Panorama

Mädchen können kein Mathe!? – Interview mit Elisabeth Schmid, bbw

Mädchen in technischen Berufen. Immer noch kein friedliches Verhältnis. Elisabeth Schmid, Bereichsleiterin Wirtschaft im Dialog beim Bildungswerk der bayrischen Wirtschaft erzählt SPIESSER.de-Autor Holm, was sie zur Verbesserung dieses Verhältnisses tut

 

Man hört ja immer viel über Benachteiligung von Frauen im Berufsleben. Hatten Sie es schwer auf ihrem Berufsweg?

Sagen wir mal so. Wir bieten hier in Bayern viele Projekte für junge Mädchen an, so dass sie sich früh für entsprechende Berufswege orientieren können – Ich hatte so etwas nicht. Als schwer würde ich meinen Weg aber nicht bezeichnen.

 

Mädchen und Technik, passt das überhaupt zusammen?

Ich bin sehr vorsichtig, mit Klischees. Es gibt für Jungs und Mädchen recht stereotype Vorstellungen, was die Berufswahl angeht. Das stimmt oft nicht mit der Realität überein. Ich glaube, dass Mädchen und Technik sehr gut zusammenpassen. Und die Unternehmen, die es sich vorgenommen haben, in eigentlich relativ typischen Männerberufen die Ausbildungschancen für Mädchen zu erhöhen, haben ausgezeichnete Erfahrungen damit gemacht.

 

Also Frauen können doch relativ gut mit PCs und Ähnlichem umgehen?

Selbstverständlich! Man weiß  heute, dass die Mädchen die Jungs, was Schulabschlussnoten betrifft, durchaus überholt haben. Aber dass heißt nicht, dass sich die Mädchen automatisch danach sehnen, in einen technischen Beruf zu gehen. Denn es passt eben nicht ins allgemeine Bild. Und sie denken oft nicht daran einen solchen Beruf zu ergreifen, weil sie gar nicht wissen, was dahinter steckt. Deswegen muss man solche Berufe mehr ins Blickfeld rücken. 

 

Sie fördern gerade Mädchen. Was tun sie für sie denn konkret alles?

Wir schaffen Möglichkeiten, die MINT-Berufe mit Spaß und Interesse zu erleben. Wir haben zum Beispiel für die Mädchen von 12-14 sogenannte „Mädchen für Technik“-Camps. Dort können sich die Mädchen für eine Woche anmelden und führen dann, begleitet von einem pädagogischen Team, direkt in einem Unternehmen ein technisches Projekt durch. Ich hab hier in meinem Zimmer zum Beispiel eine zusammengelötete Uhr, die aus CDs hergestellt wurde. Andere bauen ein Automodell zusammen. Das wird wie gesagt immer in einem Unternehmen durchgeführt. Wir wechseln die Unternehmen und das sind dann solche wie z.B. BMW. Die Mädchen kommen nach dieser Woche im Camp völlig begeistert nach Hause und fanden es total toll und spannend. 

 

Und wollen es dann weitermachen?

Vielleicht. Auf jeden Fall haben sie eine neue Erfahrung gemacht und haben gemerkt: „Donnerwetter, das ist ja was, dass ich auch kann!“ Und sie haben vielleicht auch gemerkt, dass es ein Berufsfeld ist, das vielleicht zu ihnen passt. 

 

Sind die Arbeitsbedingungen für Frauen in MINT-Berufen anders als für Männer? Zum Beispiel, was das Gehalt angeht?

Sie sind auf jeden Fall deutlich besser als in Frauenberufen. Und ansonsten sind sie genauso wie bei den Männern. Da gibt es keine tariflichen Unterschiede.  Der Beruf sollte natürlich dennoch zu einem passen. Aber ich würde immer dazu raten, mal zu schauen ob ein weniger „typischer“ Frauenberuf nicht vielleicht doch ganz prickelnd und spannend für einen wäre. 

 

Sind die Ursachen für Ablehnung von Technik vielleicht schon in der Schule zu suchen?

