Deutschland

Logistik und Transport: Stabile Transportmengen und hohe Einsparmöglichkeiten

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[Bild: MAN Truck & Bus AG]

Die Logistikbranche ist gemessen am Umsatz gemeinsam mit dem Maschinenbau die drittgrößte Branche in Deutschland, direkt hinter der Automobilindustrie und der Pharmaindustrie. Der Wirtschaftszweig hat Schätzungen der Bundesvereinigung Logistik (BVL) zufolge im Jahr 2011 rund 220 Mrd. Euro erwirtschaftet und damit das bisherige Rekordniveau von 2008 übertroffen (218 Mrd. Euro). Knapp die Hälfte des Umsatzes der derzeit rund 2,8 Millionen Beschäftigten entfällt dabei auf externe Dienstleister, die andere Hälfte setzen unternehmenseigene Logistiker um.

Logistik-Perspektiven für 2013: TransportmarktBarometer

Die Logistikbranche erwartet aufgrund der guten Konjunktur in Deutschland ein weiterhin hohes Transportaufkommen. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim befragt vierteljährlich in Kooperation mit der ProgTrans AG aus Basel rund 250 Spitzenkräfte aus der Transportwirtschaft und der verladenden Wirtschaft, wie sie die Entwicklung der Transportmärkte und der Transportpreise auf Sicht von sechs Monaten einschätzen. Die Ergebnisse des TransportmarktBarometers vom 1. Quartal 2013 deuten auf stabile Aufkommensmengen im deutschen Transportsektor hin.

Aufgrund des starken Wettbewerbs sehen die befragten Experten jedoch den Spielraum für Preiserhöhungen innerhalb des nächsten halben Jahres eher gering. In den meisten Transportzweigen dürften die Preise allenfalls nur leicht steigen beziehungsweise auf ihrem derzeitigen Niveau verharren. Dies gilt besonders für den Bereich des Straßengüterverkehrs, bei dem die Transportnachfrage nahezu unverändert sein dürfte. Lediglich die interkontinentale Luft- und Seefracht erwartet deutliche Preissteigerungen (insbesondere für die Verkehre von Asien nach Europa) sowie die Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP-Dienste), die ebenfalls von einer stärkeren Nachfrage ausgehen.

Weitere Potenziale zur Gewinnsteigerung nutzen

Aufgrund des sich stabil entwickelnden Transportaufkommens müssen die Logistikunternehmen weitere Potenziale nutzen, um ihr Gewinnniveau zu halten. Dies beinhaltet eine Optimierung der Logistikkette (Supply Chain Management), intelligente LKWs mit Telematiklösungen (Connected Trucks), die eine höhere Effizienz versprechen, sowie – mit staatlicher Unterstützung – eine Reduzierung der Wirtschaftskriminalität in der Logistikbranche, also vor allem wettbewerbswidriger Absprachen.

Supply Chain Management

Der Begriff „Supply Chain Management“ bezeichnet den Aufbau und die Verwaltung integrierter Logistikketten über den gesamten Wertschöpfungsprozess – also die aktive Gestaltung und Optimierung aller Dienstleistungen innerhalb der Logistikkette. Im Unterschied zur reinen Logistik beinhaltet Supply Chain Management somit auch die begleitenden Informationsflüsse sowie die Auftragsabwicklungs- und Geldflussprozesse. Ziel der Optimierung des Supply Chain Managements ist die Effizienzsteigerung der logistischen Prozesse, die Reduktion von Lagerhaltungs- und Transportkosten, die Reduzierung des Zeitaufwandes durch die Vermeidung von zwischenbetrieblichen Liegezeiten und der Verbesserung der Termintreue sowie die Verbesserung des zwischenbetrieblichen Informationsstandes beispielsweise über entstehende Störungen in der Logistikkette.

