Wirtschaft

Newsflash: 22.09.2010

1. Defizit der deutschen Kommunen auf 7,8 Mrd. Euro verdoppelt:
2. Automobilindustrie – Exportzahlen fürs erste Halbjahr 2010:
3. Bahntechnik – Chinesen werden Weltmacht im 160 Mrd. Euro Markt:
4. Baumwolle – Marktpreis hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt:
5. US-Wirtschaft – Leitzins bleibt auf historischem Tiefstand:
6. Irische Staatsanleihen – hohe Nachfrage bei hohen Risikozuschlägen:
7. Daimler erwägt Übernahme von Fiat-Tochter Iveco:
8. Siemens Healthcare-Geschäft muss Milliarden abschreiben:

 

Defizit der deutschen Kommunen auf 7,8 Mrd. Euro verdoppelt:
Das Finanzierungsdefizit der deutschen Kommunen hat sich laut des Statistischen Bundesamts (Destatis) trotz des kräftigen Wachstums im ersten Halbjahr auf 7,8 Milliarden Euro fast verdoppelt. Grund sind wegbrechende Steuereinnahmen und höhere Ausgaben. Demnach stagnierten die Einnahmen bei 76,8 Milliarden Euro (– 0,2%) auf dem Niveau des Vorjahreszeitraumes. Die Ausgaben stiegen dagegen um 4,3% auf 84,7 Milliarden Euro. Die größte Steigerung gab es aufgrund der Konjunkturpakete bei den Bauausgaben, die sich um 20,4% auf 6,8 Milliarden Euro erhöhten. Die Sozialausgaben stiegen um 8,1% auf rund 21,2 Milliarden Euro. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer gingen um eine Milliarde Euro auf 13,9 Milliarden zurück. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg erwartet für 2010 insgesamt das Rekorddefizit von 15 Milliarden Euro. Dies habe jedoch wenig mit der Finanzkrise zu tun. Grund sei vielmehr, dass immer mehr Soziallasten von Bund und Ländern den Gemeinden aufgebürdet werden würden.

 

Automobilindustrie – Exportzahlen fürs erste Halbjahr 2010:
Laut dem Branchenverband VDA exportierte die deutsche Autoindustrie im ersten Halbjahr 2010  insgesamt 2,2 Millionen Fahrzeuge. Die meisten Autos wurden mit 339.000 Stück nach Großbritannien exportiert, gefolgt von den USA (257.000 Pkw), Italien (204.000) und Frankreich (180.000). Auf Platz fünf liegt der weltgrößte Automarkt, China: 128.000 Pkws wurden 2010 bereits in das Reich der Mitte geliefert, mit einem Wert von 4,4 Mrd. Euro. Dies ist ein höherer Wert, als im gesamten Jahr 2009 und dreimal soviel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Verkaufszahlen der deutschen Hersteller vor Ort sind noch weitaus höher, weil der Großteil der Fahrzeuge vor Ort produziert wird. Allein VW verkaufte im ersten Halbjahr mehr als 950.000 Fahrzeuge in China. Die Fertigungskapazitäten seiner Fabriken (neun Werke, in vier werden Pkws produziert) werden weiter aufgestockt.

 

Bahntechnik – Chinesen werden Weltmacht im 160 Mrd. Euro Markt:
Laut der Beratungsfirma SCI Verkehr wachsen die großen drei Zughersteller Bombardier, Alsom und Siemens zurzeit um rund 2,5%. Die Branche hingegen wächst um gut 5% von derzeit 131 Mrd. Euro auf rund 160 Mrd. Euro im Jahr 2015. Die chinesischen Hersteller China North und China South profitieren überproportional von den Aufträgen weltweit und konnten damit bereits Siemens im internationalen Ranking überholen (Verdopplung der Umsätze seit 2005). Dabei entstehen in China selbst die größten Bahnprojekte weltweit: Bis 2020 sollen allein 20.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke betrieben werden. Allerdings werden weltweit Fern-, Nah- und Güterstrecken gebaut. Gründe sind Bevölkerungswachstum und Verstädterung in Schwellenländern, der globale Handel und steigende Energiekosten. Südafrika will ein Hochgeschwindigkeitsnetz für 24 Mrd. Euro, Argentinien investiert ebenfalls Milliarden. Der deutsche Markt ist rund 8 Mrd. Euro pro Jahr groß.