Ich glaube, dass es die gesamten Bedingungen in der Gesellschaft sind. Es sind die Vorbilder, die da sind, oder eben nicht. Es sind die Bilder die über die Medien transportiert werden. Es sind Rollenvorbilder. Und dann natürlich Empfehlungen von echten Menschen wie Eltern oder Lehrern, was denn passend wäre, oder eben nicht passend wäre. 

 

Warum  müssen denn überhaupt mehr Mädchen in diese Berufe? Warum sollte man sie also fördern?

Wir wissen heute, dass unser Zukunfts- und Inovationspotential in Deutschland in Technik und Naturwissenschaften liegt. In Bildung und in Wissen. Und wir brauchen junge Menschen die Lust auf diese Berufsfelder haben. Ein weiterer Punkt ist der demographische Wandel. Wir wissen ja, dass die Geburtenrate sinkt, und wir dennoch weiterhin qualifizierte Arbeitskräfte benötigen. Und da gibt es dann natürlich eine große Lücke. Aber zurück zu den Frauen.  Ich glaube, dass insbesondere Mädchen einen Vorsprung haben, was bestimmte Fähigkeiten in sozialer Kompetenz betrifft. Heute braucht auch ein technisches Unternehmen nicht den Ingenieur der alleine arbeitet und mit niemandem spricht sondern Menschen die kompetent sind in Teams unterschiedliches Fachwissen zusammenzubringen. 

 

Und das können Frauen besser?

Das möchte ich so pauschal nicht sagen. Aber sie hatten in der Summe mehr Möglichkeiten, dass zu üben, sagen wir es mal so. Darum, entwickeln wir auch zurzeit ein Camp für Jungs. Weil wir sagen: Da muss das Augenmerk verstärkt auf kommunikativen Fähigkeiten liegen. 

 

Glauben sie, dass Frauen heute auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden?

Ich glaube, dass wenn es darum geht, dass Frauen Entscheidungspositionen besetzten, sie auch Einiges daran setzen müssen, um sich hier zu positionieren. Manchmal behindern sie auch die eigenen Vorstellungen davon, was richtig und was falsch ist, manchmal auch die Außenbedingungen. Mit dem benachteiligt „WERDEN“ bin ich sehr vorsichtig. Denn Frauen sagen oft: „Na ja, ich möchte ja Familie haben, ist das jetzt sinnvoll für mich, eine Chefposition zu ergreifen?“ und dann stellen sie sich nicht mit einer Vehemenz hin und sagen: „Klar kann ich das!“

 

Was tut ihr Arbeitskreis eigentlich?

Unser Auftrag ist es, Brücken zu bauen zwischen den Unternehmen und insbesondere auch der Schule. Ein besonderes Anliegen ist es uns, Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik zu fördern. Wir entwickeln Projekte, Ideen, Möglichkeiten, wie zum Beispiel, dass junge Mädchen mal einen Blick in eine Welt werfen können, die sie sonst kaum kennen lernen.

Für die einzelnen Projekte haben wir Förderer und Sponsoren und die ermöglichen unsere Arbeit. Da dem bayrischen Wirtschaftsministerium eben gerade die jungen Mädchen am Herzen liegen, ist es schon jahrelang unserer Förderer. 

 

Warum schaffen es Unternehmen denn nicht von alleine? Warum braucht es einen  Arbeitskreis, um Mädchen für MINT begeistern?

Ich glaube, dass unsere besondere Kompetenz ist, dass wir beide Welten kennen. Das ist wichtig, um mit einer hohen Qualität solche Angebote zu entwickeln. Die Unternehmen kooperieren gerne mit uns. Die stellen dann mit uns fest, dass Bildung etwas sehr Wichtiges ist und etwas das man fördern sollte. Und wir haben eben die Kompetenzen um schülergerechte Projekte zu entwickeln. 

 

Was hat das Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft davon?

Es ist Ausdruck des gesellschaftspolitischen Engagements. 

 

In einem Satz: Warum sollte man als Frau denn überhaupt ein MINT-Fach studieren?

