Kolumnen

Me, myself and I – Ich fühle, also bin ich!

Die wöchentliche Business-Kolumne von Ulrich B Wagner mit dem Titel "Me, myself and I – eine Reise in sich hinein und über sich hinaus".

 

Heute: Ich fühle, also bin ich! Oder: Woher wir wissen, was wir wissen….

Die einen wissen – und spüren nichts. Denn Wissen anästhesiert.
Die anderen spüren, aber sie wissen nicht, was sie spüren. (Botho Strauss, Vom Aufenthalt)

 

Gefühle sind der Grundstoff unserer Existenz. Oder anders ausgedrückt: Gefühle sind verkörperte Informationen. Sie geben unserem Leben Richtung und Sinn.

Gefühle informieren uns sehr schnell darüber, ob wir etwas gut oder schlecht finden, ob wir etwas suchen oder meiden sollen.

“Emotionen sind Geschenke der Natur“, formulierte es der Neuropsychologe Jaak Panksepp in einem Interview. „Die Emotionssysteme wurden in der Evolution zur Bewältigung der wesentlichen Anforderungen des Lebens entworfen. Sie informieren uns ständig automatisch über die wichtigen Aspekte des Lebens und teilen uns mit, was sich schlecht, was sich gut und was sich gemischt anfühlt.“

Gefühle sind also ein hochkomplexes Signalsystem, das uns sehr schnell und sehr effizient durch die Höhen und Tiefen unseres Lebens navigiert. Was ist jedoch, wenn wir die Signale nicht mehr eindeutig entschlüsseln können? Oder schlimmstenfalls den Zugang zu unseren Gefühlen komplett verloren haben?

(Negativer) Stress verengt nämlich nicht nur das Denken, sondern bringt auch unsere komplette Gefühlswelt durcheinander, da in diesen Momenten die Angst-Areale das Ruder übernehmen. In diesen Ausnahmezuständen verengt sich unsere Wahrnehmung der Welt. Man sucht angestrengt und extrem fokussiert nach Lösungen für seine Probleme. Vergleichbar mit einem Punktstrahler laufen wir durch dunkle Räume, nehmen immer nur Fragmente und Bruchstücke auf, statt den Lichtschalter umzulegen und damit den Blick auf das Gesamte freizumachen.

Unser Gehirn entwickelte sich über unendlich lange Zeiträume, in denen es maßgeblich als Gefahrensensor herhalten musste: Mammuts, Grizzlys, oder andere Feinde, sowie Hunger und Kälte mussten blitzschnell entdeckt und abgewehrt werden. Wir haben als Spezies überlebt, weil wir darauf geachtet haben, was schieflaufen kann. Der Sozialpsychologe Martin Seligman sprach dahingehend einmal davon, dass wir ein „katastrophisches Gehirn“ besitzen, das immer mit dem schlimmsten rechnet statt damit, dass etwas gut geht.

Negative Emotionen verengen jedoch auch das Spektrum unserer Denk- und Handlungsalternativen. Es sind daher gerade die positiven Gefühle wie Freude, Liebe, Lust, Zufriedenheit etc., die unseren evolutionären Vorteil darstellen. Denn nicht der Misstrauische, der Aggressive oder Ängstliche überlebte am Ende des Tages, sondern der Experimentierfreudige, der Neugierige, zur Freundschaft und Bindung Fähige, der Humorvolle.
Es sind daher die positiven Gefühle, die Kooperationen, Arbeitsteilung und somit das Entstehen komplexer Systeme ermöglichten.

Positive Gefühle sind dahingehend der nachhaltige Motor unserer Existenz. Während die negativen Gefühle kurzfristig eher als Alarmsystem ausgelegt sind, öffnen die positiven unseren Horizont. Sie helfen uns auch dabei, die nachteiligen Nebenwirkungen der negativen Gefühle zu lindern.

