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Mr. Distance – ein Zukunfts-(Auslauf)-Modell

… aus der wöchentlichen Kolumne „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“ vom Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator Ralf Schmitt. Nachdem Sie in „Peter Panic – schlimmer geht’s immer“ mehr über den bevorstehenden Weltuntergang beziehungsweise Firmenbankrott erfahren haben, geht es heute um Mr. Distance, jenen besonderen Kollegen-Typus, den wir alle zu allzu genau kennen und vollkommen zurecht mit Lob überschütten.

Liebe Leser, heute möchte ich Ihnen einen Kollegen-Typus vorstellen, dessen Kommunikationsverhalten sagen wir „irritierend“ ist. Ich nenne ihn Mr. Distance, weil er denkt, er würde immer eine gesunde Distanz zu allem und jedem wahren. Schließlich will er ja nicht gleich plump vertraulich oder gar zudringlich wirken. In der Realität betrachtet er das Geschehen jedoch, als stünde er in einem Glaskasten, verhält sich, als sei er kein Teil des Ganzen, quasi völlig unbeteiligt am Irrsinn des Büroalltags. Haben Sie sich die Kolumnen der letzten 14 Wochen durchgelesen? Dann kennen Sie diesen Kollegen-Typus sehr genau. Oder?

Total im Recht

Mr. Distance, Kaffee, Pause, Kantine
Halten Sie Mr. Distance in der Kantine stets einen Platz frei und überschütten Sie ihn mit Komplimenten. (Bild: Jorma Bork / pixelio.de)

Mr. Distance neigt dazu Kollegen in Schubladen zu stecken und zwar genau in die, in die sie seiner Meinung nach gehören. Mit einer Arroganz und Hochnäsigkeit, die er selbst als gesund selbstbewusst bezeichnen würde, kategorisiert, wertet und urteilt er, was das Zeug hält. Und das Beste ist, er fühlt sich damit total im Recht. Er sagt Sätze wie „Selbstbewusstsein sieht nur von unten aus wie Arroganz“ oder „kompetente Wirtschaftslenker und erfahrene Personalentwickler sehen meinen Stil als Erfolgsmodell der Zukunft“. Probleme haben immer nur die anderen. Mr. Distance kennt die Lösung, nein, er ist die Lösung. Wenn wir doch alle so wären …

Sind wir nicht alle ein bisschen Mr. Distance?

Sie haben es sicherlich bemerkt. Alle bisherigen Kolumnen waren so geschrieben, als ob ich als Ihr Autor dieser Gruppe angehöre. Ich würde jetzt gerne sagen, dass ich weit entfernt von Mr. Distance bin. Aber wahrscheinlich haben wir alle ein wenig von ihm in uns. Sagen wir nicht alle viel zu oft „nein“ zu Menschen und Situationen? Oder sind sie frei davon, andere zu bewerten, sie gar zu verurteilen? Legen Sie Ihre Kollegen niemals in einer Schublade ab? Ich glaube, Mr. Distance würde jetzt sagen: „Ich doch nicht.“ Was sagen Sie?

Suchen Sie seine Nähe

Da es an dieser Stelle um Ratschläge zum Umgang mit verschiedenen Kollegen-Typen geht, schlägt der Mr. Distance in mir für den Umgang mit ihm an dieser Stelle folgendes vor: Suchen Sie seine Nähe. Laden Sie ihn so oft wie möglich zum Essen und zu Drinks ein. Halten Sie ihm in der Kantine einen Platz frei und überschütten Sie ihn mit Komplimenten über sein Outfit, den Haarschnitt oder den durchtrainierten Körper. Gerne würde er es auch sehen, wenn Sie ihm attraktive Freundinnen vorstellen, seine IT-Probleme lösen, ihm seinen Wagen waschen oder spontan klatschen, wenn er den Raum betritt. Und wenn Sie tatsächlich einmal anderer Meinung sein sollten als dieser Kollegen-Typus, würde Ihnen Mr. Distance raten, einfach davon auszugehen, dass er schon Recht haben wird. Dann gibt es nur einen Weg für Sie beide gemeinsam: Steil nach oben in ungeahnte Höhen.

Wer „Nein“ sät, wird „Nein“ ernten

Da ich aber versuche, Mr. Distance auf Distanz zu halten, rate ich zu einem entspannten Umgang mit ihm: Versuchen Sie kooperativ zu sein und finden Sie etwas, was Sie beide verbindet, echte Gemeinsamkeiten. Wenn Sie sich selbst als Mr. Distance entlarvt haben, werden Sie das hier wohl nicht lesen. Falls aber doch, rate ich Ihnen, schleunigst „Ja“ in Ihren Wortschatz zu übernehmen. Denn wer selbst immer nur „Nein“ sät, wird auf die Dauer gesehen, auch nur noch „Nein“ ernten.

Ralf Schmitt, Kollegen
Experte für Spontaneität, Improvisation und Interaktivität. (Foto: © Ralf Schmitt)

Über Ralf Schmitt:

Ralf Schmitt arbeitet seit mehr als 15 Jahren erfolgreich als Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator. Er gilt als Experte für Spontaneität und Interaktivität, hat die Methode der Navituition® entwickelt und ist Mitglied der German Speakers Association. Schmitt ist branchenübergreifend tätig und kennt die deutsche Wirtschaftslandschaft aus dem Effeff. Seine inhaltliche Mitarbeit im Vorfeld und seine Auftritte bei unzähligen Tagungen und Kongressen geben ihm eine externe Sichtweise auf innerbetriebliches Geschehen und Veränderungsprozesse in Unternehmen verschiedener Größenordnungen. Darüber hinaus ist er Autor der Bücher „Ich bin total spontan, wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibt“ und „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“.

Mehr über Ralf Schmitt erfahren Sie auf seinem AGITANO-Expertenprofil.

Christoph Schroeder

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