Wirtschaft

Mineralölwirtschaft frisst Lohnzuwachs auf – Konsumklima leicht rückläufig

Erstmals nach sechs Anstiegen in Folge ist der Konsumklimaindex des GfK-Marktforschungsinstituts für den Monat April leicht rückläufig. Der Index sank von 6,0 auf 5,9 Punkte. Hauptgrund ist laut der Marktforscher die anhaltende Teuerung bei Mineralölerzeugnissen, allen voran beim Sprit: „Rekordstände für Benzin und Diesel an den Zapfsäulen haben im März in den Köpfen der Konsumenten ihre Spuren hinterlassen. (…) Die Konsumenten, und hier in erster Linie die Berufspendler, sehen ihre Kaufkraft durch die hohen Preise gefährdet. Ein immer größerer Anteil ihres verfügbaren Einkommens muss derzeit für Energie und Sprit aufgewendet werden.“ Demnach schätzen die 2.000 repräsentativ Befragten die Konjunktur wieder besser ein (+1,3 Punkte) und wollen auch weiter größere Einkäufe machen (-0,6 Punkte), allerdings schätzen sie ihre künftigen Finanzen etwas schlechter ein (-7 Punkte). Der hohe Spritpreis hat auch die Inflationsrate für den Februar von 2,1 auf 2,3% erhöht. Die EZB sieht nur bis zu einem Wert von 2% die Preisstabilität gewahrt. Die GfK-Experten zeigten sich dennoch im Ganzen optimistisch: Vor allem die sinkende Arbeitslosigkeit und die steigende Beschäftigung seien eine „wesentliche Stütze der Kauflust“.

Studie belegt Benzinpreise in Deutschland als 100 Mio. Euro Abzocke pro Monat

Eine Studie der Grünen-Bundestagsfraktion hat letzte Woche die Mineralölwirtschaft in Deutschland erneut an den Pranger gestellt und damit zum wiederholten Mal die Politik zum Handeln aufgefordert, die Verbraucher vor dem Tankstellenoligopol wirksam zu schützen. Zuvor hatten bereits der ADAC und das Bundeskartellamt den Markt untersucht und dringenden Handlungsbedarf festgestellt. Bislang verhallten die Forderungen allerdings nicht zuletzt an dem FDP-geführten Wirtschaftsministerium. Die aktuelle Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion hat aufgezeigt, dass zwischen Ende November 2011 und Anfang März 2012 – der Preis für ein Liter E5 um 11,3 Cent gestiegen ist – davon wurden 42% des Preisanstieges ungerechtfertigt von der Mineralölbrosche als zusätzlicher Gewinn abgegriffen, die allerdings sowie so schon von Rekordgewinn zu Rekordgewinn eilt (Shell hat beispielsweise 2011 bei einem Umsatz von 484,5 Mrd. Euro 31,2 Mrd. Euro Nettogewinn nach Steuern eingefahren, Branchenprimus ExxonMobil kam bei einem Umsatz von 486,4 Mrd. Euro auf einen Nettogewinn von unglaublichen 42,2 Mrd. Euro). Die andauernden Preiserhöhungen führen nun laut der Studie dazu, dass die deutschen Autofahrer aufgrund des vom Bundeskartellamts nachgewiesenen nicht funktionierenden freien Wettbewerbs (es gebe im deutschen Tankstellenmarkt ein „Oligopol von einigen wenigen marktbeherrschenden Unternehmen“ mit „Marktstrukturen zum Nachteil des Verbrauchers“) pro Monat 100 Millionen Euro ungerechtfertigt zu viel bezahlen. Nachbarländer wie Luxemburg sind schon längst einen Schritt weiter und legen der mächtigen Branche strikte Regeln auf: In Luxemburg, gegen jeden Sozialismusverdacht erhaben, regelt über staatliche Preiskontrollen und einer geregelten Preisgrenze den Spritpreis. Die Preisgrenzen errechnen sich nach einer gesetzlich definierten Formel gemäß der Preisentwicklung an den entsprechenden europäischen Börsen. Damit wäre der Spielraum der Abzocker eingedämmt und den deutschen Verbrauchern würde ein signifikanter Teil ihrer Kaufkraft für sinnvollere Dinge erhalten bleiben. (Weitere Details in dem Artikel „Studie zu Benzinpreisen und Tankstellen-Oligopol: Verbraucher werden abgezockt, Regierung schaut zu“ sowie in dem Artikel „UN-Studie belegt: Hochfrequenzhandel der Börsenspekulanten verzerrt Rohstoffmarkt und ist Preistreiber zulasten der Realwirtschaft“.)
(mb)

 

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