Themenserien

Prof. Dr. Claudia Kemfert im Gespräch mit AGITANO

1. Sie sind Professor. Warum haben Sie sich für eine Hochschulkarriere entschieden und was reizt Sie daran?

Ich bin Wissenschaftlerin mit Leib und Seele. Schon sehr früh während meines Studiums der Volkswirtschaftslehre habe ich begonnen, mich für die wirtschaftlichen Auswirkungen von Energiemärkten zu interessieren, später kam der Klimaschutz dazu. Die Auswirkungen volkswirtschaftlicher Geschehnisse anhand mathematischer Modelle abzubilden, hat mich von je her fasziniert. Zusammen mit meinem großen Team können wir heute eine breite Palette von Themen erforschen, von nachhaltiger Mobilität bis zum Emissionshandel. Für mich ist es ein großes Geschenk, dass ich mich tagtäglich in meinem Beruf genau mit den Dingen zu beschäftigen darf, die mir am meisten Spaß machen.

 

2. Wie gestaltet sich Ihr Tagesablauf als Professor?

Da ich ein großes Team leite und wir viele Forschungsprojekte bearbeiten, ist der Arbeitsalltag gefüllt mit vielen Arbeitssitzungen, Seminaren, gemeinsamen Workshops oder Managementaufgaben. Zudem unterrichte ich zwei Seminare pro Semester und betreue derzeit acht Doktoranden. Die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit bemisst sich in erster Linie nach den Veröffentlichungen von Aufsätzen in hochrangigen Fachzeitschriften. Mein Team und ich veröffentlichen unsere Forschungsergebnisse in international angesehenen Fachzeitschriften, und präsentieren die Forschungsarbeiten auf internationalen Fachkongressen. Derzeit häufen sich zudem Tagungen und Konferenzen, die sich mit der Thematik der Wirtschafts-, Energie- und Klimakrise beschäftigen. Sehr gern belebe ich die Diskussionen um diese Themen mit einem Eröffnungsvortrag oder einer Dinner Speech. Am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung wird ein großer Teil unserer Arbeiten für die Politikberatung eingesetzt. Meine Abteilung berät nahezu alle Ministerien, ich persönlich den Wirtschaftsminister und den EU-Präsidenten Barroso.

 

3. Inwieweit halten Sie Kontakt zur Praxis und welche Aktivitäten führen Sie hier durch?

Die Kontakte zur Praxis sind sehr unterschiedlicher Art, Unternehmen suchen häufig den Kontakt, um über Marktgeschehnisse zu informieren oder wollen sich über politische Entwicklungen informieren und unsere wissenschaftlichen Bewertungen erfahren. Besonders interessant sind für mich persönlich häufig die Schilderungen von Unternehmen über die Entwicklungen auf dem sich rasant entwickelnden Markt neuer Energieträger wie beispielsweise erneuerbare Energien oder alternative Antriebsformen im Bereich Mobilität. Wenn es die Zeit erlaubt, halte ich gern Vorträge im Rahmen von Unternehmens- oder Verbandstreffen. 

 

4. Wie wichtig halten Sie Praxisbezug für Studenten, z.B. in Form von Praktika, außeruniversitäres Engagement, Projekte etc., während des Studiums?

Ich halte es für sehr wichtig, insbesondere dann, wenn Studenten eine Laufbahn in einem Unternehmen anstreben. Da ich Volkswirte mit Schwerpunkt nachhaltige Energien und Klimaschutz ausbilde, sind viele Unternehmen an einer frühzeitigen Einbindung von Studenten interessiert. Zum Beispiel bieten viele Firmen an, dass sie Studenten im Rahmen einer Diplomarbeit einbinden wollen. Ich rate grundsätzlich den Studierenden zu, diese Option auch wahrzunehmen.

 

5. Wie sieht Ihr idealer Student aus und wie würden Sie in diesem Kontext „Erfolg“ definieren?

Ein(e) ideale(r) Student(in) ist talentiert, wissbegierig, motiviert, kommunikativ und teamfähig. Eine Begeisterung für das Thema ist der Schlüssel zum „Erfolg“. Denn eine Begeisterung für das Thema macht eine wirklich intensive Auseinandersetzung mit dem Thema möglich. Sehr interessierte, talentierte und motivierte Studierende werden von mir gezielt angesprochen und für eine ggf. akademische Laufbahn vorbereitet und unterstützt.

 

6. Was sind Ihre eigenen Werte und wie setzen Sie diese im Alltag um?

Ehrlichkeit, Gradlinigkeit und Standhaftigkeit sind für mich die wichtigsten Werte, die ich stets umsetze. Umgekehrt kann ich Kollegen nicht leiden, die sich durch Unehrlichkeit und Sprunghaftigkeit auszeichnen. Mir ist es im Arbeitsalltag sehr wichtig, dass mein Team und ich in einem Vertrauensverhältnis sehr gut zusammen arbeiten.