 

Baumwolle – Marktpreis hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt:
Die Lager sind bei steigender Nachfrage leer und der Rohstoff Baumwolle wird knapp. Der Baumwollpreis verdoppelte sich daher im Vergleich zu 2009 von 40-50 Cent auf 97 Cent pro Pfund. Hintergrund sind reduzierte Anbauflächen und das Bunkern wichtiger Anbieter wie China und Indien. Da es in den letzten Jahren ein Überangebot an Baumwolle gab, verfielen die Preise und viele Produzenten konzentrierten sich zunehmend auf lukrativere Produkte wie Getreide oder Pflanzen zur Bioenergiegewinnung. In den USA hat sich beispielsweise die Anbaufläche für Baumwolle halbiert. Indien wiederum hat angekündigt, den Baumwollexport bis September 2011 auf eine Million Tonnen und damit ein Fünftel der erwarteten Ernte zu reduzieren.

 

US-Wirtschaft – Leitzins bleibt auf historischem Tiefstand:
Die US-Notenbank Federal Reserve belässt den Leitzins in einem Band von 0 bis 0,25 Prozent (seit 12/2008; noch 2007: 5,25%). Mit einer Anhebung wird erst in 2011/12 gerechnet. Hohe Arbeitslosigkeit (9,6%), tiefes Lohnwachstum, Wertezerfall auf dem Immobilienmarkt und schwierige Kreditbedingungen schlagen sich negativ auf die Konsumfreude der Privaten nieder. Die Fed geht zwar davon aus, dass sich die US-Konjunktur vorerst nur in moderatem Tempo erholen wird, verzichtet aber zunächst auf neue Geldspritzen zur Stärkung der Wirtschaft. Allerdings wurden weitere neue Hilfsmassnahmen für die Wirtschaft angesichts der schwachen Erholung nicht ausgeschlossen. Notfalls sei die Zentralbank bereit, bei Bedarf große Mengen Staatsanleihen zu kaufen, um damit langfristige Zinsen zu drücken.

 

Irische Staatsanleihen – hohe Nachfrage bei hohen Risikozuschlägen:
Irland, das 2009 ein Haushaltsdefizit von 14,3% aufwies, hat sich erfolgreich 1,5 Milliarden Euro frisches Geld geliehen. Die Staatsanleihe mit einer Laufzeit bis 2014 war fünffach überzeichnet, die Anleihe mit einer Laufzeit bis 2018 fast dreimal. Der Risikoaufschlag hat sich im Vergleich zu den Rekordständen zwar etwas verringert, liegt aber immer noch bei über drei Prozentpunkten. So stieg die Rendite der achtjährigen Anleihe (Volumen: eine Milliarde Euro) auf 6,023 Prozent. Im Juni 2010 waren es noch 5,088 Prozent. Bei der vierjährigen Anleihe erhöhte sich die Rendite von 3,627 Prozent im August auf nun 4,767 Prozent.

 

Daimler erwägt Übernahme von Fiat-Tochter Iveco:
Daimler verhandelt derzeit mit FIAT über einen Kauf der Fiat-Tochter Iveco. Im Gespräch ist ein Kaufpreis von neun Milliarden Euro. Laut italienischen Medien erhofft sich Fiat einen Erlös von mehr als 10 Milliarden Euro. FIAT will das Lkw-Geschäft aus dem Konzern auszugliedern. Großes Interesse hat auch der indische Autohersteller Tata Motors. Eine Allianz Daimlers mit Toyota im Transporterbereich beim Modell Vito wird ebenfalls geprüft. Toyota will angeblich das Modell gerne von Daimler beziehen und mit geändertem Design unter seiner Marke anbieten. Eine Kooperation bei Hybridantrieben und Dieselmotoren wird ebenfalls verhandelt.

 

Siemens Healthcare-Geschäft muss Milliarden abschreiben:
Siemens muss sein Healthcare-Geschäft neu bewerten und in dem Ende September auslaufenden Geschäftsjahr bis zu 1,4 Mrd. Euro abschreiben. Ausschlaggebend seien veränderte Rahmenbedingungen im Gesundheitsmarkt, eine Neubewertung der mittelfristigen Wachstumserwartungen und der langfristigen Marktentwicklung in der Labordiagnostik. Siemens hatte 2006 und 2007 für insgesamt mehr als 11 Mrd. Euro die Bayer-Diagnostiksparte und die US-Unternehmen DPC und Dade Behring übernommen und zu einer Diagnostiksparte fusioniert. Siemens ist mittlerweile ein weltweit führender Anbieter für bildgebende Verfahren, Healthcare-IT und Labordiagnostik. Die jetzigen Herausforderungen will Siemens nun auf einer den neuen Geschäftszielen angepassten Bewertungsbasis konsequent angehen.

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