Kolumnen

Online-Kurs: Wie zerstöre ich das Leben einer 18-jährigen Schülerin?

… aus der wöchentlichen Kolumne von ElSchnuppero.

Herzlich willkommen zu unserem kleinen Online-Kurs „Wie zerstöre ich das Leben einer 18-jährigen Schülerin?“ Hier werden Sie in kurzen und effizienten Schritten erfahren, was Sie benötigen, um einem weiblichen Teenager im Altersbereich zwischen 17 und 18 mal richtig eins auszuwischen.

Ein hervorragendes Beispiel für unseren kleinen, hasserfüllten Kurs gibt die Familie X (Name wurde kreativ vom Autor geändert) aus dem sonnigen Florida. Denn diese fand heraus, dass ihre 15-jährige Tochter eine Beziehung zu einem damals 17-jährigen Mädchen hatte. Igitt. Und als absolut angemessene Reaktion auf diese Horrornachricht, zeigte Familie X das 17-jährige Mädchen namens Kaitlyn Hunt (hier wurde nix geändert) bei der Polizei an. Diese rückte bei Kaitlyn zuhause ein und führte die Schwerverbrecherin in Handschellen ab. „Sie wurde aus unseren Armen gerissen, in Panik, hysterisch weinend“, heißt es in einem langen Facebook-Post ihrer Mutter. Der Vorwurf: „lewd and lascivious battery on a child 12 to 16“. Übersetzt in etwa: Unzucht und sexueller Übergriff auf ein Kind zwischen 12 und 16 Jahren.

Das hat gesessen. Ein wahrlich christlicher Schachzug von Familie X. Doch damit nicht genug. Ein Richter hat zudem verfügt, dass Kaitlyn zwar an ihrer alten Schule bleiben dürfe, jedoch nur solange sie keinen Kontakt zu ihrer zwangsweise ehemaligen Freundin habe. Doch Familie X wäre nicht Familie X wenn sie da nicht ein Wörtchen mitzureden hätte. Nur wenige Wochen vor Kaitlyns Abschluss setzten die X’s einen Verweis der Kriminellen durch. Zudem hat die Staatsanwaltschaft den Hunts einen Deal angeboten:  Zwei Jahre Hausarrest und ein Jahr auf Bewährung oder der Prozessbeginn wegen der bereits erwähnten sexuellen Übergriffe.

Schülerin Kaitlyn Hunt - Bild der Facebook-Kampagne
Bild: Facebook „Free Kate“-Page

Nun, Sie sehen, dass es nicht allzu viel braucht, um das Leben eines Mädchens zu zerstören. Man nimmt das eigene lesbische Kind, zerhackt dessen Glück mit einer Axt und schreit ganz laut „Vergewaltigung“ während man auf das andere lesbische Mädchen deutet. Den Rest erledigt die Justiz und die Polizei.

Ein kurzes Wort für sensible Leser. Im folgenden Abschnitt, der ein klassischer Rant (englisch: eine Schimpfkanonade loslassen) wird, beabsichtige ich, mehrmals recht blumige Ausdrücke zu verwenden. Wer also keinen Gefallen an „ausdrucksstarker“ Sprache findet, sollte den folgenden, recht subjektiven, Absatz einfach überspringen. Allerdings verpassen Sie dann viele Wörter mit Sternchen drin.

Wir haben also in Florida eine Familie, die es nicht ertragen kann, dass ihre Tochter wahrscheinlich lesbisch ist. Was macht diese Familie in ihrer unendlichen Dummheit und Intoleranz? Zum ersten denkt sie, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmt, nur weil sie keinen Bock darauf hat, etwas mit Jungs anzufangen. Zum zweiten denkt die Familie X, dass Kaitlyn ihre Tochter lesbisch gemacht hat. Ganz recht. So etwas passiert nachweislich jeden Tag hundertfach. Auch ich kann kaum die Straße überqueren, ohne dass jemand versucht meine Sexualität umzudrehen. Oh Moment, nein, da habe ich mich getäuscht: Mir versucht viel öfter noch an jeder Ecke irgendjemand seinen K*ckglauben oder irgendwelche Sch*ssdrogen aufzudrücken. Zum dritten fällt der Familie nichts anderes ein, als die Polizei auf das arme Mädchen zu hetzen. Wie würden Sie sich fühlen, wenn an einem Freitag Abend plötzlich fünf Cops bei Ihnen einrücken und Ihre minderjährige Tochter aufgrund von sexuellen Übergriffen verhaften? Sie wären sicherlich hocherfreut, ob  der vorherrschenden stringenten Sexualmoral. Ich frage mich nämlich, warum bisher noch kein öffentlicher Aufschrei  erfolgt, wenn ein technohörender 21-jähriger Knallfrosch mit seinem aufgepimpten 2er Golf vor dem örtlichen Gymnasium abhängt und dort die 15-jährigen Mädels abschleppt??? Ach ne, das wäre ja heterosexuell. Das geht schon in Ordnung.

Wir leben in einer Zeit, in der uns eine Brille sagen kann, wie ein Fremder auf der Straße gegenüber heißt, in der Autos sprechen können, in der man quasi in Sekundenbruchteilen mit der ganzen Welt kommunizieren kann und dennoch gibt es selbst im „aufgeklärten Westen“ immer noch haufenweise Menschen, die am liebsten Hexen verbrennen würden, wenn diese nicht in ihr eingeschränktes Weltbild passen. Familie X reiht sich dort mit einem Hakenkreuz im Herzen perfekt ein.

In eigener Sache: Kurz nach dem Bekanntwerden der oben beschriebenen Ereignisse, wurde eine Petition auf change.org gestartet. Sie können hier unterzeichnen. 

In diesem Sinne

Gez.: ElSchnuppero

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