Weil es spannend ist und weil es Zukunftsperspektiven hat.

 

 

Mädchen in technischen Berufen. Immer noch kein friedliches Verhältnis. Elisabeth Schmid, Bereichsleiterin Wirtschaft im Dialog beim Bildungswerk der bayrischen Wirtschaft erzählt SPIESSER.de-Autor Holm, was sie zur Verbesserung dieses Verhältnisses tut

 

Man hört ja immer viel über Benachteiligung von Frauen im Berufsleben. Hatten Sie es schwer auf ihrem Berufsweg?

Sagen wir mal so. Wir bieten hier in Bayern viele Projekte für junge Mädchen an, so dass sie sich früh für entsprechende Berufswege orientieren können – Ich hatte so etwas nicht. Als schwer würde ich meinen Weg aber nicht bezeichnen.

 

Mädchen und Technik, passt das überhaupt zusammen?

Ich bin sehr vorsichtig, mit Klischees. Es gibt für Jungs und Mädchen recht stereotype Vorstellungen, was die Berufswahl angeht. Das stimmt oft nicht mit der Realität überein. Ich glaube, dass Mädchen und Technik sehr gut zusammenpassen. Und die Unternehmen, die es sich vorgenommen haben, in eigentlich relativ typischen Männerberufen die Ausbildungschancen für Mädchen zu erhöhen, haben ausgezeichnete Erfahrungen damit gemacht.

 

Also Frauen können doch relativ gut mit PCs und Ähnlichem umgehen?

Selbstverständlich! Man weiß  heute, dass die Mädchen die Jungs, was Schulabschlussnoten betrifft, durchaus überholt haben. Aber dass heißt nicht, dass sich die Mädchen automatisch danach sehnen, in einen technischen Beruf zu gehen. Denn es passt eben nicht ins allgemeine Bild. Und sie denken oft nicht daran einen solchen Beruf zu ergreifen, weil sie gar nicht wissen, was dahinter steckt. Deswegen muss man solche Berufe mehr ins Blickfeld rücken. 

 

Sie fördern gerade Mädchen. Was tun sie für sie denn konkret alles?

Wir schaffen Möglichkeiten, die MINT-Berufe mit Spaß und Interesse zu erleben. Wir haben zum Beispiel für die Mädchen von 12-14 sogenannte „Mädchen für Technik“-Camps. Dort können sich die Mädchen für eine Woche anmelden und führen dann, begleitet von einem pädagogischen Team, direkt in einem Unternehmen ein technisches Projekt durch. Ich hab hier in meinem Zimmer zum Beispiel eine zusammengelötete Uhr, die aus CDs hergestellt wurde. Andere bauen ein Automodell zusammen. Das wird wie gesagt immer in einem Unternehmen durchgeführt. Wir wechseln die Unternehmen und das sind dann solche wie z.B. BMW. Die Mädchen kommen nach dieser Woche im Camp völlig begeistert nach Hause und fanden es total toll und spannend. 

 

Und wollen es dann weitermachen?

Vielleicht. Auf jeden Fall haben sie eine neue Erfahrung gemacht und haben gemerkt: „Donnerwetter, das ist ja was, dass ich auch kann!“ Und sie haben vielleicht auch gemerkt, dass es ein Berufsfeld ist, das vielleicht zu ihnen passt. 

 

Sind die Arbeitsbedingungen für Frauen in MINT-Berufen anders als für Männer? Zum Beispiel, was das Gehalt angeht?

Sie sind auf jeden Fall deutlich besser als in Frauenberufen. Und ansonsten sind sie genauso wie bei den Männern. Da gibt es keine tariflichen Unterschiede.  Der Beruf sollte natürlich dennoch zu einem passen. Aber ich würde immer dazu raten, mal zu schauen ob ein weniger „typischer“ Frauenberuf nicht vielleicht doch ganz prickelnd und spannend für einen wäre. 

 

Sind die Ursachen für Ablehnung von Technik vielleicht schon in der Schule zu suchen?

