Panorama

MINT-Kaminabend bei der DLGI in Bonn am 01. September 2009

Eine spannende Diskussion über Erfolg und Misserfolg der Vermittlung von Mathematik und Naturwissenschaften entbrannte beim MINTKaminabend auf Einladung der Dienstleistungsgesellschaft für Informatik in Bonn, Herausgeberin des Europäischen Computer Führerschein. Die Motivation der Initiative ‘MINT Zukunft schaffen’ liege nicht zuletzt darin, dass der drohende Fachkräftemangel in MINT-Berufen im schlimmsten Fall einen Wertschöpfungsverlust von 28 Mrd. EURO pro Jahr für die deutsche Wirtschaft bedeuten könne, eröffnete Dr. Ellen Walther-Klaus, Geschäftsführerin der MINT-Initiative die Diskussion.

 

Einige Zitate als Schlaglichter

 

Rudolf Leisen, BMBF

„Obwohl ich gerne Mathematiker geworden bin, hat mich immer gestört, dass in der Mathematik wie auch in den meisten Naturwissenschaften nur erklärt wird, was und warum geschieht aber nie wofür es gut ist. Nicht umsonst ist der Zulauf zu den Bindestrichfächern größer, da dort der Bezug zur Anwendung direkt sichtbar wird. Deshalb halte ich es für erforderlich, dass im Zuge eines handlungsorientierten Unterrichts – wie bereits in vielen anderen Fächern – auch in Mathematik und den Naturwissenschaften die Themen in die Kontexte der Lernenden lebensnah eingebettet werden. Erst dann kann die MINTInitiative den notwendigen Erfolg haben. Die Partner der MINT-Initiative sind gerne bereit, die Lücke zwischen den MINT-Fächern und dem realen Leben schließen zu helfen. Und dann erst ist es für niemanden mehr attraktiv, zu erzählen, dass sie eine Fünf in Mathe hatten, denn mit einer Fünf in Deutsch würde das heute auch niemand tun.“

 

Prof. Dr. Ulrich Trottenberg, Leiter des Fraunhofer Instituts SCAI

„Wir müssen die mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer mit Anwendungsbeispielen und Praxiserfahrungen anschaulich machen und den Schülerinnen und Schülern dadurch lebensnah erklären. Mathematikunterricht heisst immer noch Parabeln und Hyperbeln und dieselben Ableitungen, wie sie schon vor Jahrzehnten gelernt wurden. Unsere Unterrichtmethoden in diesen Fächern sind inhaltlich 30 Jahre zurück und können keine Begeisterung wecken. Die brauchen wir aber und zwar besonders bei den jungen Frauen.“

 

Frau Hofferberth-Junge, Managerin Deutsche Telekom AG

"Ich habe Mathematik studiert, weil mich Versicherungsmathematik interessierte. Zusammenhänge zwischen Lebensalter und der Abbildung von Risiken in mathematischen Modellen weckten damals mein Interesse. Heute arbeite ich in leitender Funktion als verantwortliche IT-Programmleiterin in einem Großkonzern. Dabei eröffnet mir das logische Denken aus meinem Studium immer wieder die Möglichkeit, komplexe Sachverhalte schnell zu durchdringen und strukturiert zu vermitteln. Viele Jugendliche haben keine positive Assoziation mit dem Fach Mathematik und verbinden dies nicht offensichtlich mit Karrierechancen. Karrieremöglichkeiten und Berufschancen lassen sich gerade auch mit diesen Studiengängen realisieren und das müssen wir zeigen, damit können wir junge Menschen motivieren."

