Energie & Umwelt

Potenzialanalysen für Erneuerbare Energien

Das Forschungsprojekt ERNEUERBAR KOMM! der Fachhochschule Frankfurt am Main erbringt den Nachweis: Für viele Gemeinden ist es möglich, den gesamten Strom, den die Einwohner verbrauchen, aus Erneuerbaren Energien zu gewinnen. Bericht von Martina Klärle

 

Allein die Erträge aus Solar- und Windkraftanlagen reichen aus, um den privaten Stromverbrauch zu decken. Dazu müssten nur 10 Prozent der vorhandenen Dachflächen und 5 Prozent der geeigneten Freiflächen mit Solarmodulen bestückt sowie die Hälfte der geeigneten Standorte für Windkraftanlagen genutzt werden.Nach dem 2008 abgeschlossenen Forschungsprojekt SUN-AREA, welches dem Potenzial der Dachflächen zur Erzeugung von Solarstrom gewidmet war, hat das Team um Frau Prof. Dr. Klärle mit ERNEUERBAR KOMM! eine Methode entwickelt, welche es ermöglicht, schnell, effizient und exakt das Potenzial aller Erneuerbaren Energieformen zu berechnen. Die Berechnung erfolgt vollautomatisch für jede einzelne Gemeinde oder jeden Landkreis und stützt sich auf bereits flächendeckend vorhandene Geobasisdaten (GIS).

 

Mit Hilfe dieser Daten wird ermittelt, wie viel Fläche innerhalb einer Gemeinde sich für die Erzeugung von Strom aus Solarenergie, Windenergie, Biomasse und Wasserkraft eignet, wie viel Strom daraus erzeugt und wie viel Prozent des Strombedarfs der privaten Haushalte dadurch gedeckt werden kann.Ein eigens entwickelter Online-Rechner erlaubt es Bürgermeistern, Gemeinderatsmitgliedern und Bürgern, sich über das Potenzial ihrer Gemeinde zu informieren und spielerisch zu erfahren, mit welchem Energie-Mix das Ziel 100% Erneuerbare zu erreichen wäre.

 

Anlässlich der Abschlussveranstaltung des Forschungsprojektes Ende März 2011 wurde ein 16-seitiger praxisorientierter Leitfaden für Kommunen und Landkreise vorgestellt. Der Online-Rechner, der zunächst für alle 75 Mitgliedsgemeinden des Pilotgebietes Regionalverband FrankfurtRheinMain umgesetzt wurde, wurde freigeschaltet und ist seitdem für alle Internetnutzer zugänglich unter ErneuerbarKomm.de.

 

Hier einige Resultate:

 

– Bei entsprechend hoher Flächenmobilisierung könnten über 80% der Gemeinden im Pilotgebiet den Strombedarf ihrer privaten Haushalte aus Erneuerbaren Energien, die auf der Fläche ihrer Gemeinde erzeugt werden, decken. An der Spitze steht die dünn besiedelte Gemeinde Weilrod im Nordwesten der Region Frankfurt/Rhein-Main: Sie könnte auf ihrer Fläche 27 mal so viel Strom erzeugen wie ihre Bewohner verbrauchen.

 

– Würde man alle geeigneten Dächer einer Gemeinde – das entspricht ca. 20 Prozent der gesamten Dächer – für die Stromerzeugung mobilisieren, könnten 11 der 75 Gemeinden des Pilotgebiets ihren Strombedarf allein dadurch decken.

 

– Durch die Nutzung von 10 Prozent der für Solarenergie geeigneten Freiflächen könnten 32 der 75 Gemeinden ihren privaten Strombedarf decken.

 

– Würden die 28 Gemeinden, die ein großes Potenzial für Windkraft haben, dieses auch nutzen, könnten sie zwischen 107 und 1.850 Prozent (!) ihres privaten Strombedarfs aus eigener Produktion decken.

 

Das Ergebnis zeigt eindringlich: 100% Erneuerbare sind machbar, wenn dichtbesiedelte Städte und ihr Umland zusammenarbeiten. Kommunen, Landkreise und Regionen können eine wesentliche Rolle als Träger der Energiewende spielen. ERNEUERBAR KOMM! gibt ihnen ein Werkzeug in die Hand, das sie auf diesem Weg unterstützen soll.

 

Quelle: © Franz Alt 2011

Prof. Dr. Martina Klärle 2011

Fachhochschule Frankfurt am Main 2011

 

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