Technologie

Nuklearmedizin findet Alternative zu Forschungs-Kernreaktoren

Wissenschaftlern am kanadischen Forschungszentrum TRIUMF (Tri University Meson Facility) in Vancouver gelang erstmals die Herstellung des wichtigen medizinischen Isotops Technetium-99m außerhalb von Forschungs-Kernreaktoren in kommerziellen Mengen. Das Nuklid, das für bildgebende Diagnoseverfahren benötigt wird, konnte bislang weltweit nur in einen wenigen Forschungs-Kernreaktoren produziert werden, die meist über 40 Jahre alt sind und daher vielerorts vor dem Aus stehen. Es drohte ein akuter Engpass. Den Forschern gelang nun der Schritt zur kommerziellen Massenherstellung an einem Zyklotron, einem konventionellen Ringbeschleuniger, wie er bereits an vielen großen Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen zu finden ist. In einem nächsten Schritt soll nun eine Zulassung für das Isotop aus dem Zyklotron beantragt werden, damit es in medizinischen Anwendungen zum Einsatz kommen darf. Technetium-99m, das eine Halbwertzeit von lediglich sechs Stunden aufweist, wird jedes Jahr an vielen Millionen Patienten angewendet, um mit diesem bildgebenden Verfahren beispielsweise Erkrankungen des Herzens, der Schilddrüse oder der Knochen zu untersuchen.

Allein in Deutschland wird Technetium-99m laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der SPD Ende 2010 wöchentlich bei rund 60.000 Patienten zur nuklearmedizinischen Untersuchung eingesetzt. Es sei das weltweit wichtigste Radioisotop zur Diagnostik von Stoffwechselvorgängen mittels Szintigraphie. Aufgrund von Versorgungsengpässen war damals noch von einem Um- oder Neubau von Forschungsreaktoren ausgegangen worden.
(mb)

 

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