Energie & Umwelt

Multi-Client-Studie: Kraft-Wärme-Kopplung in der Nahrungsmittelbranche wächst

[Quelle: ecoprog GmbH]

In den wichtigsten Industriezweigen der deutschen Nahrungsmittelbranche sind rund 355 Großunternehmen tätig, die mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigen. Diese produzieren an 625 Standorten. Rund 27 Prozent dieser Standorte generieren einen Teil ihres Stroms bereits vor Ort in einer eigenen KWK-Anlage. Über 70 Prozent der Standorte sind somit noch nicht mit KWK-Anlagen besetzt. An einigen Standorten sind KWK-Anlagen geplant oder im Bau. Dieses ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung der ecoprog GmbH.

[Quelle: ecoprog GmbH]
[Quelle: ecoprog GmbH]

Die Installation von Anlagen, die in Kraft-Wärme-Kopplung Strom erzeugen (KWK-Anlagen), ist einer der wenigen Bereiche des Energiemarktes, der aktuell Zuwächse erzielt. KWK-Anlagen generieren nicht nur Strom, sondern nutzen auch die Abwärme der Stromerzeugung.

Stimuliert hat das Wachstum des KWK-Marktes zuletzt vor allem die gestiegene Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz, die sogenannte Ökostrom-Umlage. Diese zahlt jeder Kunde für Strom, den er aus dem öffentlichen Netz bezieht. Strom, der vor Ort am Standort produziert wird (Eigenstrom), ist jedoch von der Ökostrom-Umlage befreit – ebenso wie von den Durchleitungsgebühren der Stromnetzbetreiber. Je stärker die Ökostrom-Umlage steigt, desto interessanter wird die Erzeugung von Eigenstrom.

Wird bei der Produktion des Eigenstroms auch die dabei entstehende Wärme genutzt (Kraft-Wärme-Kopplung), so wird er sogar gefördert. Bereits seit 2009 gilt die KWK-Förderung auch für Eigenstrom. Diese Regelung hatte einen KWK-Boom in Deutschland ausgelöst. Zwischen 2009 und 2011 wurden über 13.000 neue KWK-Anlagen installiert – rund 60 Prozent mehr als in den drei Jahren zuvor. Mit der Anhebung der KWK-Förderung im Jahr 2012 und dem jüngsten Anstieg der Ökostrom-Umlage ist die Eigenerzeugung für viele Industrieunternehmen noch einmal deutlich attraktiver geworden.

Das gilt besonders für Industriestandorte mit einem großen Wärmebedarf. Dieser Wärmebedarf bildet die Grundlage für den effizienten Betrieb einer KWK-Anlage. An den Standorten der Großindustrie, etwa in der chemischen Industrie oder der Papierproduktion, verfügen die meisten Unternehmen bereits über größere KWK-Anlagen. Mit der steigenden Wirtschaftlichkeit des KWK-Betriebes rücken nun aber auch Standorte mittelständischer Industrieunternehmen in den Fokus.

Die Produktion in der Nahrungsmittelindustrie hat mit Verfahren wie Kochen, Garen, Backen oder Pasteurisieren einen hohen Wärmebedarf. Gleichzeitig verlangt die Bearbeitung der verderblichen Waren eine umfangreiche Kühlung. Auch diese kann über die Umwandlung der Wärme mit einer KWK-Anlage geleistet werden.

Anders als die Großindustrie ist die Herstellung von Nahrungsmitteln mittelständisch geprägt. Der Anteil mittlerer und großer Standorte mit eigener KWK-Anlage ist gering. Entsprechend groß ist das Potenzial für neue KWK-Anlagen. In der deutschen Nahrungsmittelindustrie sind derzeit geschätzt rund 170 KWK-Anlagen in Betrieb. Weitere Anlagen sind in Planung oder im Bau.

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Christoph Schroeder

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