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Neue U-Bahn-Steuerung zum Nachrüsten erlaubt doppelt so viele Züge und doppelt so viele Fahrgäste

Mit einem Zugkontrollsystem von Siemens können auf einer U-Bahn-Strecke doppelt so viele Züge und damit doppelt so viele Fahrgäste fahren wie bisher. Dies berichtet die Forschungszeitschrift Pictures of the Future in ihrer aktuellen Ausgabe. Die Lösung, eine Entwicklung der globalen Siemens-Forschung Corporate Technology (CT), eignet sich auch zur Nachrüstung und kann so aufwändige Streckenneubauten vermeiden oder verschieben. Das Systen Trainguard MT registriert die Position jedes Zuges und passt den Abstand zum dahinter fahrenden Zug automatisch an. Der feste Abstand von etwa drei Minuten, mit dem U-Bahnen bisher unterwegs sind, reduziert sich so auf bis zu 80 Sekunden. Trainguard MT ist inzwischen weltweit in verschiedenen Metropolen, unter anderem in Peking, Istanbul und London im Einsatz.

U-Bahnen sind eine der Hauptschlagadern von Großstädten und transportieren täglich Millionen von Menschen. Ihr Bau ist allerdings aufwändig, so dass sie nur schwer an steigendes Fahrgastaufkommen angepasst werden können. Ein Knackpunkt zur Erhöhung der Kapazität einer U-Bahn ist der bisher feste Abstand zwischen zwei Zügen. Er orientiert sich an einem maximal vorzuhaltenden Bremsweg und beträgt typisch etwa einen Kilometer. Wüsste man für jede Bahn zu jedem Zeitpunkt, wo genau und wie schnell sie unterwegs ist, könnte man diesen Abstand an den tatsächlich nötigen Bremsweg anpassen und die Bahnen dichter aufeinander fahren lassen. Bisher fehlte jedoch die passende Funktechnik, um pausenlos derartige Daten zwischen Zug und Leitstelle zu übertragen.

Siemens CT griff deshalb auf die WLAN-Technik zurück und entwickelte eine Lösung mit entlang der Strecke installierten Zugangsknoten, so genannten Access-Points. Glasfaserkabel verbinden die Knoten untereinander sowie mit der Leitstelle und stellen so den Kontakt zwischen Zug und Zentrale her. Die Knoten sind – je nach Bahn – in etwa 250 Meter Abstand verlegt und die WLAN-Kommunikation ist so ausgelegt, dass sie durch die Computer und Handys der Fahrgäste nicht gestört wird. Das System erfasst die Position eines Zuges auf wenige Zentimeter genau. Verlässt ein Zug die Haltestelle, wird der Bahnsteig für den nachfolgenden Zug freigegeben, sobald der nötige Abstand erreicht ist. Bremst ein Zug, wird der Zug dahinter, wenn nötig, automatisch abgebremst.

In Peking ist Trainguard MT an zwei neuen U-Bahn-Linien mit insgesamt 31 Kilometer Länge im Einsatz. Die Bahnen transportieren täglich rund eine Million Pendler. In Istanbul rüstete Siemens eine U-Bahn-Linie bei laufendem Fahrgastbetrieb mit Trainguard MT nach.

(Siemens)

Marc Brümmer

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