Wirtschaft

Personalien KW 16

Baden-Württemberg begrünt den EnBW-Aufsichtsrat
Der Energieversorger EnBW bezieht bislang rund die Hälfte seines Stroms aus Atomkraftwerken. Noch unter dem jüngst gescheiterten Ministerpräsidenten Mappus (CDU) hatte das Land im Dezember 2010 für knapp 5 Milliarden Euro den 45-prozentigen Anteil an dem Energieriesen von dem französischen Energiekonzern EdF übernommen. Der designierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte bereits angekündigt, EnBW stärker auf erneuerbare Energien ausrichten zu wollen. Dafür werden nun die Weichen in Form der Personalien gestellt: In seinen letzten Monaten hatte Mappus noch eine Reihe von Vertrauten in das Aufsichtsratsgremium entsandt: Darunter der CDU-nahe Wolfgang Franz (Vorsitzender der Wirtschaftsweisen), Hubert Lienhard und Rainer Dulger, die ebenfalls von Schwarz-Gelb bestellt wurden, sowie Staatsminister Helmut Rau (CDU) und Justizminister Ulrich Goll (FDP), die vom Land in das Kontrollgremium geschickt wurden. Wolfgang Franz hatte bereits seinen Verzicht erklärt. Als erste Personalie der grünen Landesregierung soll nun die frühere Bundesvorsitzende der Grünen, Gunda Röstel, in den Aufsichtsrat einziehen.

 

Chef des Nutella-Herstellers Ferrero fällt tot vom Fahrrad
Pietro Ferrero, Chef des gleichnamigen italienischen Schokoladenimperiums (Nutella, Duplo, Hanuta, Mon Cheri und Kinderschokolade), ist bei einem Unfall in Südafrika ums Leben gekommen. Der 1963 geborene Sohn des Nutella-Gründers ist vermutlich wegen eines Schwächeanfalls vom Fahrrad gefallen und verstorben. Er habe gewohnheitsmäßig trainiert. Er hinterlässt eine Frau und drei Kindern.

 

Thyssen-Manager nach tödlichem Werksbrand zu 16 Jahren Haft verurteilt
Harald Espenhahn, deutscher Spitzenmanager von ThyssenKrupp, ist in Italien wegen Totschlags mit bedingtem Vorsatz zu einer Haftstrafe von 16 Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Die Anklage hatte ursprünglich auf fahrlässige Tötung gelautet, aber auch von „bewussten Fahrlässigkeit“ gesprochen, da das Unternehmen in den Brandschutz hätte investieren müssen, dies aber nicht getan habe. Vor drei Jahren hatte es einen verheerenden Brand mit einer heftigen Explosion in einem italienischen ThyssenKrupp-Werk (Turin) mit sieben Toten gegeben. Dabei seien die Sicherheitsvorkehrungen völlig unzureichend und die Feuerlöscher unbrauchbar gewesen. ThyssenKrupp bezeichnete das Urteil als „unverständlich und nicht nachvollziehbar“. Das Unternehmen will Berufung einlegen. Arbeitsschutz sei neben Qualität und Erfolg ein gleichrangiges Unternehmensziel für ThyssenKrupp. Die fünf übrigen Angeklagten erhielten ebenfalls hohe Freiheitsstrafen von 13 Jahren und sechs Monaten sowie von zehn Jahren und zehn Monaten.

 

Hochtief-Finanzchef Lohr geht mit 4,08 Mio. Euro Abfindung
Der Finanzchef des Essener Baukonzerns Hochtief, Burkhard Lohr, verlässt kurz vor der Machtübernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS das Unternehmen. Lohr macht damit von seinem Sonderkündigungsrecht im Zusammenhang mit dem Überschreiten der 30-Prozent-Anteilsschwelle von ACS an Hochtief Gebrauch. Bereits vor einer Woche hatte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter ebenfalls seinen Rückzug angekündigt. Lohr wird nach eigenem Bekunden eine Abfindung in Höhe von 4,08 Millionen Euro erhalten. An der Konzerspitze wir der 52-jährige Frank Stieler, seit 2009 für das Hochtief-Europageschäft verantwortlich, Lütkestratkötter nachfolgen. Stieler gilt als ACS-Wunschkandidat.

 

Berggruen-Vertrauter neuer Aufsichtsratschef bei Karstadt
Jared Bluestein arbeitet bereits seit 15 Jahren für den Karstadt-Retter und -Besitzer Nicolas Berggruen und vertritt dessen Interessen in mehr als 50 internationalen Unternehmen. Nach dem überraschenden Rücktritt des bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden, des Rewe-Chefs Alain Caparros, Anfang letzter Woche, übernimmt Bluestein nun den Posten des Chefaufsehers. Grund für den Rücktritt Caparros sei ein unterschiedliches Verständnis über die Rolle des Aufsichtsrats in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens gewesen. Zugleich wurde auch Thomas Crawford zum neuen Aufsichtsratsmitglied bestellt. Caparros wünschte dem Management zum Abschied „eine glückliche Hand“ bei allen anstehenden Entscheidungen.

 

Beratungsresistenter RWE-Chef Großmann im Kreuzfeuer der Kritik
Jürgen Großmann (59), Chef des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns RWE, sieht sich wegen seines kompromisslosen Pro-Atomkurs wachsender Kritik ausgesetzt – auch aus den eigenen Reihen: Konzerninterne Spitzenmanager beklagen die mangelnde Wandlungsfähigkeit und wichtige Aktionäre meutern. Nicht nur, dass RWE der einzige Energiekonzern ist, der gegen das Atom-Memorandum der Bundesregierung klagen will, Großmann verweigere sich und seinem Konzern auch eine Strategie für die Zeit nach dem Ausstieg, wann immer dies auch sein mag. Die kommunalen Investoren halten 25 Prozent an dem Konzern. Genug, um gemeinsam mit den Gewerkschaften jede wichtige Entscheidung im Kontrollgremium blockieren zu können. So hatten beide bereits 2009 gemeinsam dafür gesorgt, dass RWE die Pläne für ein Atomkraftwerk im bulgarischen Erdbeben-Gebiet Belene auf Eis legen musste. Die Stadtverordneten in Dortmund, Mühlheim und Essen haben sich nun bereits offen für einen Wechsel an der Konzernspitze ausgesprochen. Durch das Zurückhinken in den wichtigen Zukunftsfeldern gefährde Großmann die Zukunft des Unternehmens und damit auch tausende Arbeitsplätze. Auch der Dachverband der Kritischen Aktionäre fordert offen die Entlassung des Vorstandschefs. Die Restlaufzeit von Großmann als Atomboss scheint daher vorzeitig abzulaufen. Großmann selbst: "Wenn man auf einem Gipfel steht, geht es in jeder Richtung nur bergab." Diese prophetischen Worte sprach Großmann allerdings bereits einen Monat vor Fukushima.

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