 

7. In Zeiten der Wirtschaftskrise stehen Unternehmensführer und Manager stark in der Kritik. Woran denken Sie bei den Worten „kurzfristiger Erfolg“ versus „Nachhaltigkeit“?

Nicht „Versus“, sondern „und“- beides geht zusammen, wenn man es klug umsetzt. Nicht alle Manager sind automatisch in der Kritik, mir fallen einige ein, die unternehmerischen Erfolg auf nachhaltigen Prinzipien aufbauen und damit einen sehr großen Wettbewerbsvorteil haben. Sicherlich verlocken Gier und Maßlosigkeit und gaukeln einen kurzfristigen Erfolg vor. Allerdings sind alle Manager und Unternehmenslenker gut beraten, wenn sie auf die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit, die nachhaltige Energieversorgung und Mobilität sowie Klimaschutz verlässliche Antworten haben. Dann kann kurzfristiger wie langfristiger Erfolg gekoppelt werden mit nachhaltigem Wirtschaften. Beides ist und darf nicht voneinander getrennt werden.

 

8. Welche Person ist Ihr Vorbild und warum?

Mein Vorbild ist und zwar langjähriger Mentor Professor Alan Manne von der Stanford University, er hat sehr früh mein Interesse für die Themen der wirtschaftlichen Bewertung von nachhaltiger Energieversorgung, Mobilität und Klimaschutz geweckt. Er war immer offen, ehrlich und gradlinig, und war somit immer mein Vorbild. Leider ist er vor einigen Jahren verstorben.

 

9. Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen und warum?

Mit dem US Amerikanischen Präsidenten Obama: ich würde an diesem Tag ein Energie- und Klimapaket durch den Kongress bringen, welches die erneuerbaren Energien stark fördert und die Treibhausgase deutlich senkt. 

 

10. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Suche einen Beruf, den du liebst, und du brauchst nie in deinem Leben zu arbeiten.

 

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Kurzprofil

 

Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet seit April 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der privaten Elite Universität , Hertie School of Governance in Berlin. Sie ist Wirtschaftsexpertin auf den Gebieten Energieforschung und Klimaschutz und hat im Herbst 2008 ein Buch mit dem Titel „Die andere Klima-Zukunft- Innovation statt Depression“ veröffentlicht (www.claudiakemfert.de). Im Juni 2009 erscheint ihr Buch „Jetzt die Krise nutzen“, in dem sie die Chancen des Klimaschutzes als Weg aus der Krise beschreibt.

 

1. Sie sind Professor. Warum haben Sie sich für eine Hochschulkarriere entschieden und was reizt Sie daran?

Ich bin Wissenschaftlerin mit Leib und Seele. Schon sehr früh während meines Studiums der Volkswirtschaftslehre habe ich begonnen, mich für die wirtschaftlichen Auswirkungen von Energiemärkten zu interessieren, später kam der Klimaschutz dazu. Die Auswirkungen volkswirtschaftlicher Geschehnisse anhand mathematischer Modelle abzubilden, hat mich von je her fasziniert. Zusammen mit meinem großen Team können wir heute eine breite Palette von Themen erforschen, von nachhaltiger Mobilität bis zum Emissionshandel. Für mich ist es ein großes Geschenk, dass ich mich tagtäglich in meinem Beruf genau mit den Dingen zu beschäftigen darf, die mir am meisten Spaß machen.

 

2. Wie gestaltet sich Ihr Tagesablauf als Professor?

Da ich ein großes Team leite und wir viele Forschungsprojekte bearbeiten, ist der Arbeitsalltag gefüllt mit vielen Arbeitssitzungen, Seminaren, gemeinsamen Workshops oder Managementaufgaben. Zudem unterrichte ich zwei Seminare pro Semester und betreue derzeit acht Doktoranden. Die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit bemisst sich in erster Linie nach den Veröffentlichungen von Aufsätzen in hochrangigen Fachzeitschriften. Mein Team und ich veröffentlichen unsere Forschungsergebnisse in international angesehenen Fachzeitschriften, und präsentieren die Forschungsarbeiten auf internationalen Fachkongressen. Derzeit häufen sich zudem Tagungen und Konferenzen, die sich mit der Thematik der Wirtschafts-, Energie- und Klimakrise beschäftigen. Sehr gern belebe ich die Diskussionen um diese Themen mit einem Eröffnungsvortrag oder einer Dinner Speech. Am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung wird ein großer Teil unserer Arbeiten für die Politikberatung eingesetzt. Meine Abteilung berät nahezu alle Ministerien, ich persönlich den Wirtschaftsminister und den EU-Präsidenten Barroso.

