Mobility & Transformation: Veränderungen in der Geschäftswelt

Nov 8 2011 • Neue MedienKeine Kommentare

Fachinterview aus dem Live.TV-Studio auf der Communication World 2011 in München … mit Wolfgang Schnober, Managing Director und Mitgründer der Transformation Consulting International (TCI). Wolfgang Schnober ist innerhalb der TCI Deutschland verantwortlich für den Vertrieb Deutschland und die Practice ICT Transformation. Seit 1998 ist er Berater, Interim Manager und Programm Manager für internationale Unternehmen, IT-Industrie und mittelständische Unternehmen.

 

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Schönen guten Tag Herr Schnober.

Schönen guten Tag.

Sie sind Managing Director und Mitgründer der TCI, verantwortlich für TCI Deutschland. Können Sie kurz Ihr Aufgabenfeld skizzieren?

Sehr gerne. Die TCI, Transformation Consulting International, ist ein Unternehmen, in dem sich erfahrene Berater, Unternehmer und Projektmanager zusammengeschlossen haben, um auf die Veränderungen sowohl im Business und in den Geschäftsprozessen als auch in der ICT-Welt Antworten zu geben. Hier führen wir Beratungsprojekte durch und übernehmen Projektmanagementaufgaben. Ich habe diese Unternehmung mit ein paar Kollegen vor knapp sechs Jahren gegründet und war vorher 20 bis 25 Jahre in der IT-Industrie in den verschiedensten Aufgabenstellungen tätig – im Management, Projektmanagement, Linienmanagement und Applikationsentwicklung.

Was sind denn nun die großen Veränderungen, die auf die Geschäftswelt und auch auf die Unternehmen zukommen?

Veränderungen haben wir in der IT eigentlich, seit es diese gibt. Wir haben im Moment eine Überlagerung von Trends. Einerseits von Megatrends: Gobalisierung, Veränderungen der Altersstruktur, andere Anforderungen an die Arbeitswelt, Work-Life-Balance etc. Wir haben sehr wesentliche technologische Trends. Wir haben auch einen Trend, der sehr stark in die Unternehmen wirkt, dass heute davon ausgegangen wird, dass speziell die jüngere Generation, die sogenannten Digital Natives, die quasi mit Computern aufgewachsen sind, an bestimmte Sachen gewöhnt sind und diese auch in den Unternehmen nutzen wollen. Das bedeutet, dass die Funktionalitäten, die in den Unternehmen heute angeboten werden und genutzt werden, den gleichen Qualitäts- und Komfortstandard haben, wie wir es auch im Privatleben kennen. Das wiederum hat Auswirkungen auf bestimmte Fragestellungen: Was bedeutet denn z.B. Social Media in den Unternehmen oder ganz konkret zu dem eigentlichen Thema unseres Gesprächs „Mobility“? So wie wir es heute im Privatleben gewöhnt sind, wollen wir viele unserer Tätigkeiten mobil durchführen, von Shopping über Informationsbedarfsdeckung, Localisation usw. All diese Dinge nehmen mehr und mehr Einfluss in die Unternehmen. Es ist heute die klare Erwartung, dass man damit auch die Tools, Devices und Techniken, also Smartphones, Tablets etc, in den Unternehmen nutzen kann.

Wie hängt das Ganze jetzt nun zusammen? Wir reden über mobile Revolution und Social Media. Wie stehen diese Lösungen in Bezug zu den Megatrends?

Nehmen wir ein Beispiel heraus. Ich hatte vorher von dem höheren Bedürfnis an, die Amerikaner nennen es Social Responsibility, geredet – alle Themen wie Umweltverträglichkeit usw. spielen dort eine Rolle. Das wiederum wirkt sich auf ein verändertes Energiemanagement aus. Wir haben aber natürlich auch eine Energiekrise und eine Klimakrise. Das wiederum wirkt sich aus auf die Unternehmen, die sich dann plötzlich mit Fragestellungen wie Energiemanagement oder neue Billing Systeme und und und beschäftigen müssen. Das könnte man an vielen anderen Beispielen illustrieren, es gibt heute einen sehr engen Zusammenhang, viel enger denn je, dass diese Megatrends die Trends im Konsumentenverhalten und die IT Trends eine viel stärkere Rolle spielen. Ein letztes Beispiel: Cloud Computing hat eigentlich, ganz ungewöhnlich, seinen Siegeszug aus der privaten Welt kommend angetreten. Mit ganz simplen Dingen, dass man Daten, Bilder, Fotos, Videos in einer Cloud ablegt. Es ist insofern auch kein Zufall, dass Anbieter, die aus diesem privaten Sektor kommen, heute zu Hauptanbietern auch im Business Sektor gehören, z.B. Amazon, Google, und ähnliche. Das bedeutet im übrigen auch für die IT Industrie eine Revolution. Sie haben einerseits neue Chancen, aber andererseits auch völlig neue Wettbewerber, die dafür exzellent aufgestellt sind.

