Wirtschaft

Preisträger des Forschungspreises Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2011

Die zehn Preisträger des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises 2011 wurden bekannt gegeben. Er gilt als wichtigster Forschungsförderpreises in Deutschland und ist mit jeweils 2,5 Mio. Euro dotiert. Die zehn ausgezeichneten Wissenschaftler(innen) können das Preisgeld bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre wissenschaftliche Arbeit verwenden. Der damalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Prof. Dr. Hubert Markl, hatte diesen Umstand bei der ersten Preisverleihung 1986 als „wahrlich märchenhafte Freiheit“ bezeichnet. Von den zehn Leibniz-Preisen 2011 gehen vier in die Lebenswissenschaften, drei in die Natur-, zwei in die Ingenieur- und einer in die Geistes- und Sozialwissenschaften (die Preisverleihung ist am 16. März 2011 in Berlin). Die Preisträger 2011 sind:

 

Prof. Dr. Ulla Bonas (54), Mikrobiologie/Molekulare Phytopathologie, Universität Halle-Wittenberg:
Die Genetikerin Ulla Bonas ist eine der weltweit führenden Forschenden auf dem Gebiet der Wechselwirkungen zwischen pathogenen Bakterien und Pflanzen. Ihre Arbeiten sind von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis von Pflanzen-Mikroben-Interaktionen. Hohe Bedeutung haben sie auch für die Biotechnologie, da sie Wege aufzeigen, Gene gezielt ein- und auszuschalten.

 

Prof. Dr. Christian Büchel (44), Kognitive Neurowissenschaften, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf:
Christian Büchel erhält den Leibniz-Preis für seine grundlegenden Forschungen zu neuronalen Netzwerkeigenschaften, die bei komplexen Hirnprozessen wie Lernen, Gedächtnis, Sprache, Angst und Schmerz zum Tragen kommen. Seine Arbeiten zeichnen sich durch große Themenvielfalt und Interdisziplinarität aus. Die oft mit hohem technischem Aufwand durchgeführten Forschungen verbinden Kognitionsforschung und neurobiologische Grundlagenstudien und sind auch für die klinische Anwendung hochrelevant.

 

Prof. Dr. Anja Feldmann (44), Informatik/Computer-Netzwerke/Internet, Technische Universität Berlin:
Anja Feldmann, wissenschaftliche Expertin für das Internet, hat durch ihre Arbeiten zur Internet-Verkehrsanalyse und -Modellierung sowie zum Internet-Routing über die Grundlagenforschung hinaus die praktische Entwicklung des Internet entscheidend geprägt. (Ihre Studien: Möglichkeiten und Grenzen des Web-Proxy-Caching, maßgeblicher Beitrag zum Softwarepaket Netscope, Verkehrsmatrix für einen Internet-Dienst, globale Verkehrsmatrix für das gesamte Netz, Systeme zur Abwehr gezielter Angriffe auf Hochgeschwindigkeitsnetze, sowie auch neue Anwendungs- und Nutzungsformen wie Chats, web 2.0 und Soziale Netzwerke.)

 

Prof. Dr. Kai-Uwe Hinrichs (47), Organische Geochemie, Universität Bremen:
Kai-Uwe Hinrichs verbindet in seinen Forschungen die Geochemie mit der Mikrobiologie. Er interessiert sich vor allem dafür, wie bestimmte Mikroorganismen den Kohlenstoffkreislauf beeinflussen und welche Auswirkungen diese Prozesse auf unseren Planeten haben (u.a. Bildung von Methan, Ethan und Propan in den tiefen des Ozeans). Er entwickelte eine Methode, bestimmte organische Moleküle – sogenannte Biomarker – in geologischen Umweltproben zu untersuchen, um mikrobielle Prozesse zu identifizieren und zu quantifizieren. Seine weiteren Schwerpunkte sind das Massensterben von Organismen, evolutionären Nischen und Archaebakterien.

 

Prof. Dr. Anthony A. Hyman (48), Zellbiologie/Mikrotubuli und Zellteilung, Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden:
Anthony A. Hyman gilt als einer der weltweit führenden Zellbiologen. Seine Arbeit ist an der Nahtstelle zwischen der Zellbiologie und der Entwicklungsbiologie angesiedelt. Hyman entwickelte dafür auch eine ganze Reihe neuartiger insbesondere physikalischer und genomischer Methoden, so etwa im Bereich der Laser-Mikrochirurgie. Mittels Videomikroskopie und Hochdurchsatzverfahren identifizierte er zudem Hunderte von Genen, die in der Zellteilung Defekte auslösen. Er leistete wichtige Impulse zur Weiterentwicklung der Zellbiologie und zur Entwicklung der Systembiologie.

