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Margit Hertlein: Humor in der Wirtschaft (12) – Mach’ dich nicht zur Hampelfrau

Humor im Unternehmensalltag
Margit Hertlein: Expertin für den humorvollen Blick auf den Unternehmensalltag (Bild: Fotostudio Hellhörig)

… aus der wöchentlichen Themenserie “Jetzt mal im Spaß – Humor in der Wirtschaft” von der Expertin für den humorvollen Blick auf den Unternehmensalltag und leidenschaftlichen Autorin/Rednerin und Trainerin Margit Hertlein. Nach “Lachen ohne Grund.” folgt heute: “Mach’ dich nicht zur Hampelfrau.”

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Lachen ohne Grund war in der letzten Kolumne unser Thema und das kann man weiß Gott oft genug brauchen. Denn es ist eine der deprimierendsten Grunderfahrungen menschlichen Seins, dass man einfach nicht allen Idioten aus dem Weg gehen kann. Erst recht nicht im Beruf. Geradezu entwürdigend ist es allerdings, wenn man einem dieser Unverbesserlichen begegnet und sich dabei selbst zum Idioten macht. Das geht unglücklicherweise schneller als es einem lieb ist. Die Situation kennt jeder: Man wird schwach von der Seite angeredet und anstatt souverän mit Witz und voller trockener Ironie zu kontern, steht man neben sich und darf sich dabei zusehen, wie man beim verzweifelten Versuch intelligent zu wirken, Unartikuliertes vor sich hin stammelt. Wir werden in dem Moment zum Hampelmann oder zur Hampelfrau und lassen uns vom arroganten, aggressiven, unverschämten oder beleidigenden Auftreten des Anderen in die Enge treiben. Wir geben ihm die Zügel oder noch besser die Fäden unseres Hampelmanns in die Hand und zappeln nur noch.

Schlagfertig heißt, dass einem etwas Humorvolles auf einen Schlag einfällt

Am Abend auf dem Sofa sieht die Welt ganz anders aus. Da fallen einem all die trockenen Bemerkungen ein, die man mit nonchalantem Grinsen entgegensetzen hätte können. Man berauscht sich an der Vorstellung, wie es anders hätte laufen können, bevor einem umso schmerzlicher die Realität in den Sinn gelangt. Aber: Alle die Derartiges schon erlebt haben, sollten sich trösten. Zum einen: Humor ist im Umgang mit Idioten der richtige Weg. Schlagfertigkeit kommt nämlich nicht davon, dass man den anderen niederschlägt, sondern Schlagfertigkeit sollte damit zu tun haben, dass einem etwas Schlaues, Humorvolles und Gewitztes auf einen Schlag einfällt. Zum anderen: dass einem  – wenn auch erst auf dem Sofa – eine gute Bemerkung einfällt, ist der Beweis dafür, dass man über ein funktionierendes Großhirn verfügt.

Wenn man sich zum Hampelmann machen lässt, hat das nämlich auch viel mit den Mechanismen des Gehirns zu tun. Der moderne Mensch empfindet einen unerwarteten, verbalen Angriff auf die eigene Integrität als existentielle Bedrohung. Biochemisch schrillen die Alarmglocken, als ob ein steinzeitliches Wollnashorn mit 80 Sachen auf uns zuhalten würde. Das Großhirn mit all seiner strategischen Planungsfähigkeit und zivilisatorischen Errungenschaften geht in Deckung und lässt die Kollegen vom Limbischen System ans Ruder. Die sind im menschlichen Hirn die Jungs fürs Grobe. Hier werden die Triebe gesteuert. In Sachen Wollnashorn heißt das: Adrenalin flutet den Körper, unser ferner Vorfahr nimmt die Beine in die Hand, beeilt sich, Luft zu gewinnen, und überlebt.

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Christoph Schroeder

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