Wirtschaft

Neuer Weizenpilz vernichtet Ernten und lässt Preise explodieren

Eine erstmals 1999 entdeckte Unterart des Weizenpilzes breitet sich rasant von Afrika kommend nach Asien aus. Die Folgen sind verheerend und bedrohen Ernten, Existenzen und Volkswirtschaften in immer mehr Ländern – und auch die globale Nahrungsmittelversorgung.

Der Weizenpreis hat sich in Europa innerhalb eines Monats verdoppelt. Hintergrund sind das Exportverbot Russlands aufgrund der extremen Dürre und der verheerenden Waldbrände dieses Sommers, sowie die erwartete schlechte Ernte in Kanada und weiteren wichtigen Erzeugerländern. Seit 1999 breitet sich zudem eine Unterart des Weizenpilzes Schwarzrost  (Puccinia graminis) von Afrika bis nach Vorderasien aus, mit verheerenden Folgen. Dieser Weizenpilz mit dem Namen Ug99 kommt nun erneut in die Schlagzeilen, da mittlerweile die Provinz Punjab bedroht ist (1947 zwischen Indien und Pakistan geteilt), eines der größten Weizenanbaugebiete der Erde. Die neue Weizenpilz-Art wurde erstmals 1999 in Uganda entdeckt, daher der Name Ug99. 2001 tauchte der Pilz in Kenya auf, 2003 in Äthiopien, 2006 im Sudan, 2008 im Iran, 2009 in Simbabwe und Südafrika. 2007 wurde in Kenya ein Viertel der Ernte zerstört.

In den 1960ern Jahren war im Zuge der „grünen Revolution“  ein resistentes Roggen-Gen in den Weizen eingezüchtet. 90% aller heutigen Weizensorten tragen dieses Resistenzgen Sr31 gegen den Schwarzrost in sich. Allerdings schützt dieses nicht gegen die neue Unterart Ug99. Laut Agrarwissenschaftern  gefährdet Ug99 akut die globale Ernährungssicherheit. Wird der Pilz jetzt nicht bekämpft, drohe eine globale Epidemie. Weizen ist für die Welternährung ungemein wichtig. Rund ein Fünftel ihres Kalorienbedarfs bezieht die Menschheit aus dem Korn. Die ökonomische Tragweite ist – vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern – entsprechend groß. Fungizide zu spritzen, wäre die einfachste Lösung, ist allerdings aufgrund der hohen Kosten in vielen ärmeren Regionen nicht praktizierbar. Das Ziel sind also resistente Neuzüchtungen. Seit 2005 koordiniert die Global Rust Initiative (BGRI)  die weltweite Ug99-Forschung, mit dem Ziel eine transgene Weizenpflanze zu entwickeln, die auch gegen diesen Pilz resistent ist. In der Zwischenzeit sind zahlreiche Ug99-resistente Weizensorten bekannt. Doch keines der 60 bisher entdeckten Resistenzgene vermittelt denselben Schutz vor Ug99, wie ihn das Sr31-Gen vor Schwarzrost bot. Der Pilz vermag die Resistenz zu überwinden.
Ein weiterer Ansatz ist eine mehrstufige Abwehr mit speziellen Genen, den so genannten „minor genes“ . Sie reduzieren zwar lediglich die Infektionsgefahr, aber 4-5 resistente „minor genes“ kombiniert ergeben einen beinahe totalen Schutz. Allerdings liefern sämtliche Neuzüchtungen dieser Art schlechtere Erträge als bisherige Weizensorten. Die Züchtung von Pflanzen, die trotz 4-5 „minor genes“ hohe Erträge sowie gute Qualität bringen, braucht viel Zeit.

Um die Ausbreitung von UG99 schon jetzt zu bekämpfen, müssen die Bauern in den gefährdeten ärmeren Gebieten auf resistentes, dafür weniger ertragreiches Saatgut umstellen. Dies vermindert jedoch die Einnahmen – sowohl der Bauern, als auch der Staaten – und hat somit negative Effekte auf die Welternährung, wie auch die davon betroffenen Volkswirtschaften. Ein nachfrageresultierender Preisanstieg aufgrund von Engpässen bei Lebensmitteln bindet zusätzlich in ökonomisch schwächeren Gemeinschaften dringend benötigtes Kapital. Bereits 2007/08 kam es in zahlreichen Ländern zu Ausschreitungen aufgrund der damals vor allem spekulativ erfolgten Preisanstiege bei Grundnahrungsmitteln.
 

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