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Nachhaltige Sensibilisierung – Interview mit Prof. Dr. Theo Peters

Nachhaltige Sensibilisierung

Im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) macht ein neues Schlagwort die Runde: Neuroleadership. Im Interview zum Life Balance Day 2016 erklärt Prof. Dr. Theo Peters die Hintergründe, als auch die Implikationen dieses Ansatzes für Maßnahmen im BGM.

Herr Prof. Dr. Peters, bitte erklären Sie unseren Lesern kurz den Begriff Neuroleadership?

Neuroleadership bedeutet, dass  bei der Führung der Mitarbeiter darauf geachtet wird, die neurowissenschaftlichen Grundbedürfnisse sicherzustellen.  Darunter werden die Bedürfnisse nach Orientierung, Kontrolle, Bindung, Selbstwert und Freude verstanden. Orientierung bedeutet, dass die Mitarbeiter informiert werden über das unternehmerische Geschehen, Kontrolle beschreibt das Vorhandensein von Handlungsmacht und Handlungskompetenz seitens der Mitarbeiter, Bindung  impliziert das eingebunden und aufgehoben sein in sozialen Netzwerken im Unternehmen, Selbstwert stellt auf die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit ab und am Ende soll es auch noch Freude und Spaß machen.

Fehlt für ein erfolgreiches betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) bislang der wesentlichste Faktor – nämlich menschliche Nähe beziehungsweise Interesse an den Mitarbeitern? Wenn ja, warum ist das so?

Das Thema BGM wird häufig noch nicht ernst genug genommen. Meines Erachtens wird das Thema „Gesundheit“ immer noch instrumental gedacht, in dem Sinne das Gesundheit der Mitarbeiter nur dient um andere Ziele wie Produktivität etc. zu erreichen. Dadurch kann es nicht langfristig und nachhaltig in einem Unternehmen etabliert werden. Gesundheit hat einen fundamentalen Charakter und ist als Wert an sich wertvoll. Dies muss in den Köpfen vieler Führungskräfte noch verankert werden. Interessanterweise werden dann meist auch die harten BWL-Kennzahlen wie Produktivität etc. realisiert.

Eine zentrale Herausforderung für ein erfolgreiches BGM ist direkt verbunden mit den jeweiligen Führungskräften im Unternehmen. Benötigen Unternehmen eine neue Art der Führungskultur?

Natürlich brauchen Unternehmen eine neue Führungskultur. Es gibt eine große Anzahl von Veröffentlichungen, die nachweisen, dass die Qualität der Führungskultur einen großen Einfluss hat auf das „ausgebrannt sein“ der jeweiligen Mitarbeiter.

Ihrem Buch „Neuroleadership – Grundlagen, Konzepte, Beispiele“ sprechen Sie vom sogenannten PERFEKT-Schema für Führungskräfte, was ist darunter zu verstehen?

Jeder Buchstabe von PERFEKT steht für eine Verhaltenseigenschaft der Führungskraft um die Neurobedürfnisse zu gewährleisten.

  • P bedeutet die Potenziale des Mitarbeiters sind vom Vorgesetzten zu fördern und entwickeln
  • E steht für Ermutigung für neue Lösungen. „Angstbesetztes Zeigefinger“ heben hat nichts mit Führungsqualität zu tun
  • R bedeutet konstruktive Rückmeldung
  • F verlangt danach, dass die Führungskraft genügend Freiräume gewährt
  • E steht für emotionales Führen
  • K bedeutet die wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe
  • T impliziert das transparente Handeln der Führungskraft

Was können Besucher von Ihrem Vortrag „Das Projekt nachhaltige Sensibilisierung“ am Life Balance Day 2016, der am 17. September 2016 in Aschaffenburg stattfindet, erwarten?

Das Thema „nachhaltige Sensibilisierung“ wird häufig sehr theorielastig diskutiert. Hier erfahren die Besucher an einem sehr schönen Beispiel aus der Praxis, wie nachhaltige Sensibilisierung gelingen kann.

Herr Prof. Dr. Peters, vielen Dank für das angenehme Gespräch und viel Erfolg beim Life Balance Day 2016 in Aschaffenburg.

Das Interview führte Oliver Foitzik, Herausgeber des Wirtschafts- und Mittelstandsmagazins AGITANO sowie Geschäftsführer der FOMACO GmbH.

Über Prof. Dr. Theo Peters

Theo PetersTheo Peters studierte Betriebswirtschaftslehre in Aachen und im Anschluss Volkswirtschaftslehre in Köln, wo er auch seine Promotion an der Universität zu Köln ablegte. Zu seinen Lehrgebieten gehören das Betriebliche Gesundheitsmanagement, die Organisationsentwicklung und die Personalführung. Bevor er den Ruf an die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften annahm, arbeitete er als Unternehmensberater bei der Gesellschaft für Betriebsorganisation und Rationalisierung im Bereich des Geschäftsprozessmanagements sowie der Personal- und Organisationsentwicklung.

Seine aktuellen Forschungstätigkeiten erstrecken sich auf Neuroleadership, Auswirkungen von Stress im Führungsalltag, individuelle Belastungsprofile von Mitarbeitern und Betriebliches Gesundheitsmanagement. Außerdem ist er Mitglied im Expertenbeirat zur Begutachtung betrieblicher Gesundheitssysteme in Deutschland (Corporate Health Award).

Oliver Foitzik

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