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MINT: Mädchen und Technik?!

… aus der MINT-Kolumne "MINT-Fachkräfte – dringend gesucht" von Dr. Ellen Walther-Klaus, Geschäftsfüherin von MINT Zukunft schaffen.

Mädchen und Frauen spielen seit Anbeginn der Menschheit eine wichtige Rolle in dem Bereich „Technik“ – allerdings wird es selten unter diesem Aspekt gesehen. Und Frauen haben beispielsweise in der neolithischen Revolution begonnen, die Äcker zu kultivieren, waren die Sammler von Beeren und Pilzen zur Nahrung für den Winter, haben die Bekleidungsindustrie in bedeutendem Maße geprägt, und – was vor allem den Männern bestimmt gut gefällt – laut der Website "Welt der Erfinder" das erste Bier gebraut.

Unsere Situation heute

Wir haben in Deutschland, wie auch in anderen Europäischen Staaten, einen Mangel an naturwissenschaftlich-technischen Fachkräften in Wirtschaft und Verwaltung (kurz MINT für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Dieser Mangel ist ein strukturelles Problem bedingt durch die demographischen Prozesse, der Altersstruktur der erwerbstätigen Ingenieure und Ingenieurinnen und die Zunahme an Ingenieurtätigkeiten in Wirtschaft und Gesellschaft. Wirtschaftlicher Aufschwung verschärft die Situation; jedoch ist es für Deutschland unabdingbar MINT zu sein, weil nur so unser Wohlstand, unsere Sozialsysteme Bestand haben können und wir auch weltweit mithalten können. Es gibt zu MINT keine wirkliche Alternative. Und ohne MINT werden wir keine der Herausforderungen unserer Zeit, Nahrung, Verkehr, Umwelt, Medizin lösen können.

Allerdings herrscht noch immer bei uns ein Vorurteil, dass MINT-Berufe nichts für Mädchen und Frauen seien. Laut einer Studie „Nachwuchsbarometer“ der acatech stimmen technisch interessierte Jungen „im überdurchschnittlichen Maße der Auffassung zu: „Technik ist nichts für Mädchen“, zweifeln Mädchen häufiger an ihrer technischen Begabung als Jungen bei gleicher Kompetenz und schulischer Leistung. Sie haben trotz guter Leistungen in MINT noch zu wenig Selbstvertrauen. Sie führen ihre Erfolge auf Glück zurück und Misserfolg auf mangelnde Begabung.
Mädchen und Frauen brauchen als ein wichtiges Motiv für ihre Studien- und Berufswahl „einen gesellschaftlichen Beitrag durch den Beruf leisten zu können“. Dies geht aber leider im Schulalltag und im Studium unter. Praxisbezüge werden eher selten vermittelt, ebenso wie eine überzeugende Darstellung, was Technik für Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur leistet. Vielfach wird auch gar kein Zusammenhang gesehen.

Dabei hat Technik hohe Attraktivität in Schule, Alltag und Kultur, wie einige wenige Überlegungen zeigen. Gerade in der Bewältigung des Alltags, der Frauen ja immer in besonderem Maße angeht, gibt es Technik-Verschiebungen, wir können nicht mehr wie vor hundert Jahren leben, wenn wir für alle Menschen gute Lebensqualität erreichen wollen. Als Beispiel nehmen wir das Trinkwasser. Unsere weltweite Wasserversorgung hängt von guter Technik ab. Trinkwasser ist eines der Hauptprobleme in der Welt, und wo früher Bäche und Flüsse ausgereicht haben, kann heute nur noch Technik zu einer hinreichenden Versorgung beitragen. Alles, was wir hier uns einfallen lassen, ist von größter Bedeutung zum Überleben für sehr viele.

Was also hält so viele junge Mädchen davon ab, einen MINT-Beruf zu ergreifen?

Technik ist relevant für unser alltägliches Leben, für unsere Lebensqualität, für kulturelles Leben. Was ist also zu tun, um junge Mädchen zu überzeugen? Wie können wir sie gewinnen?

Die Zahlen, Daten und Fakten zeigen, dass eine MINT-Ausbildung, ein MINT-Studium die beste Voraussetzung sind, um ein Leben lang attraktiv für das die Berufswelt zu sein.

