Wirtschaft

Peinlicher Fauxpas bei Ratingagentur – Frankreich „irrtümlich“ herabgestuft

Die Ratingagentur Standard & Poor’s ist diesmal deutlich über das Ziel hinausgeschossen – und hat das auch selbst bemerkt: Die Agentur hatte am Donnerstagabend nach eigenen Angaben versehentlich eine Mitteilung über eine Verschlechterung von Frankreichs Top-Bonität „AAA“ an einige Abonnenten ihrer Internet-Seite versandt, dies aber später korrigiert und erklärt, an der Bonität habe sich nichts geändert, auch der Ausblick sei nach wie vor stabil. Diese Mitteilung erfolgte allerdings erst zwei Stunden nach der irrtümlichen Nachricht. In der Zwischenzeit wurde die Hysterie vor einer weiteren Eskalation der Schuldenkrise geschürt: Der Euro verlor an Wert, die französischen Zinsen auf Staatsanleihen stiegen und die Börsen gaben Gewinne ab. Nicht nur Paris reagierte daher äußerst verärgert. Der französische Finanzminister François Baroin hat noch am selben Abend die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) zu einer Untersuchung aufgefordert. Auch die französische Finanzmarktaufsicht (AMF) hat inzwischen eine Ermittlung eingeleitet. Paris fordert ein behördliches Nachspiel für die Ratingagentur.

Auch S&P erklärte seinerseits untersuchen zu wollen, warum die Mitteilung automatisch versendet worden sei. Ursache sei vermutlich ein „technischer Defekt“. Die Panne dürfte das ohnehin schon stark ramponierte Image der Ratingagenturen weiter verschlechtern und die Stimmen für eine stärkere Regulierung und Transparenz der Agenturen mehren.

Die beiden Ratingagenturen Moody’s und S&P kontrollieren zusammen 80% des Marktes und fahren regelmäßig Umsatzrenditen von 40% ein. Zusammen mit der dritten großen Ratingagentur, Fitch, kommen die großen drei auf rund 95% des weltweiten Marktes. Die US-Börsenaufsicht SEC hat erst im Oktober dieses Jahres in ihrem ersten Jahresbericht zu zehn Ratingagenturen die Bonitätswächter scharf kritisiert und ihnen grobe Fehler vorgeworfen, unter anderem methodischer Art, bei der internen Kontrolle und bei der Bewältigung von Interessenskonflikten. Die SEC erwarte weiter, dass die Ratingagenturen diese Bedenken auch ernst nähmen.

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