Ich glaube, dass es die gesamten Bedingungen in der Gesellschaft sind. Es sind die Vorbilder, die da sind, oder eben nicht. Es sind die Bilder die über die Medien transportiert werden. Es sind Rollenvorbilder. Und dann natürlich Empfehlungen von echten Menschen wie Eltern oder Lehrern, was denn passend wäre, oder eben nicht passend wäre. 

 

Warum  müssen denn überhaupt mehr Mädchen in diese Berufe? Warum sollte man sie also fördern?

Wir wissen heute, dass unser Zukunfts- und Inovationspotential in Deutschland in Technik und Naturwissenschaften liegt. In Bildung und in Wissen. Und wir brauchen junge Menschen die Lust auf diese Berufsfelder haben. Ein weiterer Punkt ist der demographische Wandel. Wir wissen ja, dass die Geburtenrate sinkt, und wir dennoch weiterhin qualifizierte Arbeitskräfte benötigen. Und da gibt es dann natürlich eine große Lücke. Aber zurück zu den Frauen.  Ich glaube, dass insbesondere Mädchen einen Vorsprung haben, was bestimmte Fähigkeiten in sozialer Kompetenz betrifft. Heute braucht auch ein technisches Unternehmen nicht den Ingenieur der alleine arbeitet und mit niemandem spricht sondern Menschen die kompetent sind in Teams unterschiedliches Fachwissen zusammenzubringen. 

 

Und das können Frauen besser?

Das möchte ich so pauschal nicht sagen. Aber sie hatten in der Summe mehr Möglichkeiten, dass zu üben, sagen wir es mal so. Darum, entwickeln wir auch zurzeit ein Camp für Jungs. Weil wir sagen: Da muss das Augenmerk verstärkt auf kommunikativen Fähigkeiten liegen. 

 

Glauben sie, dass Frauen heute auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden?

Ich glaube, dass wenn es darum geht, dass Frauen Entscheidungspositionen besetzten, sie auch Einiges daran setzen müssen, um sich hier zu positionieren. Manchmal behindern sie auch die eigenen Vorstellungen davon, was richtig und was falsch ist, manchmal auch die Außenbedingungen. Mit dem benachteiligt „WERDEN“ bin ich sehr vorsichtig. Denn Frauen sagen oft: „Na ja, ich möchte ja Familie haben, ist das jetzt sinnvoll für mich, eine Chefposition zu ergreifen?“ und dann stellen sie sich nicht mit einer Vehemenz hin und sagen: „Klar kann ich das!“

 

Was tut ihr Arbeitskreis eigentlich?

Unser Auftrag ist es, Brücken zu bauen zwischen den Unternehmen und insbesondere auch der Schule. Ein besonderes Anliegen ist es uns, Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik zu fördern. Wir entwickeln Projekte, Ideen, Möglichkeiten, wie zum Beispiel, dass junge Mädchen mal einen Blick in eine Welt werfen können, die sie sonst kaum kennen lernen.

Für die einzelnen Projekte haben wir Förderer und Sponsoren und die ermöglichen unsere Arbeit. Da dem bayrischen Wirtschaftsministerium eben gerade die jungen Mädchen am Herzen liegen, ist es schon jahrelang unserer Förderer. 

 

Warum schaffen es Unternehmen denn nicht von alleine? Warum braucht es einen  Arbeitskreis, um Mädchen für MINT begeistern?

Ich glaube, dass unsere besondere Kompetenz ist, dass wir beide Welten kennen. Das ist wichtig, um mit einer hohen Qualität solche Angebote zu entwickeln. Die Unternehmen kooperieren gerne mit uns. Die stellen dann mit uns fest, dass Bildung etwas sehr Wichtiges ist und etwas das man fördern sollte. Und wir haben eben die Kompetenzen um schülergerechte Projekte zu entwickeln. 

 

Was hat das Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft davon?

Es ist Ausdruck des gesellschaftspolitischen Engagements. 

 

In einem Satz: Warum sollte man als Frau denn überhaupt ein MINT-Fach studieren?

Weil es spannend ist und weil es Zukunftsperspektiven hat.

 

 

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