Regionales

Prall gefüllte Auftragsbücher

Die Konjunktur in Bayern läuft auf Hochtouren. Die Geschäftslage ist auf ein neues Rekordniveau geklettert und die Unternehmen sind fest davon überzeugt, dass der Aufschwung anhält. Sie bauen ihre Investitionsbudgets weiter aus und wollen mehr Mitarbeiter einstellen. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) unter mehr als 3.500 Unternehmen. Selbst Risiken wie langfristig steigende Energiekosten und kaum zu kalkulierende Rohstoffpreise können die gute Laune der Unternehmen nicht trüben. „Der Aufwärtstrend basiert dabei nicht nur auf dem Export, sondern seit einiger Zeit auch auf einer stabilen Binnennachfrage“, sagt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer des BIHK. Allerdings nimmt die Sorge zu, ein leergefegter Arbeitsmarkt könnte das Wachstum bremsen.

Der BIHK-Konjunkturindex, der Geschäftslage und Geschäftserwartungen in einem Wert zusammenfasst, ist von 133 Punkten zu Jahresbeginn auf 136 Punkte gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit fast 20 Jahren erreicht.

Aktuell bezeichnen 52 Prozent der Unternehmen ihre Situation als „gut“ und nur 7 Prozent als „schlecht“. Auch die kommenden 12 Monate bleibt die Wirtschaft zuversichtlich. So sind 57 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass es auf gleichem Niveau weitergeht, 35 Prozent erwarten sogar, dass die Geschäfte weiter anziehen. Um die steigende Nachfrage aus dem In- und Ausland bedienen zu können, wollen 41 Prozent ihre Investitionsbudgets ausweiten. Auch die Einstellungsbereitschaft ist weiter ungebrochen: Fast jedes vierte Unternehmen will Personal aufbauen, lediglich 7 Prozent planen einen Stellenabbau. „Damit dürfte die Arbeitslosenquote in Bayern weiter sinken“, so Driessen.

In der Industrie herrscht Hochstimmung. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt und die Kapazitäten gut ausgelastet. Der Saldo aus zufriedenen und unzufriedenen Stimmen ist von 41 auf 51 Punkte auf einen neuen Höchststand geklettert. Im Fahrzeugbau ist er gar um 29 Zähler auf 72 Punkte gesprungen. Die Unternehmen halten an ihrem Optimismus fest, glauben aber, dass das Wachstum in den kommenden 12 Monaten etwas weniger rasant verlaufen wird. Sie befürchten zum einen, dass die Nachfrage aus Asien etwas abflaut. „Zudem wird es immer schwieriger, die Produktion kurzfristig auszuweiten, zumal ein Teil der Unternehmen bereits an der Kapazitätsgrenze arbeitet“, sagt der BIHK-Chef.

Die gute Entwicklung der Industrie beflügelt weiterhin die Dienstleister. Gerade mal 10 Prozent befürchten Rückschläge, dagegen rechnet fast jedes zweite Unternehmen mit stabilen Umsätzen. Über 40 Prozent hoffen sogar, dass sie steigen. Die Dienstleister wollen deshalb nochmal mehr investieren und neue Mitarbeiter einstellen.

Die bayerischen Bauunternehmen sind ebenfalls bester Stimmung. Die hohe Investitionsbereitschaft der Unternehmen hat die gewerblichen Bauaufträge angeschoben. Die gute Arbeitsmarktsituation, die im langfristigen Vergleich niedrigen Zinsen und eine anziehende Inflation beflügeln zudem den privaten Wohnungsbau. Die Kapazitätsauslastung wird in den kommenden Monaten steigen, ebenso der Personalbestand. Die öffentliche Hand setzt hingegen den Rotstift an: Sie hat infolge von Konsolidierungsmaßnahmen sowie auslaufender Konjunkturprogramme ihre Bauaufträge zurückgefahren.

IHK

Die niedrige Arbeitslosigkeit lässt die Kassen der Einzelhändler klingeln. Die ohnehin gute Laune der Branche ist gegenüber Jahresbeginn sogar nochmals besser geworden. Aktuell rechnen 33 Prozent mit besseren Geschäften, nur 10 Prozent befürchten Rückgänge. Allerdings drücken steigende Kosten auf die Erträge. Die Einzelhändler wollen deshalb die Preise erhöhen. Der Großhandel profitiert sowohl von der höheren Industrieproduktion als auch von der guten Konsumlaune der privaten Haushalte. Beides erhöht den Warenumschlag und die Umsätze. Nur noch 4 Prozent sind pessimistisch.

Doch der BIHK-Chef warnt vor allzu großer Euphorie. „Wir dürfen nicht den Blick für die Realitäten verlieren“, so Driessen. Denn die Energie- und Rohstoffpreise bereiten der Wirtschaft wachsende Sorgen. Für 57 Prozent aller Unternehmen ist das der Risikofaktor Nummer eins. In der Industrie sind es sogar 80 Prozent. Fast jedes dritte Industrieunternehmen hat bereits Schwierigkeiten, seinen Rohstoffbedarf zu decken. Auch fürchten immer mehr Unternehmen, dass der Fachkräftemangel ihre Entwicklung bremsen könnte. Der Anteil ist von 31 Prozent im Herbst auf 35 Prozent gestiegen. „Angesichts einer Arbeitslosenquote in Bayern unterhalb der 4-Prozent-Marke und 33 Stadt- und Landkreisen mit Vollbeschäftigung, wird es für die Unternehmen immer schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden“, fürchtet Driessen.

Quelle: Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern

 

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