Bildung

Medizinstudium auf internationalem Niveau

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Die Chancen, im deutschsprachigen Raum für ein Medizinstudium zugelassen zu werden, stehen für das Gros der Abiturienten seit Langem nicht gut. Eine weithin unterschätzte Alternative besteht darin, das Studium im Ausland zu beginnen: Zwar schrecken räumliche Distanz und Sprachkenntnisse zunächst ab. Dennoch zeichnen Erfahrungsberichte ein durchaus positives Bild. Auch hinsichtlich der Anerkennung der Leistungen und der Unterrichtsform stehen ausländische Universitäten, an denen Medizin gelehrt wird, dem deutschen System in nichts nach, im Gegenteilt. Ein Medizinstudium in der Slowakei etwa offenbart spannende Lebenswege für die Studierenden. Wie Andrea Pavlovčinová diesen Weg zusammenfassen würde: „Sie wären überrascht, wie viele nicht mehr wegwollen“. Die Geschäftsführerin von MEDsk, einer Vermittlung für Medizinstudienplätze in der Slowakei, spricht im Interview unter anderem darüber, wie ein solcher Weg für die angehenden Studierenden aussehen kann und wie sie und ihr Team dabei unterstützen.

Medizinstudium im Ausland eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten – Andrea Pavlovčinová im Interview

Frau Pavlovčinová, warum sollte man sein Medizinstudium in der Slowakei beginnen?

Die Zulassung zu einem Medizinstudium in Deutschland ist seit Jahren geprägt von administrativen Hürden, extremen Abiturschnitten und Ungewissheit. In den zahlreichen Jahren meiner Tätigkeit habe ich es immer wieder erlebt, dass enttäuschte und deprimierte Eltern mit ihren Kindern auf mich zukommen, die durch dieses System trotz eines guten Abiturschnitts leider keine zeitnahe Möglichkeit haben, ihren Traum von einem Medizinstudium zu verwirklichen.

Die Studienzahlen an deutschen Universitäten sind teilweise extrem hoch. Große Gruppen, Anonymität und chronisch überfüllte Hörsäle sind an der Tagesordnung. Aus dieser Inflexibilität auch auf den einzelnen Studenten einzugehen resultiert ein Wettbewerb unter den Studenten. Hier bietet ein Studium in der Slowakei ganz klar Vorteile: Kleine Gruppen und ein guter Kontakt zu Professoren und Dozenten sind im Gegensatz zu Deutschland dort normal.

Einen weiteren großen Vorteil sehe ich in einem internationalen Studium auf Englisch. Die Sprache der Wissenschaft ist mehr und mehr Englisch und gewinnt somit nach und nach auch in der Medizin an Bedeutung. Das gilt nicht nur für Forschung und Entwicklung, sondern auch für den täglichen Klinik- oder Praxisalltag.

Sie sind Geschäftsführerin der Vermittlungsagentur MEDsk. Wie genau kann man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Ich sehe mich als mehr als eine reine Vermittlerin eines Studienplatzes. Das ist nur der erste Schritt. Wir reichen alle Unterlagen für den Studierenden ein, kümmern uns darum, dass alle Übersetzungen korrekt, alle Formulare richtig ausgefüllt sind und der Bewerbung allen notwendigen Unterlagen beiliegen. Jede Universität hat ihre Eigenheiten, ihre eigenen Formulare und Ansprüche an eine Bewerbung. Außerdem begleiten wir unsere Studierenden bei der Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung und selbstverständlich auch am Prüfungstag selbst.

Ich persönlich würde mich als Hilfe in jeder Lebenslage bezeichnen. Wenn Sie so wollen: als „zweite Mutter in der Ferne“, die für alles ein offenes Ohr hat und hilft, wo sie kann, um die besten Voraussetzungen zu schaffen, damit der Start und das Studium selbst ein Erfolg werden. Viele meiner Studierenden sind jung, das erste Mal weit weg von zu Hause und von Freunden und Familie getrennt. Ein neuer Lebensabschnitt mit dem Beginn des Medizinstudiums ist auch eine neue Situation, die jeder anders meistert und aufnimmt. In einem fremden Land, in dem so viel Neues auf einen einwirkt, kann das ganz schön viel werden. Genau hier helfen mein Team und ich unseren Studierenden.

Eines Ihrer Service-Angebote ist die Rundum-Betreuung Ihrer Studierenden vor Ort. Wie muss man sich das genau vorstellen?

Nach der erfolgreichen Vermittlung des Studienplatzes geht alles erst los. Ich helfe bei der Wohnungssuche, Eröffnung eines Bankkontos oder der Anmeldung eines Internetanschlusses. Ich achte darauf, dass die Verträge stimmen und bin auch bei der Vermittlung von Wohngemeinschaften behilflich.