Fehlt es an weiblichen MINT-Vorbildern – so wie die Zahl der Forensikerinnen zugenommen hat, seit es diese Fernseh-Krimis gibt? Es gibt seit tausenden von Jahren Beispiele für Frauen mit herausragenden naturwissenschaftlich-technisch Leistungen.

Hypathia, (370 – 415) war Direktorin der neuplatonischen Schule in Alexandria. Ihre Vorlesungen über Philosophie Mathematik, Mechanik und Astronomie hatten einen sehr guten Ruf.

Im Mittelalter machen verschiedene Frauen von sich reden: Hildegard von Bingen (1098 – 1178) Chemikerin und Physikerin, die Italienerin und Mathematikerin Maria Gaetana Agnesi (1720 – 1795), die zusammen mit der Physikerin Laura Bassi (1711 – 1778) an der Universität Bologna lehrte.

Sophie Germain (1776 – 1831) war eine französische Mathematikerin. Nach dem Durcharbeiten der Arbeiten von Newton, Euler, Laplace, Lagrange und Gauß schrieb sie eigene Forschungsergebnisse auf und präsentierte diese in einem Briefwechsel Carl Friedrich Gauß.

 

Die Liste lässt sich (noch sehr lange) weiter fortsetzen: Ada Lovelace (1815 – 1852) Tochter des Lord Byron und Mitarbeiterin Charles Babbages ist Namensgeberin der Programmiersprache Ada. Lise Meitner (1878 -1968) war eine österreichisch-schwedische Kernphysikerin. Unter anderem lieferte sie im Januar 1939 zusammen mit Otto Frisch die erste physikalisch-theoretische Erklärung der Kernspaltung. Aber auch den Scheibenwischer haben Frauen erfunden, durch Mary Anderson zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der Kaffeefilter wurde von Melitta Bentz erdacht, das Tipp-Ex von Bette Graham. D.h. an Vorbilder(inne)n fehlt es nicht, wenn sie vielleicht auch nicht so werbewirksam dargestellt sind.

Wie finden Mädchen und Frauen „ihren“ Beruf?

Zunächst einmal gibt es mehr als 380 Ausbildungsberufe und viele tausend Studiengängen. Ganz wichtig ist, sich darüber zu informieren. Es gibt viele Internet-Seiten mit Berufsbildern und Voraussetzungen für diese Berufe, z.B. ist www.mintzukunft.de ein Portal, das auf viele weitere Infoquellen hinweist (unter dem Navigationspunkt „Jugendliche“).

Daneben sollte man so früh wie möglich Praktika machen und sich Studiengänge ansehen: Erfahren ist einprägsamer als nur lesen, und viele Unternehmen und Hochschulen – gerade auch in Nicht-Ballungsgebieten – bieten sich hier mit attraktiven ganz neuen Berufsbildern und -inhalten an.
So hat z. B. ein junges deutsches Unternehmen aus Niederbayern zum Erfolg der letzten Fußballweltmeisterschaften in Südafrika beigetragen. Es klebt alles mit modernsten Klebern und Klebetechniken zusammen, ist international aufgestellt und bietet hohe Zukunftschancen.

Oder die Unternehmen und Fachhochschule in Albstadt-Ebingen: sie haben sich „intelligente Kleidung“ zum Ziel gesetzt, Kleidung, die auch bei höchsten Ansprüchen standhalten muss.

Auch sollten Mädchen und Frauen die vielfältigen Mentorinnen-Programme in Anspruch nehmen. Mentorinnen stehen gerne zur Verfügung, um ihre persönlichen Erfahrungen einzubringen und zu helfen, sich in dem Dschungel der MINT-Möglichkeiten zu Recht zu finden, auch wenn es anfangs mal nicht so klappt.

Ich persönlich kann nur Mädchen und Frauen darin bestätigen, im MINT-Umfeld aktiv zu werden und seine eigene Zukunft zu gestalten. Die Chancen sind enorm.

Es grüßt herzlichst

Ihre    Ellen Walther-Klaus

 

Zur Person:

Dr. Ellen Walther-Klaus promovierte am Lehrstuhl für mathematische Logik der Ruhr-Uni Bochum. Nach verschiedenen Leitungsfunktionen, unter anderem bei Siemens Nixdorf und der Siemens AG, wechselte sie 2001 zur T-Systems International GmbH. Seit 2007 ist sie Geschäftsführerin von MINT Zukunft schaffen.

Weitere Informationen rund um MINT Zukunft schaffen finden Sie unter www.mintzukunft.de.

 

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