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Mit Risiken richtig umgehen: Keine Angst vor Reue!

Es gibt einen kleinen, aber umso feinen Unterschied zwischen dem, was man tun möchte und dem, was man wirklich in die Tat umsetzt. Was uns vom Letzteren abhält? Angst und Reue! Gerade im Umgang mit Risiken fürchten wir, das eine oder ander zu bereuen. In seinem heutigen Beitrag zur Themenserie „Entschlossen – Erfolgreich – Entscheiden“ zeigt Thomas Wuttke, warum man sich weder von Angst noch von Reue leiten sollte, will man seine Unternehmungen zum Erfolg führen.

Drei Frösche sitzen auf einem Baum

Angst vor Entscheidungen. Reue, die Entscheidung nicht getroffen zu haben. Frosch, umweltschutz, Teich, biotop
Der Frosch, der sich zum Sprung entscheidet, hebt ab. Die anderen beiden empfinden nur Reue. (Bild: manschi / pixelio.de)

… und einer möchte springen. Wie viele sitzen noch drauf? Drei! Denn möchten reicht nicht, man muss es auch tun! Wenn wir das Bild der nur eventuell sprungbereiten Frösche in unseren (beruflichen) Alltag transportieren, tauchen oft folgende Fragen auf: Wohin genau soll ich springen? Warum soll ich springen? Warum sollte ich springen möchten? Wenn ich springe, wie kann ich wieder trocken werden? Lohnt sich springen überhaupt? Bekomme ich anschließend wieder diesen schönen Platz? Ist es die Fliege wert? Was, wenn ich den Sprung bereue?

Schlussendlich entscheidet sich einer der Frösche entschlossen zum Sprung. Und hebt ab. Am Ende grübeln die beiden Frösche, die nicht springen, stundenlang weiter, während ihr Kollege eine Fliege nach der anderen fängt. Klar, so mancher auch geschäftliche Sprung geht ins Leere. Aber raten Sie mal, wer von dem Frosch-Trio abends wohlig quakend auf einen zufriedenen Tag zurück blicken wird? Es ist extrem wichtig, einmal getroffene Entscheidungen nicht zu bereuen Leider kommt genau dies sehr häufig vor.

Die Reue danach

Eine Entscheidung ist immer eine Festlegung für einen Weg, links rum oder rechts rum. Je größer die Konsequenzen dieser Entscheidung, desto schwieriger wird sie. Desto mehr wird abgewogen, desto größer das Zaudern. Schließlich möchte man ja keine falsche Entscheidung treffen. Aber sind es wirklich nur die Konsequenzen, die uns zaudern lassen?

Nein! In Wirklichkeit ist es die Reue. Die Reue, wenn wir denken, dass es eventuell doch der falsche Weg war. „Hätte ich doch“, „wäre ich doch“, „warum bin ich denn nicht …“. Haare ausraufen. In den Hintern treten. Im Boden versinken.

Das ist die Angst. Die Angst vor der Reue, nicht die Angst vor der Konsequenz. Das kann soweit kommen, dass diese Reue – quasi vorsorglich – bereits schon kurz nach einer Entscheidung kommt, zu einem Zeitpunkt, wo noch gar nicht feststeht, ob die Entscheidung gut oder schlecht war. Objektiv also völlig unbegründet, emotional aber eine Folter. Kennen Sie dieses Phänomen? Ging Ihnen das auch schon so, nach einer Unterschrift beim Notar, im Möbelhaus, nach dem Autokauf?

Nicht Entscheiden und daher Nicht Schuld sein

Die Angst vor dem besagten Phänomen führt letztlich dazu, dass am Ende gar nichts mehr entschieden wird. Keine Entscheidung bedeutet auch keine Reue. Punkt. Aber keine Entscheidung ist eben auch eine Entscheidung, und wer sich nicht dazu durchringen kann, einen unsäglichen Zustand z.B. im Berufsleben zu verändern, hat sich entschieden, weiterhin im Elend zu bleiben. Lieber das bekannte Unglück (da weiß man, was man hat, wenn auch nicht optimal), als das unbekannte Glück (wer weiß, ob es nicht doch schlimmer kommt). Hinweis: Die Reue kommt übrigens dann auch, aber erst Jahre später.

