Themenserien

Mut zur Lücke… aus der Themenserie Spiritualität & Business

… aus der wöchentlichen Themenserie rund um Spiritualität & Business von Hans-Jürgen Krieg.

Die Verführung lauert überall. Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich alten Gewohnheiten nachgebe. Oder antiquierten Glaubenssätzen folge. Oder allgemeinen Erwartungen entspreche. Einmal nicht aufgepasst und schon ist es wieder passiert. Ich denke etwas, was nicht ganz stimmig ist. Ich sage etwas, was nicht zu meinen inneren Überzeugungen passt. Ich tue etwas, was ich so eigentlich nicht tun will. Aber es passiert. Einiges davon wird mir später bewusst. Anderes entgeht meiner Aufmerksamkeit. Die für mich wichtige Frage lautet: Wie gehe ich damit um? Akzeptiere ich es, oder versuche ich es zu ändern? Und da stelle ich eine große Veränderung zu früher bei mir fest.

Früher habe ich versucht meine volle Aufmerksamkeit auf solche, aus meiner Sicht unerwünschte Ereignisse zu lenken. Ich habe alles getan um sie rechtzeitig zu erkennen und, wenn möglich, zu vermeiden. Natürlich ist mir das nicht gelungen. Je mehr ich spirituell perfekt sein wollte, desto mehr wurde ich mir meiner Fehler bewusst. Je mehr ich gegen meine Schwächen anging, desto stärker wuchsen die Schuldgefühle in mir. Als mir das klar wurde, schrillten die Alarmglocken in mir. Ich erkannte ein bekanntes Muster wieder. Ein Muster, das mir aufzeigen sollte, was gut und was schlecht für mich ist. Ein Muster, das mich aber in Wirklichkeit unvollkommen, klein und schuldig machte. Ein Muster, das mir genau die Energie raubte, die das Leben wertvoll und erfüllend macht.

Wenn ich etwas durch meine Spiritualität gelernt habe, dann folgendes: Ich bin weder unvollkommen, noch klein und schon gar nicht schuldig. Ich bin, wie ich bin. Und ich darf genau so sein, wie ich bin. Denn alles darf genau so sein, wie es ist. Also auch ich. Was ist also anders, wie früher?

Ich weiß jetzt, dass spirituelles Leben nicht bedeutet, dass ich perfekt bin. Wer behauptet, dass eine Erleuchtung und vollkommene Befreiung vom Menschsein das Ziel spiritueller Entwicklung ist, hat meines Erachtens nicht begriffen, worum es im Leben wirklich geht. Leben bedeutet Fluss. Leben ist ein Spiel. Ein Spiel bei dem es um die Umsetzung von Potenzialen und das Gewinnen von Erfahrungen geht. Und bei dem es nicht das Ziel ist, dass wir genau das überwinden, was unser eigentliches Wesen ausmacht, nämlich unser Menschsein. Ich bin nicht perfekt. Ich werde es auch nie sein. Das weiß ich jetzt.

Und noch etwas weiß ich: Spiritualität bedeutet Mut. Mut zum Leben. Mut dazu genauso zu sein, wie ich bin. Mut zum unentwegten Sprung ins Nichts. Mut zur Lücke. Mut zum Sein. Denn genau in diesem Mut liegt auch die Lösung. In dem Maße, wie ich akzeptiere, dass ich genau so sein darf, wie ich bin, fange ich an mich nachhaltig zu verändern. Nicht weil ich es will. Auch nicht, weil es meine Absicht ist, mich zu ändern. Mein Wille und meine Absicht bewirken nur, dass ich genau die Muster verstärke, die ich eigentlich überwinden will. Das Leben ist paradox. Deshalb liegt im Mut zum So sein das ganze Geheimnis des spirituellen Lebens. Dieser Mut nährt sich aus dem Vertrauen, dass alles genau richtig ist, so wie es ist. Und in diesem Vertrauen liegt der Urgrund allen spirituellen Seins.

Ihr Hans-Jürgen Krieg

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Über den Autor:

Hans-Jürgen Krieg, ifef – Coach & Berater Hans-Jürgen Krieg ist Autor der Buchserie „Der kleine Igel“. Er coacht Unternehmen und Personen im Hinblick auf die praktische Nutzung ihrer spirituellen Potenziale. Mit seinem tiefgreifenden Verständnis für die Zusammenhänge des Lebens und seiner über 30 Jahren Erfahrungen im Geschäftsleben unterstützt er die Beteiligten beim Bau von Brücken, mit denen sie die reale Welt mit ihrer „inneren Quelle“ verbinden.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ifef.de.

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Weitere Beiträge der Themenserie:

Spirituell und weltlich sein… aus der Kolumne “Spiritualität & Business”

Auf dem eigenen Spielfeld spielen

Spirituell führen – ein Beispiel

Spiritualität ist mehr als Religion und Esoterik

Marc Brümmer

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