Kolumnen

Pressefreiheit: In vielen Ländern ist Umweltschutz gefährliches Thema

Journalisten, die über die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen berichten oder zu Umweltverbrechen recherchieren, sind in vielen Ländern Opfer von Drohungen und Gewalt.

 

In einem neuen Bericht legt Reporter ohne Grenzen (ROG) zahlreiche Verstöße gegen die Pressefreiheit im Bereich der Umweltberichterstattung offen: 13 Umweltjournalistinnen und -journalisten aus unterschiedlichsten Regionen und Ländern, die starken Repressionen ausgesetzt sind, werden vorgestellt.

 

Gewalttätige Übergriffe, Verhaftungen, Drohungen und Zensur sind oft die Folgen, wenn Journalisten oder Blogger umweltzerstörende Wirtschaftspraktiken und ökologische Skandale aufdecken. Viele Unternehmen, kriminelle Gruppen und sogar Regierungen sehen ihre Interessen durch solche Berichte gefährdet. Journalisten werden als unerwünschte Zeugen oder gar als Feinde betrachtet, die zum Verstummen gebracht werden sollen.

 

Die meisten Journalisten, die Umweltverbrechen aufdecken und deshalb bedroht werden, sind laut des ROG-Berichts völlig auf sich gestellt. Viele Behörden unternehmen nichts, um verfolgten Medienmitarbeitern zu helfen. Polizeischutz wird oft nicht gewährt, Täter werden juristisch nicht wirksam verfolgt.

 

Ein besonders brisantes Thema ist die illegale Abholzung tropischer Wälder: Der brasilianische Herausgeber der Zeitschrift "Jornal Pessoal", Lúcio Flávio Pinto, etwa wurde nach der Veröffentlichung einer Serie über die Entwaldung des Amazonas 33 Mal verklagt. Auf der indonesischen Insel Sumatra wurde Cyril Payen, der Südostasien-Korrespondent verschiedener französischer Medien, zusammen mit seinem Kamerateam bei Recherchen zum illegalen Holzabbau durch das Unternehmen "PT Lontar Papirup Pulp und Papers" festgenommen.

 

Sicherheitskräfte beschlagnahmten das Videomaterial des Journalisten und übergaben die Medienmitarbeiter der Polizei. Erst nach Protesten lokaler Medien kamen die Journalisten frei. Der philippinische Hörfunkjournalist und Kritiker der Abholzung in der Provinz Aurora auf der Hauptinsel des Landes Luzón, Joey Estriber, wurde im März 2006 entführt. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm.

 

Häufig werden Umweltreporter unter fadenscheinigen Gründen juristisch verfolgt: So dürfte die Verurteilung des usbekischen Journalisten Salidschon Abdurachmanow zu zehn Jahren Gefängnis im Juni 2008 auch mit seinen kritischen Berichten über das Verschwinden des Aral-Sees zusammenhängen. Der offizielle Schuldvorwurf lautete "illegaler Drogenbesitz".

 

In der zentralchinesischen Provinz Gansu wurde im Juli 2009 der Anti-Atom-Aktivist Sun Xiaodi wegen angeblicher "Verbreitung von Staatsgeheimnissen im Ausland" sowie "Verbreitung von Gerüchten" zu zwei Jahren "Umerziehung durch Arbeit" verurteilt. Sun Xiaodi hatte unter anderem im Internet Informationen über die radioaktive Verseuchung durch eine Uranmine verbreitet.

 

In vielen Fällen erhalten die Berichterstatter keine Unterstützung durch die lokale Bevölkerung in den von Umweltzerstörung betroffenen Gebieten. Denn häufig bieten die ressourcenausbeutenden Unternehmen auch Arbeitsplätze an. Das kann mit massivem Druck einher gehen, der von den Firmen auf die Ortsansässigen ausgeübt wird wie das Beispiel des in den peruanischen Anden gelegenen Bergbauzentrums La Oroya zeigt: Die Luft und das Abwasser der 35.000-Einwohner-Stadt sind mit Schwermetallen und Schwefel stark belastet.

 

Wer mit Journalisten über dieses Problem spricht, riskiert den Verlust der Arbeit und den Entzug sozialer Leistungen.Fälle von Repressionen wegen Umweltberichterstattung sind auch in Europa zu verzeichnen: So wurde beispielsweise der bulgarischen Reporterin Maria Nikolaeva mit einer Säureattacke gedroht, sollte sie weiterhin über geplante Grundstückserschließungen im Strandzha-National-Park, dem größten Naturschutzgebiet des Landes, berichten.

 

 

Quelle: Reporter ohne Grenzen (ROG) 2009 & Sonnenseite

 

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