 

3. Inwieweit halten Sie Kontakt zur Praxis und welche Aktivitäten führen Sie hier durch?

Die Kontakte zur Praxis sind sehr unterschiedlicher Art, Unternehmen suchen häufig den Kontakt, um über Marktgeschehnisse zu informieren oder wollen sich über politische Entwicklungen informieren und unsere wissenschaftlichen Bewertungen erfahren. Besonders interessant sind für mich persönlich häufig die Schilderungen von Unternehmen über die Entwicklungen auf dem sich rasant entwickelnden Markt neuer Energieträger wie beispielsweise erneuerbare Energien oder alternative Antriebsformen im Bereich Mobilität. Wenn es die Zeit erlaubt, halte ich gern Vorträge im Rahmen von Unternehmens- oder Verbandstreffen. 

 

4. Wie wichtig halten Sie Praxisbezug für Studenten, z.B. in Form von Praktika, außeruniversitäres Engagement, Projekte etc., während des Studiums?

Ich halte es für sehr wichtig, insbesondere dann, wenn Studenten eine Laufbahn in einem Unternehmen anstreben. Da ich Volkswirte mit Schwerpunkt nachhaltige Energien und Klimaschutz ausbilde, sind viele Unternehmen an einer frühzeitigen Einbindung von Studenten interessiert. Zum Beispiel bieten viele Firmen an, dass sie Studenten im Rahmen einer Diplomarbeit einbinden wollen. Ich rate grundsätzlich den Studierenden zu, diese Option auch wahrzunehmen.

 

5. Wie sieht Ihr idealer Student aus und wie würden Sie in diesem Kontext „Erfolg“ definieren?

Ein(e) ideale(r) Student(in) ist talentiert, wissbegierig, motiviert, kommunikativ und teamfähig. Eine Begeisterung für das Thema ist der Schlüssel zum „Erfolg“. Denn eine Begeisterung für das Thema macht eine wirklich intensive Auseinandersetzung mit dem Thema möglich. Sehr interessierte, talentierte und motivierte Studierende werden von mir gezielt angesprochen und für eine ggf. akademische Laufbahn vorbereitet und unterstützt.

 

6. Was sind Ihre eigenen Werte und wie setzen Sie diese im Alltag um?

Ehrlichkeit, Gradlinigkeit und Standhaftigkeit sind für mich die wichtigsten Werte, die ich stets umsetze. Umgekehrt kann ich Kollegen nicht leiden, die sich durch Unehrlichkeit und Sprunghaftigkeit auszeichnen. Mir ist es im Arbeitsalltag sehr wichtig, dass mein Team und ich in einem Vertrauensverhältnis sehr gut zusammen arbeiten.

 

7. In Zeiten der Wirtschaftskrise stehen Unternehmensführer und Manager stark in der Kritik. Woran denken Sie bei den Worten „kurzfristiger Erfolg“ versus „Nachhaltigkeit“?

Nicht „Versus“, sondern „und“- beides geht zusammen, wenn man es klug umsetzt. Nicht alle Manager sind automatisch in der Kritik, mir fallen einige ein, die unternehmerischen Erfolg auf nachhaltigen Prinzipien aufbauen und damit einen sehr großen Wettbewerbsvorteil haben. Sicherlich verlocken Gier und Maßlosigkeit und gaukeln einen kurzfristigen Erfolg vor. Allerdings sind alle Manager und Unternehmenslenker gut beraten, wenn sie auf die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit, die nachhaltige Energieversorgung und Mobilität sowie Klimaschutz verlässliche Antworten haben. Dann kann kurzfristiger wie langfristiger Erfolg gekoppelt werden mit nachhaltigem Wirtschaften. Beides ist und darf nicht voneinander getrennt werden.

 

8. Welche Person ist Ihr Vorbild und warum?

Mein Vorbild ist und zwar langjähriger Mentor Professor Alan Manne von der Stanford University, er hat sehr früh mein Interesse für die Themen der wirtschaftlichen Bewertung von nachhaltiger Energieversorgung, Mobilität und Klimaschutz geweckt. Er war immer offen, ehrlich und gradlinig, und war somit immer mein Vorbild. Leider ist er vor einigen Jahren verstorben.

 

9. Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen und warum?

Mit dem US Amerikanischen Präsidenten Obama: ich würde an diesem Tag ein Energie- und Klimapaket durch den Kongress bringen, welches die erneuerbaren Energien stark fördert und die Treibhausgase deutlich senkt. 

 

10. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Suche einen Beruf, den du liebst, und du brauchst nie in deinem Leben zu arbeiten.

 

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Kurzprofil

 

Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet seit April 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der privaten Elite Universität , Hertie School of Governance in Berlin. Sie ist Wirtschaftsexpertin auf den Gebieten Energieforschung und Klimaschutz und hat im Herbst 2008 ein Buch mit dem Titel „Die andere Klima-Zukunft- Innovation statt Depression“ veröffentlicht (www.claudiakemfert.de). Im Juni 2009 erscheint ihr Buch „Jetzt die Krise nutzen“, in dem sie die Chancen des Klimaschutzes als Weg aus der Krise beschreibt.

 

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