Wirtschaft

Neue EU-Wertpapieraufsicht droht US-Ratingagenturen mit Rauswurf aus Europa

An den drei großen Ratingagenturen der Welt (Standard & Poor´s, Moody´s und Fitch, alle mit Sitz in den USA), die rund 95 Prozent des Weltmarktes unter einander aufteilen, allerdings in peinlichster Manier die große Finanzkrise nicht kommen sahen (viele ihrer Bewertungen haben sich erwiesener Maßen als unrichtig herausgestellt), dafür aber seit über einem Jahr in der Self-Fullfilling-Manier einer Cassandra den Teufel in Europas Peripherie an die Wand malen, scheiden sich die Geister. So hatte der Schweizer Wirtschaftsforscher und Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, erst letzte Woche die „brutale Entmachtung“ der US-Ratingagenturen gefordert. Die quasi mit hoheitsrechtlichen Kompetenzen ausgestatteten Privatunternehmen seien für Europa vollkommen ungeeignet, trieben die Politik vor sich her und würden dadurch nicht mehr, sondern im Gegenteil, weit weniger Stabilität erzeugen. Die Ratingagenturen seien zu „Göttern in Nadelstreifen“ aufgestiegen, würden ohne jegliche Aufsicht staatlicher Behörden operieren und könnten den Märkten ihre Bewertung aufdrücken, ohne die Grundlagen dafür offen legen zu müssen. Sie seien ein Fehler der 1990er Jahre, die den Europäern von den US-Regulierungsbehörden „aufgedrängt und übergestülpt“ worden seien. Nun sei der „historische richtige Moment“, sich aus der Allmacht dieser privaten Einrichtungen zu lösen. In die gleiche Kerbe hat nun auch der Chef der neuen EU-Wertpapieraufsicht ESMA, Steven Maijoor, geschlagen: Die US-Ratingagenturen dürften nicht automatisch damit rechnen, dass sie, nur weil sie in den USA zugelassen seien, auch in Europa zugelassen werden, beziehungsweise bleiben. Am 7. Juli übernimmt die EU-Behörde Funktionen, die bisher auf nationaler Ebene angesiedelt waren, und wird dadurch alleiniger Aufseher über die Ratingagenturen in Europa. Im Vorfeld wird nun bereits kräftig um zukünftige Kompetenzen gekeilt. Maijoor: „Wir sollten nicht blindlings das regulatorische System von Drittländern übernehmen.“ Da die US-Ratingagenturen einer Aufforderung, ausführliche Unterlagen einzureichen, bislang noch nicht in ausreichender Form nachgekommen seien, wurde bereits der Zulassungsprozess um drei Monate verlängert. Sollten die drei Ratingagenturen tatsächlich nicht in Europa zugelassen werden, dann dürften hiesige Banken und Versicherer deren Ratings nicht mehr zur Ermittlung ihres benötigten Kapitals verwenden.

 

 

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