Energie & Umwelt

Ölpest: Chevron hat trotz Moratorium vorschriftswidrig weiter vor Brasilien nach Öl gebohrt und ein neues Leck erzeugt, aus dem Öl austritt

Im Dezember 2011 hatte Brasilien dem US-Ölmulti Chevron das Weiterbohren vor seiner Küste verboten. Grund war das angebliche Desinformationsmanagement was den Fortschritt bei der Bekämpfung des Chevron-Bohrlecks in 1.200 Metern Tiefe vor der brasilianischen Küste betrifft. Es war von mangelnder Planung und einem fehlenden Umweltmanagement bei Chevron die Rede, die brasilianische Bundespolizei warf dem Multi vor, bei seinen Tiefseebohrungen vor Brasilien „völlig unvorbereitet auf einen Notfall wie diesen“ gewesen zu sein. Über das Ausmaß des am 7. November entdeckten Lecks liegen unterschiedliche Informationen vor: Laut Angaben von Chevron seien insgesamt 2.400 Barrel Öl (zu je 159 Litern) aus dem 400 Meter langen Riss im Meeresboden ausgetreten. Die staatliche Umweltschutzbehörde Ibama geht von insgesamt 5.000-8.000 Barrel aus. Greenpeace rechnete anhand von Satellitenaufnahmen allerdings mit rund 3.700 Barrel – pro Tag.

Brasilien hatte daraufhin Chevron und seinen Plattformpartner Transocean – der auch die im April 2010 im Golf von Mexiko havarierte Plattform „Deepwater Horizon“ betrieben hatte – aufgefordert, ihre Produktion in dem boomenden Öl-Land komplett einzustellen. Die beiden Konzerne wurden zudem auch auf einen Schadensersatz in Höhe von 11 Milliarden Dollar verklagt.

Erneutes Bohrleck trotz Förderverbot:

Die brasilianische Agentur für Erdöl, natürliches Gas und Biokraftstoffe ANP hatte Anfang März 2012 darauf hingewiesen, dass Chevron weiterhin vorschriftswidrig Erdöl vor der brasilianischen Küste fördert. Chevron habe seit dem Leck im November immer noch nicht alle von der ANP gestellten Vorschriften und Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Am 15. März gab Chevron im Gegenzug bekannt, dass in dem selben Ölfeld Campo de Frade, in dem es im November das Leck gegeben hatte, nun erneut Erdöl ins Meer entweicht. Das Leck sei bei regelmäßigen Kontrollen durch Techniker bereits am 4. März entdeckt worden. Über den Umfang des neuen Lecks ist noch nichts bekannt. ANP teilte daraufhin mit, dass sie erneut Ermittlungen gegen Chevron aufnehmen werde.

Eine der teuersten nicht gemachten Entschuldigungen der Geschichte:

Chevron hat bereits Erfahrungen mit Prozessen: Im Februar 2011 war der US-Ölkonzern in Ecuador zu einem Schadensersatz von 8,6 Milliarden Dollar verurteilt worden. Dies geht auf eine Hinterlassenschaft des 2001 von Chevron übernommenen US-Ölkonzerns Texaco zurück. Es ging um dessen gravierende Umweltzerstörungen im Amazonasgebiet in den 1970er und 1980er Jahren. Texaco habe in den 26 Jahren seiner Tätigkeit in Ecuador Millionen Tonnen an Erdölrückständen und hochgiftiges Förderwasser einfach in den Regenwald gepumpt. Die anhaltenden Proteste der Bevölkerung hatten dann 1991 zu dem Rauswurf Texacos aus dem Ecuador geführt. 30.000 Anwohner hatten daraufhin auf Wiedergutmachung geklagt und zusammen 27 Milliarden Dollar gefordert. Das Gericht reduzierte die Summe dann auf 8,6 Milliarden Dollar, aber drohte gleichzeitig, die Summe noch weiter zu erhöhen, wenn Chevron sich weigern sollte, sich für seine Handlungen öffentlich zu entschuldigen. Chevron, das alle Vorwürfe abstreitet, verzichtete jedoch auf eine Entschuldigung. Daraufhin hat das Gericht seine Drohung wahr gemacht und die Schadensersatzsumme auf 18 Milliarden Dollar erhöht.

Unternehmenszahlen von Chevron:

Chevron hat 2011 erneut von den steigenden Ölpreisen profitieren können: Der Umsatz lag bei 253,7 Milliarden Dollar, der Gewinn vor Steuern bei 47,6 Milliarden Dollar und der Gewinn naach Steuern bei 27,0 Milliarden Dollar.
(mb)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.