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Mitarbeiter binden heißt Mitarbeiter wertschätzen – Interview mit Thomas Ring

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Mitarbeiter zu binden ist heute wichtiger denn je. Doch damit das gelingt, müssen Unternehmen und Führungskräfte herausfinden, wie jeder einzelne tickt und gezielt auf individuelle Fähigkeiten und Bedürfnisse eingehen. Auch kulturelle Rahmenbedingungen spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Der Aufwand lohnt sich und wirkt sich positiv auf die Gewinnung neuer qualifizierter Fachkräfte aus, wie Thomas Ring, Partner und Vorstand der mmc AG, im AGITANO-Interview erklärt.

Wertschätzende Kultur und individuelle Förderung

Hallo Herr Ring. Was wünschen sich Mitarbeiter, damit sie in einem Unternehmen zufrieden sind und dort gerne und lange arbeiten?

Der Hays Report 2014/15 hat in einer Befragung von 665 Leuten aus Unternehmensleitung, HR Abteilung und Führungskräften herausgefunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz herausgefunden, dass

  • eine wertschätzende Unternehmenskultur und gutes Betriebsklima,
  • Interessante Aufgaben,
  • Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Lebenssituation,
  • stärkenorientierte Förder- und Entwicklungsprogramme und
  • eine marktgerechte Entlohnung

von den Mitarbeitern als entscheidend angesehen werden. Allerdings gibt es eine gewisse Diskrepanz zwischen den Antworten der Mitarbeiter und denen der Führungskräfte. Das heißt, wenn sie Mitarbeiter binden wollen – und zwar dauerhaft und nachhaltig – müssen die Verantwortlichen besser darauf achten, was die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Talente der einzelnen Personen sind. Darüber habe ich auch einen Beitrag auf dem mmc Magazin veröffentlicht mit dem Titel Mitarbeiterbindung: Jeder einzelne ist wichtig für das Unternehmen.

Als stärkster Faktor ist die wertschätzende Unternehmenskultur genannt worden. Kulturelle Faktoren zu verändern ist aber, wie wir wissen, nicht so einfach. Was können Unternehmen in dieser Hinsicht tun, um die Mitarbeiter zu binden?

Ich denke, der Punkt „wertschätzende Unternehmenskultur“ beschreibt die weiteren Faktoren, die ebenfalls genannt wurden. Denn worin zeigt sich denn eine solche Kultur? Doch darin, dass jeder Einzelne und seine Aufgaben als wichtig wahrgenommen werden und keiner übersehen wird. Konkret bedeutet das, dass die Tätigkeiten und die Art der Personalführung auf individuelle Eigenschaften und Fähigkeiten abgestimmt werden. Dass die individuellen Stärken durch Weiterbildungen, Coachings, Mentoringprogramme etc. weiterentwickelt werden.

Mitarbeiter binden durch einen guten Führungsstil

Was bedeuten diese Anforderungen für die Führungskräfte und ihr Profil?

Führungskräfte sind weniger Fachkräfte, sondern eher Moderatoren. Wie wir alle wissen, sind gute Fachleute nicht unbedingt gut in der Personalführung. Denn hier kommt es vor allem auf Sozialkompetenzen an: Führungskräfte müssen Mitarbeitern zuhören, sie müssen ihre Stärken und Schwächen erkennen und in der Lage sein, sie an der richtigen Stelle einzusetzen. Ihre Aufgabe ist es, Konflikte zu moderieren, sowie effektives und effizientes Arbeiten zu ermöglichen.

Deshalb sollten Unternehmen genau hinschauen, bevor sie jemanden zur Führungskraft machen. Es sollte nicht das Ziel jeder Karriere sein, eine Position mit Personalverantwortung oder als Führungskraft zu übernehmen. Auch bei den Führungskräften gilt deshalb, dass individuelle Fähigkeiten im Mittelpunkt stehen sollten.

Wie hängen die Punkte Mitarbeiter binden und Mitarbeiter gewinnen miteinander zusammen?

Die beiden Faktoren bedingen sich gegenseitig. Wenn ein Unternehmen neue Mitarbeiter gewinnen will, dann sollte es seine Ressourcen nicht in aufwändige Employer Branding Kampagnen stecken, sondern lieber dafür sorgen, dass die, die bereits im Unternehmen tätig sind, zufrieden sind.

Thomas Ring, mmc AG, Managementberater, Consulting, Managementberatung
Thomas Ring, Partner und Vorstand der mmc AG (Bild: © mmc AG)

Denn sie können ein authentisches Sprachrohr in Sachen Mitarbeitergewinnung werden. Man nennt das auch Employer Reputation. Mit Freunden und Bekannten redet man doch oft über die Arbeit – wer dort zufrieden ist, spricht positiv über den Job. Idealerweise postet so jemand auch Inhalte aus der Arbeit in den sozialen Medien und sorgt so dafür, dass der Arbeitgeber einen guten Ruf bekommt. Auch Bewertungen von Mitarbeitern auf Portalen wie kununu können dazu beitragen, dass sich neue Mitarbeiter für das Unternehmen interessieren.

Lieber Herr Ring, ich bedanke mich herzlich für das interessante Gespräch.

Das Interview mit Thomas Ring, mmc Partner und Vorstand der mmc AG, führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

Katja Heumader

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