Marketing

Nur Lovemarks ist die Zukunft sicher

Die von Unternehmen angebotenen Produkte und Dienstleistungen sind nur dann zukunftsfähig, wenn sie zu Lovemarks heranreifen. Was sich hinter diesem Begriff verbirgt und warum sie für den Erfolg so entscheidend sind, verrät Ihnen Marketingspezialistin und Management-Consultant Anne M. Schüller im heutigen Beitrag ihrer „Touchpoint Montags-Themenserie“.

Lovemarks – blind und taub für den Wettbewerb

Marken, Markenloyalität
Mit Lovemarks in die Köpfe – und Herzen – der Kunden festsetzen. (Bild: Rainer Sturm / pixelio.de)

Eine Marke kann nur dann sicher die Zukunft erreichen, wenn sie zu einer Lovemark wird, eine Marke also, in die man sich verliebt. Wer solche Gefühle für „seine“ Marke hegt, wer sich voll und ganz mit ihr identifiziert und sich ihr hochgradig verbunden fühlt, der ist blind und taub für den Wettbewerb. Der wird sie vor Angreifern schützen – und allen wärmstens empfehlen.

Doch bis es soweit ist kann es dauern. Wenigen Marken gelingt es, uns im Sturm zu erobern. Im Allgemeinen nähern wir uns einer Marke eher vorsichtig: Wir umkreisen sie, inspizieren sie und fragen unsere Nächsten, was sie dazu sagen können. Diese Phase der Annäherung ist hochemotional, wir wollen schließlich keine Fehler machen.

Nach dem Kauf flacht die Emotionskurve oft ab, wir gewöhnen uns schnell an die Marke. Nur, wenn sie sich unentbehrlich macht, wenn sie uns ständig an sie erinnert, wenn sie von Freunden bewundert wird, wird sie uns immer wieder aufs Neue überraschen und faszinieren, wird sie für den Immer-Wieder-Kauf in Erwägung gezogen. Wir bleiben einer Marke treu und empfehlen sie vehement weiter, solange sie uns gute Gefühle beschert. Sie darf uns niemals enttäuschen.

Zeichen der Zugehörigkeit

Marken stehen für Zugehörigkeit, für Identifikation und Profilierung. Markennutzer positionieren sich mit den Marken, mit denen sie sich umgeben. Sie sind Ausdruck unseres Selbstkonzepts. Welche wir wählen, verrät viel über uns. Es zeigt, wer wir sind, und wo wir dazugehören wollen. Es entscheidet darüber, was andere von uns denken sollen und mit wem wir uns umgeben. Markenpräferenzen haben somit Selektionscharakter.

Die Logos an unseren Klamotten von heute – das sind die Brandzeichen der Rinder, die Orden der Würdenträger, die Wappen der Städte und die Fahnen der Heere von früher. Mit den Tätowierungen der südpazifischen Maori und den Gesichtsmarkierungen schwarzafrikanischer Stämme haben sie eines gemeinsam: Sie kennzeichnen die Mitglieder einer Sippe und grenzen die „Wildfremden“ anderer Gruppen aus. Mit einem passenden Logo gehört man zum „richtigen“, also zum angesagten Stamm und kann sich von den weniger Privilegierten abheben.

Marken sind emotionale Anker

Mit einer Marke kann man seinen Status zeigen, Einfluss gewinnen und Macht ausüben. Dafür ist der Nutzer gerne bereit, einen Aufschlag zu zahlen. Marken stärken Vertrauen, weil sie uns vertraut sind. Und weil wir sie wiedererkennen, geben sie uns Sicherheit. Sie stehen für Orientierung im Angebotsdschungel und erleichtern Entscheidungen. Das nennen die Fachleute „kortikale Entlastung“. Unser Hirn muss weniger Aufwand betreiben. Das mag es übrigens sehr.

Marken erleichtern unserem Oberstübchen die Arbeit und aktivieren unser Belohnungssystem. Untersuchungen haben übrigens herausgefunden: Starke Marken aktivieren Hirnregionen, die für die Verarbeitung positiver Emotionen zuständig sind. Schwache wie auch unbekannte Marken aktivieren hingegen solche Hirnareale, die uns negative Gefühle bereiten. Sie werden vom Kauf ausgeschlossen.

Wie Markenloyalität entsteht

Marken, die Loyalität verdienen, sind starke Marken, ja geradezu Persönlichkeiten. Sie stehen für Spitzenleistungen und blindes Vertrauen. Sie haben sich Zuneigung erarbeitet und einen guten Ruf erworben. Der Verwender betrachtet sie wie durch eine rosarote Brille, so wie ein Verliebter, der nur die guten Seiten sieht und über kleine Schwächen milde hinweg schaut. Jede Marke muss das Ziel haben, zu seinem Verwender eine solche Beziehung aufzubauen, über die er oft und leidenschaftlich gerne spricht.

Um das zu schaffen, muss die „Pole-Position“ im Kundenhirn erobert werden. Dazu braucht es einen eUSP, eine emotionalisierende Alleinstellung, um zum Marktführer der Köpfe und Herzen zu werden. Denn seinen Lieblingsmarken schenkt man die größte Loyalität. Schon allein aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich nur mit den Kunden zu beschäftigen, bei denen es vergleichsweise leicht ist, einen solchen Spitzenplatz zu erreichen.

Deshalb muss eine Marke auch klar und deutlich sagen, wofür sie steht – und wen sie will. Sie soll etwas Besonderes für Manche, aber nicht Alles für Jeden sein. Dort, wo alle sind, ist wenig zu holen. Wer für alles steht, steht für nichts – und ist überflüssig. Mittelmäßigkeit und Massenstrategien sind deshalb vom Aussterben bedroht. Im Idealfall wird eine Marke einen Begriff unanfechtbar besetzen.

Zur Lovemark werden

Der Begriff Lovemarks wurde von Kevin Roberts, CEO der Werbeagentur Saatchi & Saachi kreiert. Lovemarks sind Marken, die der Kunde heiß und innig liebt. Das beste Beispiel dafür? Derzeit ist es wohl immer noch Apple. Apple will Produkte bauen, die so sexy sind, dass sich die Leute darin verlieben. Nur so konnte es gelingen, dass eine Unmenge von Apple-Fans nahezu die komplette Kommunikationsarbeit für das Unternehmen und seine Produkte übernahm.

Und Apple will Mitarbeiter, die sich in die Firma verlieben. „Dann werden sie immer das Beste für Apple machen und nicht für sich“, verkündete zu Lebzeiten Steve Jobs. Der Weg zur Lovemark, sagt Roberts, geht so: Respekt aufbauen, seine Marke mit Geheimnis, Sinnlichkeit und Intimität aufladen und eine Lovemark-Community gründen. Und das Ergebnis? Loyalität jenseits der Vernunft. Sobald das geschieht, wird die Konkurrenz bedeutungslos.

(Foto: © Anne M. Schüller)
(Foto: © Anne M. Schüller)

Über Anne M. Schüller:

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, Businesscoach und mehrfache Bestsellerautorin. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmensführung. Sie zählt zu den gefragtesten Referenten im deutschsprachigen Raum. Sie hält Vorträge und Workshops zum Thema. Sie ist Gastdozentin an mehreren Hochschulen. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der Wirtschaft. Ab sofort bildet ihr Touchpoint Institut auch zertifizierte Touchpoint Manager aus. Informationen und Kontakt: www.touchpoint-management.de.

Lesen Sie hier den Beitrag von vergangener Woche:

Beschwerdemanagement: oft unzureichendes Kunden-Feedback

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Und neu:

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Christoph Schroeder

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