 

Sie haben gerade viele verschiedene Trends skizziert. Wie brechen sich diese nun auf die Business Trends herunter? Wie müssen Unternehmen aus der Unternehmenssicht auf diese Trends reagieren? Sie haben einerseits die Technologisierung, die Änderung im Nutzungsverhalten, die Anforderungen von der Gesellschaft, Energiemanagement usw. angesprochen. Was für Trends aus der Unternehmensperspektive heraus werden sich hier nun durchsetzen oder spielen sich gerade ab?

Es ist natürlich immer schwer zu sagen, was genau an Trends sich durchsetzen wird. Was man auf jeden Fall sagen kann, die Beschleunigung der Veränderung wird enorm zunehmen. Und was man auch feststellen kann, die Unternehmen und auch vor allem die IT-Organisation sind sehr häufig dieser Beschleunigung nicht gewachsen. D.h. die sind noch massiv beschäftigt mit ihren ganz alltäglich operativen Aufgaben, die ja nicht verschwinden. Irgendeine Betriebssystem-Migration, Sicherheitsfragen, Business Applications, Veränderungen usw.. D.h. die müssen diese neuen Trends, denen sie nicht aus dem Weg gehen können, in ihr Verhalten, in ihre Aufstellung, Organisation, auch in ihre Regeln, die ganzen Sicherheitsthemen und Compliance-Themen mit aufnehmen. Datenschutzthemen haben ja eine extrem höhere Bedeutung, wenn Sie jetzt wirklich ihre eigenen Smartphones und Tablets mit ins Unternehmen bringen, das ist natürlich eine ganz andere Sicherheitssituation, als sie traditionell gegeben war. Unabhängig davon, kann man schon fast sagen, welche Trends sich letztlich durchsetzen werden, ist jedoch der Bedarf am „Managen“ dieser Veränderungen und der Agilität. Das ist eigentlich ein Megatrend für die Unternehmen und damit letztendlich auch für die IT-Abteilungen, die ja durch diese Veränderung plötzlich in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt sind.

Sie haben von den beschleunigten Veränderungen geredet, und dass es wirklich eine große Herausforderung für die Unternehmen ist. Können Sie das aus eigener Kraft managen, oder bedarf es da externer Beratungsleistung, beispielsweise auch seitens großer Verbände, oder kann das ein Unternehmen inhouse erledigen? Wie sehen Sie dies?

Es wird zunehmend schwerer für die Unternehmen. Einfach weil die Herausforderung sowohl in sozialer Hinsicht, in kultureller Hinsicht, aber auch in technologischer Hinsicht extrem wachsen. Unser Unternehmen bietet Beratungsleistungen, sowohl in der Technologie, aber insbesondere auch in der Frage, wie managt man einen solchen Wandel. Schlicht und einfach ist so eine Veränderung ein großes Projekt, das gemanagt werden muss wie jedes Projekt, d.h. man muss sich über die Ziele, das Umfeld, den Umfang, das Scope Management klar sein. Man muss das Management und alle betroffenen Mitarbeiter (und das sind alle) frühzeitig einbinden. Kommunikation spielt eine extrem große Rolle, natürlich alles Dinge, die in jedem Projekt eine Rolle spielen. Aber durch die Vielschichtigkeit und Multidimensionalität dieser neuen Herausforderungen wird das umso wichtiger. Eigentlich gibt es da meines Erachtens nur drei Möglichkeiten: Die Unternehmen müssen sich selbst mit ihren eigenen Ressourcen massiv darauf einstellen, also wirklich vom Management bis zu professionellen Change-Managern im Unternehmen. Zweitens werden sie nicht ganz umhin kommen, externe Unterstützung hinzu zu ziehen, Fachleute die sich mit diesen spezifischen Themen auskennen – how to use Social Media, wie geht man mit den mobilen Technologien um, Sicherheitsfragen usw. Und last but not least hängt natürlich auch der Trend zum Outsourcing damit zusammen, man kann bestimmte Komponenten daraus oder die komplette IT outsourcen. Das ist auch keine schlichte Aufgabe, sondern das ist auch ein sehr komplexes Projekt – ein zusätzliches Projekt.

„Manage the change“ ist da das Stichwort. Aber jetzt speziell diese Veränderung zu mehr Mobilität / Mobility. Wie kann man es managen, dass die Sicherheit für das Unternehmen noch nach wie vor gewährleistet ist? Bring your own device, jeder nimmt sein eigens Endgerät mit zum Arbeiten. Das ist natürlich auch ein Vorteil, das Unternehmen muss weniger in die Auslagen gehen, das kann dann auch davon profitieren. Aber die Risiken sind ja enorm! Wie kann ein Unternehmen diesen Change hin zu Mobility am besten managen? Welche Schritte muss es einleiten?

