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„Mentale Stärke wird unterschätzt“ – Antje Heimsoeth im Interview

 „Nur, wer sich selbst führen kann, kann auch andere führen.“ Der Schlüssel zu Führungskompetenz ist mentale Stärke – eine oft unterschätzte Fähigkeit. Selbstmanagement, ein Ziel, auf das man konsequent hinarbeitet – all das sind Faktoren, die sich nur mit mentaler Stärke verwirklichen lassen. Mentale Stärke kann man entwickeln und trainieren. Wie, das weiß Antje Heimsoeth, die als Business und Mentalcoach Manager und Spitzensportler begleitet. Auf dem Feminess Kongress in Frankfurt können Sie Antje Heimsoeth am 7. März 2015 live erleben.

 

Persönlicher Kurzsteckbrief von Antje Heimsoeth

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Antje Heimsoeth (Foto: © Oliver Dawid)

Jahrgang: 1964

Position: Geschäftsführerin

Unternehmen: SportNLPAcademy®, Leadership Academy

Vorlieben und Interessen: Querdenkem, Reisen (in die Ferne), Wissen aneignen, Freundschaften, Skifahren, Segeln, Reiten, Golf, Tanzen.

Interview mit Antje Heimsoeth über Selbstmanagement und mentale Stärke

Hallo Frau Heimsoeth, Sie beschäftigen sich intensiv mit den Themen Selbstführung, Mentale Stärke und Motivation. Diese Themen werden seit Jahren durch die Coaching- und Trainer-Szene getrieben. Ist hier wirklich noch Bedarf?

Ich sehe jede Menge Bedarf – und das völlig unabhängig von meinen Kollegen. Mentale Stärke wird bis dato im Business und im (Spitzen-) Sport nur wenig genutzt.

Burnout hat die Wirtschaft in den letzten Jahren viel Geld gekostet. Gerade wurde in Verbindung mit dem neuen Depressionsatlas bekannt, dass Depressionen in Deutschland zunehmen. Das verwundert mich nicht, wenn ich sehe und höre, wie die Menschen in Beziehungen (privat, beruflich, im Sport) miteinander umgehen. Liebevolle, wertschätzende Kontakte und Beziehungen sind ein wichtiger Punkt für die Gesunderhaltung.

Menschen bewegen sich immer weniger, essen immer ungesünder und entspannen sich selten gezielt. Alkohol wird in Deutschland in der Gesellschaft gerne mal bagatellisiert, Kinder erleben nicht nur eine Familie, sondern immer öfter mehrere Patchworkfamilien. Direkte Kommunikation wird durch digitale Kommunikation abgelöst, was für weitere Missverständnisse sorgt. Ich könnte hier noch viele Punkte anführen. Wir sind für unsere Gesundheit, für unsere Beziehungen, für die Gestaltung unseres Lebens selbst verantwortlich. Für viele Menschen ist es aber bequemer, sich aus der Verantwortung zu ziehen, in die Opferrolle zu schlüpfen und andere für ihre Lebensumstände verantwortlich zu machen. In Deutschland wird immer noch auf höchstem Niveau gejammert statt dankbar zu sein für unser „Paradies“, verglichen mit anderen Orten, Umständen und Sozialsystemen auf der Welt.

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Antje Heimsoeth (© Foto: Beatrix Krone)

Sie sagen: „Nur, wer sich selbst führen kann, kann auch andere führen. Nur wer sich selbst vertraut, dem vertrauen auch Mitarbeiter“. Können Sie näher erklären, was Sie damit meinen?

Wir spüren die Überzeugung und Sicherheit in unserem Gegenüber – das gilt auch dann, wenn mein Gegenüber hadert, unsicher ist, zweifelt. Das liegt an den sogenannten Spiegelneuronen. Das sind Nervenzellen, die nicht nur beim eigenen Handeln und Fühlen aktiviert werden, sondern auch bei der Wahrnehmung einer Handlung oder eines Gefühls. Das heißt, mein Gehirn reagiert auf die Handlungen meines Gegenübers so, als ob ich selbst handeln würde. Das gilt auch für Gefühlszustände, die ein anderer hat, z.B. Angst. Unser Gehirn geht in Resonanz auf das, was andere tun oder fühlen.

