlwollender: Steueroasen) wiedergefunden hat, sagte der Erbprinz gegenüber der Schweizer „SonntagsZeitung“: Dass viele Kunden Steuern hinterzogen hätten, habe den Liechtensteinischen Banken sicherlich ein leichtes Leben erlaubt. „Diese Zeit ist aber vorbei“, es ergebe keinen Sinn, etwas zu verteidigen, dass man unter dem Druck der EU oder der OECD nicht halten könne.

Die Steuerlast bleibt primär bei den kleinen Bürgern

Alois von Liechtenstein hat darüber hinaus die „Steuerwüsten“ für das Erblühen der Steueroasen verantwortlich gemacht: Diese Steuersysteme seien dabei oftmals so intransparent, dass die Steuerlast primär bei den kleinen Bürgern bleibe. Profitieren würden dadurch nur jene Wohlhabende, die sich mit einem Steuerberater durch den Paragrafendschungel navigieren könnten – oder eben ihr Schwarzgeld ins Ausland schicken könnten. Insofern könnte man die Steueroasen nicht trockenlegen, ohne die Steuerwüsten zu begrünen.

Liechtenstein bereitet sich auf eine ehrliche Finanzwirtschaft vor

Derzeit führt Liechtenstein informelle Gespräche mit Deutschland über Lösungen für alte unversteuerte Vermögen (Schwarzgelder) auf Konten im Fürstentum. Allerdings würden beide Länder laut Informationen des österreichischen „Standards“ zur Folge zunächst jedoch das umstrittene bilaterale Abkommen zwischen der Schweiz und Deutschland abwarten und erst dann Verbindliches vereinbaren. Das Abkommen zwischen Deutschland und der Schweiz zeigt jedoch deutlich die angesprochene Verantwortung der „Steuerwüsten“ für diesen Prozess: Die derzeitige schwarz-gelbe Regierungskoalition in Berlin hat ohne Not sogar deutlich niedrigere Steuersätze in dem bilateralen Abkommen mit der Schweiz vereinbart als sogar Großbritannien. Und beide wiederum unterlaufen die Pläne der EU-Quellensteuer mit der Schweiz um Längen – die Steuergerechtigkeit beginnt im eigenen Land, aber das komplizierte deutsche Steuerrecht mit um so mehr Schlupflöchern je größer die Vermögen, harrt nach wie vor einer konsequenten und objektiven Konsolidierung jenseits aller Lobbyarbeit.
(mb)

 

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