Wirtschaft

Mittelständler Possehl will insolvente Manroland weiterführen

Der weltweit zweitgrößte Druckmaschinenhersteller Manroland wird zerschlagen, alle drei Standorte in Deutschland bleiben allerdings erhalten. Das Traditionsunternehmen musste am 25. November nach mehreren verlustreichen Jahren in Folge Insolvenz anmelden. Die Druckmaschinenbranche wurde von der digitalen Revolution überrollt, der Weltmarkt ist um rund 50% eingebrochen (die drei deutschen Hersteller Heidelberg, Manroland und Koenig & Bauer haben gemeinsam einen Weltmarkt-Anteil von 70%). Manroland hatte ursprünglich vor, eine Strategie mit alternativen Produkten zu entwickeln, um sich zu diversifizieren. Die Pläne wurden allerdings von der Geschwindigkeit und dem Ausmaß der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 durchkreuzt.

Am Mittwoch hat sich der Gläubigerausschuss nun auf eine Zerschlagung von Manroland geeinigt. Demnach wird der größte Standort Augsburg an die Lübecker Possehl-Gruppe verkauft, einem Mischkonzern mit neun unabhängigen Geschäftsbereichen, einem Jahresumsatz von 2,5 Mrd. Euro (2011) und 9.300 Beschäftigten. Der Standort Augsburg wird mit 1.500 der 2.200 Beschäftigten fortgeführt. Das Werk im sächsischen Plauen wird vorerst vom Management und vom Insolvenzverwalter als neuen Eigentümern fortgeführt. Die Possehl-Gruppe hat Plauen zugleich langfristige Lieferbeziehungen zugesichert, wodurch die Auslastung sichergestellt sei. Eine spätere Beteiligung von Possehl am Plauener Werk sei zudem in Aussicht. Das Werk wird mit 290 der 680 Mitarbeiter fortgeführt. Am härtesten trifft es den hessischen Standort Offenbach: Das Werk soll ebenfalls vom Management zusammen mit dem Insolvenzverwalter übernommen und saniert werden, bis ein geeigneter Investor gefunden wird. Diese Lösung benötigt jedoch für die Finanzierung eine Bürgschaft der hessischen Landesregierung. Von den 1.760 Mitarbeitern sollen nur 750 weiter beschäftigt werden.

IG Metall Vorstandsmitglied Jürgen Kerner, zugleich auch stellvertretender Aufsichtsratschef von Manroland: „Damit ist ein Standort durch einen breit aufgestellten Mittelständler gesichert. Jetzt müssen sich alle Anstrengungen darauf richten, auch für die anderen Standorte tragfähige Lösungen für eine langfristige Fortführung zu finden.“

(mb)

 

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