Wirtschaft

Neue Wettbewerbssituation der Energiewende zwingt E.on zum Radikalumbau

Der deutsche Energieriese E.on muss sich aus seiner bequemen Oligopolsituation verabschieden und sich auf einen härteren Wettbewerb vorbereiten. Bislang teilen sich die vier größten deutschen Energieversorger E.on, RWE, Vattenfall und EnBW rund 80% des deutschen Energiemarktes. Das Ende der Atomkraft und die Energiewende durch die dezentralen Erneuerbaren Energien mischen die Karten jedoch grundsätzlich neu. In der Reaktion hat E.on nun einen tiefgreifenden Konzernumbau angekündigt.

Hunderte Stellen sollen gestrichen, drei Standorte geschlossen und Unternehmensteile verkauft werden, flankiert von einem strikten Sparkurs. Auch eine verstärkte Kooperation mit dem russischen Gasmonopolisten Gazprom ist im Gespräch, hier könnten Geschäftsfelder in eine mögliche Partnerschaft eingebracht werden. Als betroffene Standorte wurden zunächst die Eon-Energie-Sparte in München, die Eon-Kraftwerkstochter in Hannover und die in Essen ansässige Gashandelstochter Eon Ruhrgas genannt. Die E.on-Tochter Ruhrgas ist Westeuropas größter Erdgashändler. Die Töchter sollen als eigenständige Unternehmen aufgelöst, die Reste der Töchter dann in der Konzernzentrale in Düsseldorf konzentriert werden.

Die Dimension und die Geschwindigkeit des Umbaus wird allgemein als überraschend gewertet, allerdings bestätigt das E.on-Management, dass die Pläne bereits weit fortgeschritten seien. Ein Konzernsprecher: „In Folge der erheblich veränderten Rahmenbedingungen prüfen wir mögliche Anpassungen der Strategie und der Aufstellung des Unternehmens.“ Mittelfristig will E.on-Chef Johannes Teyssen anscheinend den Konzern zudem in eine europäische Aktiengesellschaft (SE) umwandeln, bei der die Gewerkschaften deutlich weniger Einfluss hätten. Widerstand im Aufsichtsrat scheint hier jedoch vorprogrammiert.

Auch die verstärkte Internationalisierung des Konzerns wird zurückgefahren. E.on hatte letzten Herbst angekündigt, massiv in zwei neue globale Wachstumsmärkte einsteigen zu wollen und dann bis 2015 rund 25% seines Ergebnisses außerhalb Europas zu erwirtschaften. Nun sollen die Investitionen zurückgefahren werden. Wahrscheinlich erfolgt die Konzentration auf nur noch einen Markt.

 

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