Wirtschaft

Neokonservativer an der Spitze der Weltbank muss weichen – Nominierungsphase

Fast genau einen Monat nach der absurden Kritik des derzeitigen Weltbank-Präsidenten Robert Zoellick (USA / Republikanische Partei), die Ursache der Schuldenkrise in Europa sei nicht die Tatsache, dass seit der Finanzkrise 2008 mehrere Billionen Euro in das Finanzsystem und in Banken gepumpt werden mussten, was einige Staaten überforderte, sondern lediglich, dass die Europäer zu wenig arbeiten würden, ist das Ende des Neokonservativen an der Spitze der Weltbank besiegelt.

Die Nominierungsfrist für das Präsidentenamt der Weltbank läuft noch bis zum 23. März. Die Personalie soll dann bis zum 20. April entschieden werden. Bislang war üblich, dass an der Spitze der Weltbank ein US-Amerikaner steht und an der Spitze der Schwestern-Institiution IWF ein Europäer. Allerdings fordern die erstarkenden Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC-Staaten) einen der ihren an die Spitze der Organisation. Die USA schicken ihrerseits die derzeitige Außenministerin Hillary Clinton ins Rennen. Sie hat bereits angekündigt, auch im Falle einer Wiederwahl Obamas, nicht für eine weitere Amtszeit als Außenministerin zur Verfügung zu stehen. Im Gespräch ist auch Larry Summers, der ehemalige Berater des amtierenden Präsidenten Barack Obama. Das Weiße Haus gebe allerdings nach eigenem Bekunden Clinton den Vorzug.

Die Weltbank wurde 1944 als UN-Sonderorganistaion zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds IWF auf der Währungs- und Finanzkonferenz der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen in Bretton Woods (USA) gegründet. Ihr ursprüngliches Ziel war es, nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF die Stabilität des Währungssystems zu sichern. Das Aufgabenfeld hat sich seit den 1960er Jahren sukzessive um die Bekämpfung der Armut weltweit sowie um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in den Entwicklungsländern erweitert.

Robert Zoellick ist seit 2007 amtierende Präsident der Weltbank. Zuvor war er seit 1985 in verschiedenen Ämtern des US-Finanzministeriums tätig. 1998 tat er sich als Mitunterzeichner eines Briefes des neokonservativen Think Tanks „Project for the New American Century“ an den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton hervor, in dem erstmals vor den Gefahren durch irakische Massenvernichtungswaffen gewarnt und eine Entmachtung des Diktators Saddam Husseins gefordert wurde. Zoellick ist zudem hervorragend in dem internationalen Machtzirkel vernetzt, der entscheidenden Einfluss auf das Weltgeschehen nimmt: 2006 kehrte er als Direktor und Vorsitzender der internationalen Abteilung zu seiner ehemaligen Wirkungsstätte, der Investmentbank Goldman Sachs zurück, für die er zuvor bereits als Berater tätig war. Er ist Mitglied des einflussreichen konservativen Think-Tanks Council on Foreign Relations und laut Wikipedia auch Mitglied der umstrittenen Trilateralen Kommission, sowie viermaliger Teilnehmer der ebenso elitären wie geheimnisumwitterten Bilderberg-Konferenzen.
(mb)
 

 

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