 

Prof. Dr. Bernhard Keimer (46), Experimentelle Festkörperphysik, Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart:
Bernhard Keimers hat an dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston promoviert und ist seit 1999 Direktor des Stuttgarter Max-Planck-Instituts für Festkörperphysik. Seine Forschungen befassen sich mit den komplexen Fragen der Festkörperphysik, speziell der Neutronenstreuung und den Mechanismen der Hochtemperatur-Supraleitung. Sein Name steht für eine eigene Methodik, mit der er die seit mehr als 20 Jahren laufende Suche nach den Mechanismen der Hochtemperatur-Supraleitung in Cupraten (chemischen Verbindungen mit einem kupferhaltigen Anion) vorantreibt.

 

Prof. Dr. Franz Pfeiffer (38), Lasermedizin, Technische Universität München:
Franz Pfeiffer ist bereits mit 38 Jahren eine internationale Kapazität in der Röntgenforschung. Seine Arbeiten haben der Röntgenforschung neue Wege zur Visualisierung von Gewebe eröffnet. Pfeiffer erfand ein völlig neuartiges Visualisierungsverfahren, das auf breitbandigen röntgenoptischen Transmissionsgittern beruht, und kombinierte es mit den Methoden der Computertomographie. So wurden bis dahin unerreicht klare dreidimensionale Einblicke in biomedizinische Objekte möglich. Seine Forschungen werden die Möglichkeiten der Mammographie und Computertomographie deutlich verändern.

 

Prof. Dr. Joachim Friedrich Quack (44), Ägyptologie, Universität Heidelberg:
Joachim Friedrich Quack ist einer der international bedeutendsten deutschen Ägyptologen, speziell der lange Zeit eher vernachlässigten griechisch-römischen Zeit. Fundamental sind Quacks Forschungen zur Rekonstruktion des „Buches vom Tempel“, eines der wichtigsten Dokumente der ägyptischen Religionsgeschichte, das genaue Angaben darüber machte, wie der „ideale Tempel“ zu bauen und zu betreiben war. Ausgehend von nur zwei Papyri konnte Quack Dutzende über die ganze Welt verstreute Handschriften ausfindig machen und zusammenführen. Derzeit arbeitet er an einer kommentierten Edition des Textes.

 

Prof. Dr. Gabriele Sadowski (46), Technische Thermodynamik, Technische Universität Dortmund:
Gabriele Sadowski forscht an der Schnittstelle von Ingenieur- und Naturwissenschaften und gilt als eine der Leitfiguren in der internationalen Forschergemeinschaft zur Thermodynamik, speziell auf dem Gebiet der Polymerthermodynamik und der statistisch-thermodynamisch begründeten Zustandsgleichungen. Die von ihr entwickelte Zustandsgleichung PC-SAFT zur molekularen Modellierung von Polymersystemen gilt heute als Industriestandard und wird in Software-Paketen zur Prozess- und Zustandsberechnung eingesetzt. In jüngeren Arbeiten wandte sie sich dem gerade erst entwickelnden Gebiet der Biothermodynamik zu. Biologisch gewonnene Wirkstoffe sind für die Medizin und die Biotechnologie von hoher Bedeutung.

 

Prof. Dr. Christine Silberhorn (36), Quantenoptik, Universität Paderborn:
Christine Silberhorn ist die jüngste Trägerin des Leibniz-Preises 2011. Sie nimmt jedoch bereits eine internationale Spitzenstellung in der experimentellen Quantenoptik ein. Ihre Arbeiten zur Quanteninformationsverarbeitung zeichnen sich durch eine außergewöhnliche thematische Bandbreite aus. (Quantensysteme mit einzelnen Photonen und kontinuierlichen Variablen, Implementierung von verschränktem Licht, Quantennetzwerken mit zahlreichen Kanälen, Realisierung von Einstein-Podolsky-Rosen-Zuständen, Quantenkryptographie mit kontinuierlichen Variablen, sowie Experimente zur Realisierung und Messung so genannter Fock-Zustände mit hoher Photonenzahl).

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