Zweifle ich als Führungskraft und traue mir die Aufgabe selbst nicht zu, überträgt sich das auf meine Mitarbeiter. Bin ich jedoch selbstsicher, vertraue mir selbst und gehe zuversichtlich an Aufgaben heran, wirkt sich das positiv auf das Verhalten meiner Mitarbeiter aus. Die Spiegelzellen machen in den Köpfen meiner Mitarbeiter aus Beobachtung ein inneres Mit-Erleben. Schon der römische Philosoph, Politiker, Redner und Schriftsteller Cicero wusste: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Übrigens belegen auch Studien, dass ein gutes Selbstmanagement die Basis für eine effektive und aktive Führung ist.

Mentale Stärke ist also das A&O für Erfolg. Ist das nicht etwas zu kurz gesprungen? Erfolg hat ja immer mehrere Komponenten, oder nicht?

Genau. Ich sage nicht, dass Mentale Stärke das A & O ist, sondern Mentale Stärke ist ein Erfolgsfaktor neben vielen anderen, aber eben auch ein total unterschätzter. Unser Kopf ist mentale Kraftquelle und zugleich Steuerzentrale für all unser Denken, Handeln, Fühlen. Wer sich dessen bewusst ist und sich das zunutze macht, ist im klaren Vorteil gegenüber jenen, die diese Zusammenhänge ignorieren.

Wo liegt aus Ihrer Sicht der Unterschied zwischen den Menschen, die Erfolg haben und denjenigen, die scheitern?

Bei denen, die scheitern, mangelt es an Strategien, wie der Mensch mit Niederlagen konstruktiv umgehen kann. Führungskräfte reflektieren sich zu wenig, im Business wird zudem nicht ausreichend schriftlich analysiert und die Rolle des Selbstmanagements wird noch immer unterschätzt.

Erfolgreiche Menschen haben Visionen und Ziele, denken groß, kommen ins Handeln und TUN, stehen öfter auf als sie hinfallen – kurz, sie haben mentale Stärke. Sie vergleichen sich selten oder gar nicht mit anderen, ihnen ist es weitgehend egal, was andere über sie denken. Außerdem haben sie Disziplin, Willensstärke und sind fleißig. Sie verbringen ihre Zeit deutlicher seltener mit Oberflächlichkeiten (Fernsehkonsum, Shoppen etc.), sondern überprüfen ihr Tun darauf hin, ob ihre Handlungen sich positiv auf ihre Ziele auswirken. Sie beschäftigen sich mit sehr erfolgreichen Menschen und lernen von diesen, eignen sich Wissen und nochmals Wissen an, haben ein Support-Team, Mentoren oder Menschen, die sie unterstützen und die ihnen den Rücken frei halten, damit sie sich auf ihre Performance und Ziele konzentrieren können. Ich kenne keinen Menschen, der ohne ein solches unterstützendes Umfeld erfolgreich geworden ist – nur von dem Team im „Hintergrund“ erfahren wir im Außen kaum etwas.

Wie kann ich Mentale Stärke trainieren?

Im Mentaltraining gibt es verschiedene Techniken. Das Nutzen unserer geistigen Vorstellungskraft spielt eine zentrale Rolle, ebenso die Kontrolle unseres inneren Dialogs oder die sogenannte Gedankenhygiene. Ziel des Mentaltrainings ist es stets, sich im Vorfeld mit zu erwartenden herausfordernden Situationen geistig zu beschäftigen, um sich optimal auf sie vorzubereiten. Das bedeutet sozusagen „geistiges Probehandeln“. Bei solchen Visualisierungen werden möglichst alle Sinne miteinbezogen. Die regelmäßige Übung ist wichtig, damit unser Kopf die idealen Abläufe sicher abspeichern und im Moment der Herausforderung zur Verfügung stellen kann.

