Gesundheit

Medikament gegen bislang unheilbare Degenerationskrankheit Morbus Parkinson rückt in Reichweite

Die Nervenkrankheit Morbus Parkinson ist die am häufigsten verbreitete Degenerationskrankheit. Für die Betroffenen ist der zunehmende Kontrollverlust ihrer feinmotorischen Bewegungen meist nur schwer zu verarbeiten. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Krankheit des Alters, auch Hollywoodstar Michael J. Fox (“Zurück in die Zukunft”) erkrankte bereits mit 29 Jahren an der bislang unheilbaren Krankheit. Bei Parkinson-Patienten sterben im Gehirn Nervenzellen ab, daraufhin steht nicht mehr ausreichend Botenstoff Dopamin zur Verfügung und es kommt zu Bewegungsstörungen, Zittern und Muskelspannung. Genauere Ursachen sind allerdings bislang noch nicht bekannt.

Laut dem Berufsverband Deutscher Neurologen leiden in Deutschland rund 80.000 bis 160.000 Menschen an Parkinson. Obwohl die Krankheit meistens zum ersten Mal im Alter von 60 bis 65 Jahren auftritt, sind auch schon Jüngere davon betroffen: Rund zehn Prozent der Patienten sind erst 40 Jahre alt. Für sie bleibt aufgrund der taktilen Degeneration meist nur die Frührente – was neben der persönlichen Belastung auch deren Unternehmen vor Herausforderungen stellt: Verdiente Mitarbeiter müssen adäquat ersetzt werden, was neben einem personellen auch einen finanzellen Aufwand bedeutet, diese Umstellung geht dann auch in der Regel zusätzlich in der Übergangszeit mit einer Einbuße bei der Produktivität einher.

ForscherInnen der Karl-Franzens-Universität Graz sind dem Schlüssel zu dieser Krankheit einen großen Schritt näher gekommen:

Dr. Sabrina Büttner und Univ.-Prof. Dr. Francesco Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften konnten erstmals einen wichtigen molekularen Schalter des neuronalen Zelltodes der Parkinson-Krankheit identifizieren. Die wegweisenden Forschungsergebnisse wurden im renommierten Journal „Cell Death & Differentiation“ (Nature Publishing Group) publiziert.

Morbus Parkinson entsteht durch das Absterben sogenannter dopaminerger Neuronen in einem wichtigen Bereich des Gehirns, der für die Koordination zuständig ist. Der genaue Mechanismus, der dem Tod dieser Nervenzellen zugrunde liegt, war bis dato unbekannt.

„Was wir wissen ist, dass erkrankte Zellen sich durch einen unnatürlich hohen Kalziumgehalt auszeichnen“, erklärt Madeo. Unterstützt durch ein internationales ForscherInnen-Team untersuchten Madeo und Büttner ein spezielles, Kalzium transportierendes Protein namens PMR1 und machten eine aufschlussreiche Entdeckung: Sobald dieses Protein zerstört wurde, konnten die WissenschafterInnen in verschiedenen Organismen beobachten, dass die durch die Parkinson-Erkrankung angegriffenen Zellen überleben.

Fruchtfliegen wiesen im Test danach zudem weitaus bessere motorische Fähigkeiten auf. Gleichzeitig konnten die MolekularbiologInnen feststellen, dass eine Inaktivierung von PMR1 den Anstieg von Kalzium in den Nervenzellen, der die Parkinson-Erkrankung charakterisiert, verhindert.

Die Forschungsergebnisse stellen einen wichtigen Schritt für ein besseres Verständnis der Krankheit und damit für neue Therapie-Möglichkeiten dar, sind Madeo und Büttner überzeugt: „Medikamente zu entwickeln, die PMR1 ausschalten, wäre möglicherweise eine interessante Aufgabe für die Pharmaforschung.“

Weiterführende Informationen:

www.uni-graz.at
– www.nature.com/cdd/journal/vaop/ncurrent/full/cdd2012142a.html

(mb / mit Informationen der Universität Graz)

Marc Brümmer

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