Wirtschaft

Mercedes schmeißt US-Chef raus – Rätselraten um Ursache

Die Umstände sind ungewöhnlich: In einer Ad-hoc Aktion muss der langjährige Mercedes-Chef in den USA überraschend seinen Stuhl räumen. Der Konzern selbst lässt sich dabei noch nicht einmal zu den sonst üblichen Floskeln der Erklärung hinreißen und blieb auch den Grund für die Entlassung schuldig. Ernst Lieb wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt. Neuer Interimschef ist US-Finanzchef Herbert Werner. Konzerninsider vermuten aufgrund der Umstände ein Compliance-Thema, also was die Einhaltung von Regeln und Gesetzen in dem Unternehmen betrifft: „Wenn es so schnell geht, ist das bei uns meist ein Compliance-Thema.“ Der 56-Jährige Lieb war 36 Jahre lang bei Daimler beschäftigt und hatte 2006 Paul Halata als Chef von Mercedes-Benz USA abgelöst.

Das US-Justizministerium hatte 2009 Daimler der systematischen Korruption beschuldigt: Zwischen 1998 und 2008 seien in mindestens 22 Ländern Amtsträger bestochen worden, um an Aufträge zu gelangen. Anfang 2010 hatte Daimler daraufhin einem Vergleich zugestimmt und 185 Millionen Dollar gezahlt. Seitdem steht das Thema Compliance in dem Konzern an vorderer Stelle: Ein Vorstandsposten für Recht und Integrität wurde geschaffen und eine Hotline freigeschaltet, bei der Arbeitnehmer anonym Compliance-Verstöße melden können.

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