Unser innerer Dialog ist entscheidend beim Bewältigen von Herausforderungen. Es macht einen großen Unterschied, ob ich mir z.B. vor einer wichtigen Präsentation sage „Hoffentlich gerate ich nicht wieder ins Stocken.“ oder „Hoffentlich passiert nicht wieder xy“ oder ob ich mir innerlich sage „Ich glaube an mich“ und „Ich freue mich auf diese Gelegenheit, mein Können unter Beweis zu stellen.“ Positive Selbstgespräche lassen sich im Vorfeld formulieren, trainieren und unterstützen uns in solchen Situationen. Neige ich in schwierigen Situationen zu Selbstzweifeln und gerate schnell in ein Gedankenkarussell, lässt sich auch dieses mit entsprechenden Techniken stoppen.

Was geben Sie Ihren Klienten zum Thema Mentale Stärke, Selbstführung und Motivation mit auf den Weg? Was wäre der erste Schritt?

Der Weg zum Erfolg wird von klaren, positiven, aktiven Zielen (Ergebnis- und Prozessziele, Mottoziele) bestimmt. Wer keine Ziele hat, kann nirgendwo ankommen, kann keine konkreten Pläne verfolgen und seltener Erfolge verbuchen, was sich wiederum auf das Selbstvertrauen auswirkt. Zielarbeit ist der erste, enorm wichtige Schritt im Mentaltraining. Generell müssen Ihre Ziele Sie motivieren! Spüren Sie ein Kribbeln, wenn Sie sich vorstellen, am Ziel zu sein? Wichtig: Ihr Ziel muss erreichbar sein und der Glaube, es erreichen zu können, unerschütterlich. Eine zeitliche Fixierung („innerhalb der nächsten sechs Monate“) hilft Ihnen, den Eigenantrieb zu erhöhen.

Haben Sie ein Ziel definiert, gilt es, passende Strategien zu entwickeln. Welche Wege und Ressourcen erschließe ich mir für die Zielerreichung? Wen oder was brauche ich dafür? Welches Vorbild könnte mich zusätzlich anspornen? Jegliches Tun und Handeln sollte aufs Ziel ausgerichtet sein. Der Fokus zählt, und ohne Fleiß und Disziplin keine Zielerreichung.

Sie sind auf dem Feminess-Kongress 2015 als Referentin mit dabei. Was erwartet die Teilnehmerinnen?

Kein „Tschakka, Tschakka“-Geschrei, sondern Impulse, viele praktische Beispiele und erste kleine Übungen für den Alltag.

Liebe Frau Heimsoeth, Danke für Ihre interessanten Ausführungen über mentale Stärke und Selbstmanagement. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Das Interview führte Oliver Foitzik, Herausgeber von AGITANO und HCC-Magazin.

Hinweis der Redaktion

Nehmen auch Sie am Feminess Kongress 2015 am 07. März 2015 in Frankfurt am Main teil. Ein tolles Programm erwartet Sie. Sichern Sie sich hier gleich Ihren Platz: www.feminess-kongress.de/tickets. Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.feminess-kongress.de.

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© Antje Heimsoeth

Über Antje Heimsoeth

Antje Heimsoeth, Diplom Ing. (FH) ist Expertin für Selbstführung, Mentale Stärke und Motivation. Als Business und Mental Coach hilft sie Spitzensportlern wie Managern dabei, ihr volles Potenzial zu erschließen – und das weltweit. Seit 2003 führt Antje Heimsoeth ihr Institut, die SportNLPAcademy® und Leadership Academy. Die Bestsellerautorin zählt zu den 100 besten Rednern im deutschsprachigen Raum und wurde als „Vortragsrednerin des Jahres 2014“ ausgezeichnet. Mehr über Antje Heimsoeth und ihre Tätigkeit erfahren Sie unter www.antje-heimsoeth.com und www.business-mentaltrainer.eu.

Katja Heumader

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