Daran ist ein weiterer Aspekt schuld. Eine falsche Entscheidung sucht Schuldige, und jeder ist natürlich danach bestrebt, seinen Namen auf dieser Liste bitte niemals auftauchen zu sehen. Aus Angst, Schuld auf sich zu laden, wird die Verantwortung einer Entscheidung nicht übernommen oder es erfolgt eine Entscheidung gegen die eigene Überzeugung. Das nennt sich defensives Entscheiden und ist ein weit verbreitetes Übel im Mittelmanagement oder auch beim Arzt um die Ecke, wenn es mal wieder etwas mehr Antibiotika als nötig sein darf.

Zum besten Inder …

Interessant ist der Umkehrschluss. Wem Reue oder Schuld fremd sind, der macht sich das Entscheidungsleben deutlich einfacher, selbst bei erheblichen Konsequenzen. Das eigene Reue- bzw. Schuldverhalten ist dann der Schlüssel zur persönlichen Entscheidungsstrategie.

Um dieses Verhalten zu verbessern, macht es Sinn, sich vor Augen führen, was wir eigentlich erreichen wollen. Wer seine Ziele genau kennt und wem bewusst ist, welche Abweichungen von der Zielerreichung zulässige Toleranzen sind, macht sich das Leben wesentlich leichter.

Ein Beispiel: Sie sind mit einer Gruppe in einer Großstadt unterwegs und man einigt sich, indisch essen zu gehen. Wer Angst vor dem Vorwurf hat, ein lausiges Restaurant ausgesucht zu haben oder auch den bestmöglichen Inder sucht, damit sich die Investition lohnt, sollte nicht hungrig sein. Denn dann wird auf jeden Fall versucht, die Entscheidung zu maximieren, also die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Und die wird sich hinziehen.

Wer andererseits sein Zielniveau vorher festlegt, muss nur so lange suchen, bis das erste Restaurant dieser Vorgabe entspricht und fertig ist die Suche. Das sind die Optimierer, die so vorgehen. Klar, es gibt noch bessere Etablissements, aber dieses hier entspricht bereits ihrem Zielniveau. Statt weiter zu suchen, wird abgebrochen. Sie treffen eine Entscheidung gegen das „Beste, was es geben könnte“ und für „das ist völlig ausreichend“.

Entscheidungen scheitern meist nicht an der Angst vor der falschen Wahl. Entscheidungen scheitern vor der Angst, die falsche Wahl zu bereuen. Und diese Reue lähmt.

Das nächste Mal sehen wir uns an, wie das so ist mit Kopfentscheidungen oder auch dem bewussten Entscheiden …

Über Thomas Wuttke:

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Experte für Risikomanagement Thomas Wuttke. (Bild: © Thomas Wuttke)

Thomas Wuttke ist Speaker, Trainer, Manager, Dozent, Autor und Experte für Risikomanagement und erfolgreiche Entscheidungen. Er hatte über lange Jahre zahlreiche hohe nationale und internationale Managementpositionen inne. Der Herzblut-Unternehmer ist seit Mitte der 80er Jahre selbstständig. Kurz nach dem Studium gründete er seine erste Firma, ein Softwarehaus. Über ein Dutzend Firmen hat er seitdem ins Leben gerufen, gekauft und wieder verkauft. Mit dickem Plus aber manchmal auch mit schmerzhaften Minus. Thomas Wuttke weiß, wovon er spricht, wenn es um Risiken und harte Entscheidungen geht. Ganz nach seinem Motto „Entschlossen – Erfolgreich – Entscheiden“ legt er dar, wie wichtig es ist, Risiken zu erkennen und bewusst einzugehen. Denn: keine Entscheidungen zu treffen bringt garantiert auch keinen Erfolg. Die Zuhörer der Vorträge von Thomas Wuttke schätzen die Kombinationen aus tiefem Erfahrungsschatz, profunder Theorie und eingängiger Darstellung. Ganz ohne PowerPoint und äußerst unterhaltsam! Mehr über Thomas Wuttke unter www.thomaswuttke.com.

Lesen Sie hier die ersten beiden Beiträge zur Themenserie „Entschlossen – Erfolgreich – Entscheiden“:

Christoph Schroeder

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