 

Thomas Michel, Geschäftsführer der DLGI

„Was wir beim ECDL beobachten ist, dass auch im allgemeinund berufsbildenden Bereich ein erheblicher MINT-Nachholbedarf besteht. Die bei uns akkreditierten Schulen verbessern daher durch die Orientierung am internationalen ECDLStandard die Chancen ihrer Schüler, denn das „I“ in MINT, für das wir ja stehen, ist inzwischen in fast allen Berufsbildern wesentlicher Bestandteil. Aber auch hier wirkt der Teufelskreis der MINT-Lücke. Es gibt zu wenige Lehrer, die IT vermitteln wollen oder können. Davon sind auch unsere ECDL-Schulen betroffen. Das macht uns Sorgen und war einer der Gründe dafür, dass wir uns bei MINT-Zukunft schaffen engagieren.“

 

Dr. Ute Gärtel-Zafiris, BMBF

„Sobald wir mit so genannten Bindestrich-Naturwissenschaften zu tun haben, wird das Bild anders, bei Fächern wie Medieninformatik oder Technik-Kommunikation sieht das anders aus, überlaufen plötzlich die Studentinnen die Fächer. Die „reine Lehre“ oder Mathematik als reine Wissenschaft betrieben, übt keine Anziehungskraft aus, wenn sie nicht in der Praxis und an realen Beispielen erläutert wird, die Lebenswirklichkeit sich anschaulich mit diesen Wissenschaften verbinden lässt.“

 

Dr. Peter Federer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Informatik e.V.

„Wir stellen häufig fest, dass scheinbar ‚kommunikative‘ oder ’soziale‘ Teildisziplinen der Informatik höhere Spontanaffinität z.B. bei Studienanfängern/innen besitzen. Es handelt sich bei unserer Disziplin ‚Informatik‘ jedoch um eine, die eine gute Grundbildung an und Interesse für Mathematik erfordert. Ist das nicht der Fall, kann es zu Enttäuschungen und Studienabbrüchen führen. Mit möglichst früher Information, geeigneten Wettbewerben und Initiativen versuchen wir deshalb zusammen mit Partnern, möglichst präzise Erwartungen zu fördern.Wir müssen aufpassen, dass wir MINT nicht für alte, eigene Positionen nur als Etikett neu verwenden. Sondern als Chance nach vorne, dh. die Kombination von Disziplinen an gemeinsamen Erkenntnisobjekten nutzen. Um gemeinsam zu faszinieren, motivieren, informieren.“

 

Dr. Paul Genath, Deutsche Physikalische Gesellschaft

„Wir sehen schon Veränderungen in der Physik, wo insbesondere das Einsteinjahr und im Gefolge die durch das BMBF geförderten Highlights der Physik wirklich spürbar etwas an den Einstellungen der Schülerinnen und Schüler verändert haben. Wir sehen ein gewachsenes Interesse an Physik, aber es ist richtig, dass wir dem Gender-Aspekt noch mehr Aufmerksamkeit widmen müssen. In unserer Gesellschaft werden noch immer z. T. tradierte Berufsbilder und Rollenzuweisungen fortgeschrieben und das bleibt nicht ohne Folgen. Wir brauchen verständliche Erklärer wie etwa Harald Lesch oder Ranga Yogeshwar, die dafür auch die Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik der DPG erhalten haben, die über Physik Geschichten erzählen können, die spannend sind.“

 

Dr. Ellen Walther-Klaus, „MINT Zukunft schaffen“

„Müssen wir nicht auch lernen, über Mathematik spannende Geschichten erzählen zu können? Geschichten, die ansprechen und Interesse wecken, die zeigen, wie Mathematik und Informatik mit Modedesign zusammen hängen oder akustische Physik mit dem Verhalten von Walen? Viele dieser ganz einfach erklärbaren Zusammenhänge sind wenig bekannt, die können aber Menschen, die aus diesen Berufen kommen und die dies erfahren haben aus eigener Anschauung erklären und die Lehrkräfte besser unterstützen, dafür brauchen wir Sie als Botschafter. Das sage ich, weil ich beide Seiten kenne und seit vielen Jahren sowohl in lehrenden Berufen und in der Wirtschaft tätig bin.“

 

Wenn Sie sich für MINT Zukunft schaffen interessieren, nähere Informationen finden Sie unter www.mintzukunft.de und/oder kontaktieren Sie info@mintzukunftschaffen.de.

 

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