Empfehlung

Nur wer anwesend ist, kann Leistung bringen

… aus der AGITANO-Themenserie „Gesund und achtsam führen“ mit dem Experten für Stressbewältigung, Motivation und Gesundheit, Jürgen Seckler. Nachdem Sie im dritten Teil mehr über Führungskräfte und ihre Rolle im Gesundheitsmanagement erfahren haben, geht es heute um die Anwesenheit der Belegschaft und welche Rückschlüsse auf ihre Leistung sich daraus ziehen lassen.

Aus der bloßen Anwesenheit eines Mitarbeiters lassen sich keine Rückschlüsse auf seine Arbeitsfähigkeit und Arbeitsbereitschaft ziehen. Seit einigen Jahren wird in diesem Zusammenhang immer wieder der Präsentismus genannt, der eine immer mehr zunehmende Beachtung findet. Einfach ausgedrückt bedeutet Präsentismus die „Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz Krankheit“.

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Anwesenheit trotz Krankheit bedeutet eingeschränkte Leistung und die Gefahr eventueller Krankheitsübertragungen. (Bild: jeger / pixelio.de)

Im deutschen Ärzteblatt vom 18. September 2009 war zu lesen: „Fast jeder Zweite geht krank zur Arbeit.“ Im Rahmen der WIdO*-Befragung 2009 antworteten auf die Frage „Ist es in den letzten zwölf Monaten vorgekommen, dass Sie …

… krank zur Arbeit gegangen sind?“ 71,2 Prozent mit „Ja“.
… zur Genesung bis zum Wochenende gewartet haben?“ 70, 2 Prozent mit „Ja“.

Anwesenheit trotz Krankheit bedeutet:

– Eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Produktivität und Motivation.
– Die Gefahr von eventuellen Krankheitsübertragungen mit allen ihren Folgen.
– Bleibt der Mitarbeiter dann doch zu Hause, weil er „nicht mehr kann“ ergibt sich in der Regel eine längere Arbeitsunfähigkeit.

Präsentismus verursacht bis zu fünf mal höhere Kosten

Fragt man bei einem Unternehmen nach den Absentismuskosten (=Krankheit), dann erhält man in der Regel sehr detaillierte Antworten. Fragt man nach der Präsentismusquote beziehungsweise nach den Kosten durch Präsentismus, dann stößt man oft auf einen Mangel an Wissen über dieses Thema. Ein Reihe von Studien gehen davon aus, dass die Präsentismuskosten um drei bis fünf mal höher sind als die Krankheitskosten.

Aus dieser Erkenntnis ergeben sich folgende Thesen:

– Die Anwesenheit eines Mitarbeiters ist die Grundvoraussetzung für Leistung.
– Nur wer gesund ist, ist wirklich anwesend.
– Nur wer anwesend ist, kann Leistung bringen.
– Nur wer sich wohlfühlt, wird gute Leistungen erbringen.

Und: Aus der bloßen Anwesenheit eines Mitarbeiters lassen sich keine Rückschlüsse auf seine Arbeitsfähigkeit und Arbeitsbereitschaft ziehen.

Nur „Kümmern“ sorgt für echte Leistung

Dieser Tatsache muss sich jede Führungskraft bewusst sein. Denn damit erhält Führungskraft eine wichtige Aufgabe, die „Beziehungsaufgabe“ bbeziehungsweise „Kümmerer“.

Laut „Fehlzeiten-Papst“ Professor Peter Nieder hat eine Führungskraft heute zum einen Sach- und Fachaufgaben wahrzunehmen, zum anderen Beziehungsaufgaben. Letzteres muss in der Regel oft noch entwickelt werden. Laut Nieder ist darauf zu achten, wie die Führungskraft ihre Beziehung zu jedem einzelnen Mitarbeitenden gestaltet. Nur das richtige Verhältnis aus der Bewältigung der Sach- und Fachaufgaben und den Beziehungsaufgaben (=„Kümmern“) schafft echte Arbeitszufriedenheit und damit Produktivität.

Für den Arbeitsalltag bedeutet das konkret:

– Führungskräfte sollten eine Beziehung zu ihren Mitarbeitern aufbauen.
– Führungskräfte müssen sensibel sein für Krankheitsanzeichen bei Ihren Mitarbeitern.
– Betroffene müssen angesprochen beziehungsweise nach Hause geschickt werden.

Ein solches Verhalten stärkt das Vertrauen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Der Mitarbeiter fühlt sich wahrgenommen und wertgeschätzt. Gesunde Mitarbeiter bringen gute Leistung, sind produktiv und motiviert.

*Anteil unterlassener Krankmeldungen (n=2000) / Quelle: Schmidt & Schröder, 2010, S. 96 / Wissenschaftliches Institut der AOK

Über Jürgen Seckler:

Jürgen Seckler, Trainer, Referent, Gesundheit, Motivation
(Foto: © Jürgen Seckler)

Jürgen Seckler (geb. 1959) ist Referent und Trainer rund um die Themen Stressbewältigung, Motivation und Gesundheit. Er leitet Gesundheitsprojekte bei vielen mittelständischen Unternehmen und großen Konzernen. Mit viel Witz und Kompetenz motiviert er seine Zuhörer den „inneren Schweinhund“ zu überwinden und Entscheidungen dauerhaft und erfolgreich umzusetzen. Er ist Gründer und geschäftsführender Mitgesellschafter der Salovita GmbH mit Sitz in Worms mit dem Motto „Wir verstehen Gesundheit – Wir verstehen Menschen – Wir verstehen Unternehmen“.

Mehr Informationen zu Jürgen Seckler im AGITANO-Expertenprofil und im Internet unter www.salovita.de.

 

Christoph Schroeder

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