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Margit Hertlein: Jetzt mal im Spaß – Humor in der Wirtschaft (7): Vorsicht spielende Kinder!

Humor im Unternehmensalltag
Margit Hertlein: Expertin für den humorvollen Blick auf den Unternehmensalltag (Bild: Fotostudio Hellhörig)

… aus der wöchentlichen Themenserie „Jetzt mal im Spaß – Humor in der Wirtschaft“ von der Expertin für den humorvollen Blick auf den Unternehmensalltag und leidenschaftlichen Autorin/Rednerin und Trainerin Margit Hertlein. Nach „Wer bin ich und was hat Humor mit mir zu tun?“ (Teil 1 und Teil 2) folgt heute: „Vorsicht spielende Kinder (1)“

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Erinnern Sie sich an den letzten Artikel? Spielerische Kind-Ichs sind Hunderttausende wert stand da und wie man sie herauslockt, das lesen Sie hier.

Bei Google-Hamburg sieht es aus, als ob einer, der nie erwachsen geworden ist, seine Spielzeugkiste ausgekippt hat. Da hängen Fußbälle von der Decke, sind Spielzeugautos an Wände geklettet und ein buntes Fähnchen steckt in einem Golf Green aus Plastik. Mitarbeiter könne sich zum Arbeiten aber auch in Holzboote oder einen U-Bahn-Waggon setzen oder sich zum Meeting im Bällebad verabreden. Das ist nicht nur ein Spleen der Hamburger-Googler, die Büros des Internetriesens atmen weltweit den Willen zum Spiel und zum Albernsein.

Nun muss man wissen, dass Google im vergangenen Jahr das erfolgreichste Digitalunternehmen der Welt war. Eine Position, die ein Konzern nicht ausschließlich dadurch erreicht, dass er Menschenfreundlichkeit demonstriert. Und auch bei den verspielten Büros geht es letztlich darum, dass der Rubel rollt. Google weiß nämlich, dass der Aufwand lohnt. Klassisch betriebswirtschaftlich, auf Cent und Euro. Aber wie kann es sich rechnen, wenn die Mitarbeiter während ihrer Dienstzeit Tischtennis spielen und Witze in der Kaffeeecke reißen?

Lassen wir Linus Torvalds zu Wort kommen, seines Zeichens Begründer der berühmten Linux-Software: „Spaß und Lachen sind unerlässliche Voraussetzungen für gutes Programmieren. Die Leute müssen Quatsch machen dürfen.“ Das ist ein eher undeutsches Arbeitsverständnis. Hierzuland nehmen die Gedanken der Arbeitnehmer häufig folgenden Pfad: Wenn die Arbeit Spaß macht, dann handelt es sich im Grunde genommen gar nicht mehr um Arbeit. Wenn ich auf der Arbeit aber gar nicht wirklich arbeite, dann könnte mein Chef auf die Idee kommen, mein Gehalt einzufrieren und stattdessen einen Mitgliedsbeitrag zu erheben.

Ist der Chef aber schlau, wird er einen Teufel tun, denn Mitarbeiter, die mit Spaß und Freude werkeln, müssten sein Herzen eigentlich höher schlagen lassen. Sie sind engagiert, selten krank und haben Ideen. Und Ideen sind der Rohstoff der deutschen Wirtschaft. Nicht nur in der bunten Welt des Internets, sondern auch in den Fabrikhallen der Republik. Die zündende Idee, wie sich Bauteil X mit noch weniger Toleranz produzieren lässt, der geniale Einfall, wie mit wenig Aufwand ein neues Produkt auf einen neuen Markt geworfen werden kann … Das sichert die Zukunft von Unternehmen.

Offensichtlich gelingen solche Durchbrüche deutlich leichter, wenn Humor, Quatsch und Spaß am Arbeitsplatz erlaubt sind. Das ruft das spielende Kind auf den Plan, das mit unverstelltem Blick auf die Dinge blickt und dabei manchmal Sensationelles entdeckt. Wer als Chef das Hobby hat, die Kaffeerunden seiner Angestellten aufzuspüren und mit einem strengen Blick zu sprengen, der tötet eine Keimzelle der Kreativität in seinem Betrieb. Das bringt ihm möglicherweise zusätzliche Arbeitszeit seiner Untergegebenen, kostet ihn aber bares Geld. Kreativität ist die Währung des Fortschritts.

In den USA gibt es in hochkreativen Firmen, die rufen den Tag des schrillsten Make-Ups oder den Tag des halben Bartes aus. Soweit müssen deutsche Chefs nicht gleich gehen. Aber ein Ideenraum mit Kicker, Couch, Faschingsdiademen und Tischtennisplatte wäre ein ordentlicher Anfang. Wenn dann die Chefs und Chefinnen auch selber zum Schläger greifen und zeigen, dass es ihnen ernst mit dem Spaß ist, mit dem lockeren kreativen Arbeitsumfeld, wird es nicht lange dauern, bis die spielenden Kinder gute Ideen liefern.

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Über die Autorin

Humor im Unternehmensalltag
Margit Hertlein: Expertin für den humorvollen Blick auf den Unternehmensalltag (Bild: Fotostudio Hellhörig)

Margit Hertlein, die Expertin für den humorvollen Blick auf den Unternehmensalltag.

Sie hält leidenschaftlich gerne Vorträge, schreibt Longseller-Bücher (u.a. Mind Mapping/rororo/13. Auflage;  Präsentieren – vom Text zum Bild/rororo) und geht seit mehr als 15 Jahren als Trainerin, Coach und Konzeptexpertin gerne ungewöhnliche Wege.

Erfolgreich ist sie in D/A/CH als Trainerin für Unternehmen und Gesundheitsorganisationen unterwegs, coacht erfolgreich Führungskräfte und tritt als humorvoll-mitreißende Toprednerin auf Kongressen und Veranstaltungen auf.

Margit Hertlein ist Vorstandsmitglied der German Speakers Association (GSA e.V.) und Mentoringleitung der GSA. Mehr über Margit Hertlein erfahren Sie auf www.margit-hertlein.de.

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Marc Brümmer

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