Connected Trucks mit Telematiklösungen

Laut der Managementberatung Oliver Wyman werden im Jahr 2020 weltweit mehr als drei von fünf neu verkauften LKWs mit Telematiklösung ausgeliefert. Die Einbeziehung von umfassenden Echtzeitinformationen zur Verkehrslage, Parkplatzverfügbarkeit oder Ad-hoc-Ladungsoptimierung ermöglicht Logistikern Zeit- und Kostenersparnisse in vollkommen neuen Dimensionen. So lassen sich beispielsweise Spriteinsparungen im zweistelligen Prozentbereich erzielen. Remote Diagnostics erhöhen die Betriebszeit und verringern die Wartungskosten um bis zu fünf Prozent je Truck. Ebenso wertvoll sind alle relevanten Echtzeit-Informationen aus dem Fahrzeug rund um die Ladung wie Zustand oder Auslastung. So lassen sich der Analyse zufolge mit einem Connected Truck je nach System monatliche Einsparungen von rund 200 bis 800 Euro realisieren. Damit amortisiert sich die Telematik bereits innerhalb weniger Monate.

Die sich im Aufbau befindlichen intelligenten Verkehrsnetze bringen einer BITKOM-Studie zufolge ebenfalls Einsparungen in Höhe von 10 Milliarden Euro pro Jahr. Der Löwenanteil von rund 4,4 Milliarden Euro ergibt sich aus der Vermeidung von Staus und entsprechenden Zeitverlusten sowie Umweltschäden. Neue Logistiksysteme sparen weitere 3,5 Milliarden Euro jährlich. Grundlage des intelligenten Verkehrsmanagements sind anonymisierte GPS-Daten von Handybesitzern in Fahrzeugen, Stau- und Unfallmeldungen sowie Daten von Sensoren und aus dem Mautsystem. In der Pilotmetropole Stockholm konnten so die individuellen Fahrzeiten bereits um 50 Prozent und das Verkehrsaufkommen sowie die Emissionen um 20 Prozent verringert werden.

Wirtschaftskriminalität in Transport und Logistik

Die Branchenauswertung „Wirtschaftskriminalität – Transport und Logistik“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in Zusammenarbeit mit der Universität Halle-Wittenberg waren zwischen 2009-2011 rund 53 Prozent der Unternehmen aus der Transport- und Logistikbranche von Betrug, Unterschlagung, Korruption und weiteren Delikten betroffen. Dabei verursachen der Untersuchung zufolge wettbewerbswidrige Absprachen die mit Abstand höchsten Schäden: Im Schnitt veranschlagten die betroffenen Unternehmen rund vier Millionen Euro. Der durchschnittliche Schaden aller Delikte in der Transport- und Logistikbranche belief sich hingegen auf rund eine Million Euro.

Von Vermögensdelikten sind 36 Prozent der Unternehmen betroffen (vs. 32 Prozent in allen Branchen), vom Diebstahl vertraulicher Kunden- und Unternehmensdaten 16 Prozent (vs. 12 Prozent in allen Branchen). Mit wettbewerbswidrigen Absprachen waren in dem Zeitraum 2009-2011 rund 13 Prozent der Transport- und Logistikunternehmen mindestens einmal konfrontiert (vs. sechs Prozent in allen Branchen). 27 Prozent der Transporteur oder Logistiker schätzen den branchenspezifischen Anteil von Absprachen auf 20 bis 30 Prozent. Entsprechend hoch sind hier die Einsparmöglichkeiten, wenn das Bundeskartellamt und die staatlichen Behörden die wettbewerbsverzerrenden Delikte besser eindämmen können.

Preisgünstige Sattelzüge

Eine weitere Einsparmöglichkeit ergibt sich durch das intelligente managen von Auftragsspitzen. Hier bietet es sich an, gegebenenfalls einen Sattelzug günstig gebraucht zu kaufen, wenn es zum Beispiel darum geht, die eigene Fahrzeugflotte vorübergehend zu erweitern. Entsprechende auf Sattelzüge spezialisierte Webseiten lassen sich allerdings auch nutzen, um die eigene Fahrzeugflotte zu modernisieren. Der Ausblick auf eine stabile Transportnachfrage und eine sich beruhigende Eurokrise versprechen jedenfalls ein stabiles Geschäftsumfeld, indem man die neuen Effizienzpotenziale angehen kann, um sich für den Wettbewerb entsprechend zu rüsten.

(mb)

Marc Brümmer

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