Die moderne Psychologie betont dahingehend auch immer wieder, dass im Gegensatz zu den negativen Emotionen und dem sie begleitenden Stress, der uns körperlich und seelisch aus der Balance wirft, die positiven Gefühle einen elementaren vierfachen Langzeitnutzen besitzen:
• Sie begünstigen den Aufbau sozialer Beziehungen
• Sie ermöglichen und fördern das Lernen, die Kreativität und alle Intelligenzleistungen, die Problemlösungen auf höherem Niveau ermöglichen
• Sie wirken sich positiv auf unsere seelische und körperliche Gesundheit aus, indem sie Stress mildern und schneller abbauen helfen
• Sie verbessern unsere Widerstandsfähigkeit, unseren Optimismus und festigen unsere Identität, indem sie unser Selbstwertgefühl verbessern

Wir sollten uns also viel häufiger freimachen und Raum schaffen für positive Gefühle. Dies gilt auch für unsere Arbeitswelt, wie eine Studie des amerikanischen Psychologen Marcial F. Losada aus dem Jahr 1999 sehr eindrücklich gezeigt hat. Losada hat 60 Managementteams auf ihre Leistungs- und Problemlösungsfähigkeit hin untersucht. Minutiös wurde die Interaktion beobachtet und dokumentiert: Wie sprechen die Teammitglieder untereinander? Wie selbstbezogen interagieren sie? Wodurch ist ihr Kommunikationsstil geprägt?

Der Ton und der Umgang, die in einem Team herrschen, beeinflussten eindeutig seine Leistungsstärke: Positiv gestimmte Teams erwiesen sich als flexibler, kreativer, dynamischer und ressourcenreicher. Kurz und bündig: Positiv gestimmte Teams sind im Resultat erfolgreicher. Um sich als positives Team zu qualifizieren, musste das Verhältnis positiver gegenüber negativen Gefühlen in einem Verhältnis von 2,9 : 1 stehen. Ab einem Verhältnis von 3 : 1 leisten alle Teammitglieder ihr Bestes und fühlen sich darüber auch wohl in der Gruppe. Ab einem Verhältnis von 10 : 1 verflüchtigt sich der Effekt jedoch wieder. Dann ist es einfach zu viel des Guten und zu wenig “Salz in der Suppe“.

Wir brauchen unsere negativen Gefühle, um Gefahren zu erkennen und abzuwenden. Wenn sie jedoch erkannt und abgewendet wurden, sollten wir umgehend wieder für gute Stimmung sorgen.

Negative Emotionen führen häufig nur zu blindem Aktionismus und den wohlbekannten Drehtüreffekten.

Gerade in der heutigen Zeit des ständigen Auf und Ab ist es daher entscheidend, ob wir uns freimachen und Platz für positive Gefühle schaffen können. Wir kommen nämlich auf ganz andere Ideen und Lösungen, wenn wir positiv gestimmt sind!

In diesem Sinne: Schaffen Sie Oasen positiver Gefühle, für sich und Andere, privat und geschäftlich. Ihr Erfolg und Ihre Gesundheit werden es Ihnen danken!

Ihr Ulrich B Wagner

 

Zum Autor:

Ulrich B. Wagner, Jahrgang 1967, studierte Psychologie, Soziologie und Rechtswissenschaften an der Johann Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt am Main. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Kommunikation, Coaching und Managementberatung (ikcm) mit Sitz in Bad Homburg und Frankfurt am Main und gleichzeitig Dozent an der european school of design für Kommunikationstheorie sowie Werbe- und Konsumentenpsychologie.

Ulrich Wagner arbeitet als Managementberater und systemischer Coach mit den Schwerpunkten Business- und Personal Coaching, Kommunikations- und Rhetoriktrainings, Personalentwicklung, Begleitung von Veränderungsprozessen und hält regelmäßig Vorträge und Seminare.

Zu erreichen: via Website www.ikcm.de, via Mail uwagner@ikcm.de, via Xing, AGITANO-Expertenprofil und Facebook (Ulrich B Wagner).

 

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