Ich sorge dafür, dass der erste Kontakt zwischen meinen Studierenden bereits in Deutschland stattfindet, und Sie wären erstaunt, wie oft Leute quasi aus der gleichen Region kommen! Durch die modernen Medien wie WhatsApp-Gruppen oder Facebook lernen die Leute sich schon vorher kennen, und man hat gleich eine gute Truppe beisammen, die gemeinsam mit einem zusammen das neue Land erkundet.

Ebenfalls stelle ich Kontakt zu den Studierenden in den höheren Semestern her. Mit denen können sich neue Studierende austauschen, sich den einen oder anderen hilfreichen Tipp holen. Und auch bei der ersten Orientierung ist jemand, der das alles schon hinter sich hat und in der gleichen Situation war, immer ganz hilfreich.

Welche Voraussetzungen muss man als zukünftiger Medizinstudent mitbringen, um in der Slowakei zu studieren?

Keine speziellen, wenn Sie das meinen. Als Referenz gilt in der Slowakei lediglich eine hohe Punktzahl im Aufnahmetest. Ein spezieller Notendurchschnitt im Abitur oder Praktika sind nicht erforderlich. Um den Rest, das heißt Bewerbungsunterlagen, Beglaubigungen und alles weitere, kümmere ich mich.

Ist die Unterrichtssprache Englisch ein Problem für die Studierenden?

Nein, in der Regel nicht. Es ist weder ein Nachweis, noch ein spezieller Sprachtest notwendig. Dem Studierenden muss aber bewusst sein, dass auch das Medizinstudium an der Universität ein ausreichendes Maß an Kenntnissen der englischen Sprache voraussetzt.

Die meisten haben vor der Sprache sehr viel Angst, und ich werde immer wieder danach gefragt. Jedoch zeigt meine Erfahrung, dass nach drei Monaten nichts mehr davon zu spüren ist. Die Studierenden stellen sich da sehr schnell um und sind manchmal selbst ziemlich überrascht, wie schnell sie sich an Englisch als Unterrichtssprache gewöhnt haben. Außerdem muss ich sagen, dass auch die Lehrer sehr verständnisvoll sind und keine übertriebenen Ansprüche stellen. Es ist also am Anfang etwas ungewohnt, aber kein Problem.

An welche slowakischen Universitäten vermitteln Sie Ihre Medizinstudenten?

Wir vermitteln an Universitäten, mit denen wir schon seit Jahren zusammenarbeiten und gute Erfahrungen gemacht haben. Im Moment vermitteln wir in der Slowakei an alle großen und staatlich anerkannten Universitäten in Bratislava und Košice. Beides sind gute Partner, vollständig akkreditiert und in der Europäischen Union und USA anerkannt.

Ist ein Wechsel zurück nach Deutschland möglich?

Auch das werde ich sehr oft gefragt. Ja, ein Wechsel nach Deutschland ist möglich. Hier können wir leider nicht weiterhelfen, aber jedes Jahr wechseln auch Studenten nach Deutschland oder Österreich zurück. Wie hoch die Quote ist, kann ich jedoch nicht sagen. Was ich allerdings sagen kann, ist, dass auch viele meiner Studierenden kein Interesse mehr daran haben, nach Deutschland zu wechseln. Sie haben sich eingelebt und haben ihren Freundeskreis und/oder ihre Freundin beziehungsweise ihren Freund vor Ort. Sie kennen das System an der Universität und sind zufrieden mit dem Unterricht und werden das Studium in der Slowakei beenden.

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Andrea Pavlovčinová ist die Geschäftsführerin von MEDsk. Die Studienvermittlung verzeichnet große Erfolge etwa bei der Vermittlung von Plätzen für ein Medizinstudium in der Slowakei. (Bild: © MEDsk)

Nach der Erfahrung aus zahlreichen Jahren kann ich nur sagen: Sie wären überrascht, wie viele nicht mehr wegwollen, die vorher unbedingt nach Deutschland zurückwollten. Aber wie gesagt, prinzipiell ist ein Wechsel möglich.

Frau Pavlovčinová, wir danken für das interessante Gespräch und Ihre spannenden Antworten.

Das Interview mit Andrea Pavlovčinová führte Oliver Foitzik.

 

Über Andrea Pavlovčinová

Andrea Pavlovčinová ist Geschäftsführerin der MEDsk, einer Agentur, die mit großem Erfolg seit 15 Jahren Medizinstudienplätze in der Slowakei an internationale Studierenden vermittelt. Die MEDsk ist die einzige Agentur dieser Art, die ihre Studierenden direkt vor Ort betreut und bei Aufnahmeprüfungen, der Wohnungssuche und anderen Herausforderungen rund um die Uhr unterstützt. Sie kooperiert dabei mit den staatlich anerkannten Universitäten in Bratislava und Košice.

Oliver Foitzik

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