Zunächst mal ist wichtig, dass man sich dieser Komplexität der Anforderung, Sie haben das Thema Sicherheitsanforderung angesprochen, bewusst ist. Das ist ein sehr weites Spektrum. Man öffnet ein gutes Stück weit die Tore, die bislang sehr eng geschlossen waren, dann gibt es dafür natürlich heute schon jede Menge Tools und Experten, die sich darauf spezialisiert haben, Security Service Provider. Da gibt es durchaus viele Ansatzpunkte, aber entscheidend ist, das kann man nur nochmal unterstreichen, dass überhaupt das Bewusstsein dafür da ist. Im Grunde genommen, das ist eigentlich meine Kernbotschaft, hängen diese ganzen Veränderungen zusammen. Die Megatrends, die Businesstrends, IT-Trends, Security-Anforderungen, neue Applikationen, etc. Diese Ganzheitlichkeit zu erkennen, ist meines Erachtens der essenzielle erste Schritt, sowie darauf dann ein professionelles Projektmanagement aufzusetzen. Da ist das Security Management ein Aspekt davon.

 

Sie haben gerade zwei Sachen angesprochen, die nicht technischer Natur sind, sondern das Bewusstsein für die Problematik, und wie man damit umgeht. Ist die Schulung der Mitarbeiter also fast das Wichtigste? Also zum Beispiel: macht nicht das Häkchen hin, dass die Daten weitergereicht werden können, installiert nicht diese Apps auf euren Geschäftshandys, denn das ist dann das „Einfallstor“. Ist das Bewusstsein schüren der erste Schritt um die größten Probleme zu beseitigen?

Es ist auf jeden Fall ein entscheidender Bestandteil. Man wird auch Schulungen durchführen müssen, aber es ist nicht nur eine Frage der Schulung, sondern auch eine Frage der Identifikation. Auch mit dem Unternehmen, d.h. man muss den Mitarbeitern klar machen, was die Risiken sind, denen sie dem Unternehmen unter Umständen aussetzen. Das wird nur funktionieren, wenn wir da eine offene Diskussion, eine Arbeitskultur haben. Ich bin fest überzeugt davon, dass die Unternehmen, die diese Kulturveränderung am besten managen, sich auch diesen komplexen Trends am besten gegenüberstellen werden.

Aber Kulturveränderung managen bedeutet auch, sich auf jeden Fall darauf einzulassen. Wer also nicht auf dieses Mobility-Thema aufspringt, wer nicht Cloud-Lösungen nutzt, damit diese Mobility-Services überhaupt von den Mitarbeitern genützt werden können, dezentral, jenseits von Ort und Zeit, der verschläft den Trend, der verschläft die Chancen. Er geht zwar Risiken ein, aber er muss sie eingehen und er muss sie dann auch managen, oder?

Das ist zweifellos richtig. Es wird natürlich Unternehmen geben, die von der Natur ihres Geschäfts etwas schneller darauf reagieren werden und werden müssen als andere. Es gibt manche Trends, die kann man nur eine begrenzte Zeit ignorieren. Sie haben das Stichwort Cloud Computing angesprochen. Allerdings wie viel Cloud Computing man jetzt tut und praktiziert, das ist noch eine Frage, die man differenziert betrachten kann. Auch das Stichwort big dater, die Flut der Daten und der Applikationen wird zunehmen, dem wird man im Laufe der Zeit nur noch Herr werden, wenn man sich in irgendeiner Weise in Richtung Virtualisierung und Cloud Computing bewegt. D.h. einfach ausgedrückt, es ist nicht die Frage, ob man die Veränderung umsetzt, sondern wann, in welchem Tempo, in welcher Qualität und Konsequenz man das tut. Es mag Unterschiede geben, wann man es tun muss. Ich habe auch Zeiten erlebt, wo man mit Geschäftsführern noch sehr lange darüber diskutieren musste, ob überhaupt Mails und PCs an jedem Arbeitsplatz notwendig sind.

Die Sicherheit ist bei der mobilen Nutzung eines der zentralen Themen. Ihre Einschätzung: wie groß ist die Aufgabe für die Politik die Datensicherheit mit Gesetzesvorlagen zu gewährleisten? Wie viel Anteil hat das Unternehmen, dafür zu sorgen, wie viel Anteil hat der Provider, wie viel Anteil hat der Mitarbeiter, damit er die Compliance einhält? Damit er sich an Vorschriften hält und das Unternehmen nicht in Unsicherheit bringt.

Der Staat hat die Aufgabe, die generellen Regelungen vorzunehmen und sich auch daran zu halten. Um aktuelle Beispiele aufzugreifen, die Unternehmen werden aus eigenem Interesse das umsetzen und die Mitarbeiter werden natürlich auch sehr freundlich motiviert werden müssen, sich daran zu halten.

Ich bedanke mich für das interessante Gespräch!

Danke auch!

 

Das Gespräch führte Marc Brümmer, Redaktionsleitung AGITANO.

 


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