Themenserien

Prof. Dr. Max Otte im Gespräch mit AGITANO

1. Sie sind Professor. Warum haben Sie sich für eine Hochschulkarriere entschieden und was reizt Sie daran?

Schon mein Vater war begeisterter Lehrer. Ich liebe es, Dinge zu erklären und auszudiskutieren. Auch die Suche nach allgemeingültigen Prinzipien, oder, wenn Sie so wollen, der "Wahrheit", reizt mich. Ich schreibe zudem gerne. Allerdings baue ich auch sehr gerne etwas auf. 

So würde ich mich zu 40% als Unternehmer sehen, zu 30% als Publizist und zu 30% als Hochschullehrer. Derzeit bin ich unter Wegfall der Bezüge beurlaubt.

 

2. Wie gestaltet sich Ihr Tagesablauf als Professor?

Als ich an der FH lehrte, habe ich meine Lehrveranstaltungen und  Präsenz auf zwei Wochentage gelegt. Das war Lehre und Sprechstunde im Akkord. Ich glaube aber, dass ich einen guten Job gemacht und mir für jeden Studierenden, der zu mir kam, Zeit genommen habe. Mir war es lieber, zwei Tage pro Woche an der Hochschule zu "knüppeln" und den Rest der Zeit für kreative Dinge – Nachdenken, Schreiben, meine Unternehmen – zu haben.
 

 

3. Inwieweit halten Sie Kontakt zur Praxis und welche Aktivitäten führen Sie hier durch?

Im Moment bin ich Unternehmer und Publizist und gebe nur  gelegentlich Seminare. Ich manage persönlich einen Hedge-Fonds, habe eine Vermögensberatung und einen Finanzverlag aufgebaut. Ich bin also Praktiker, der ab und zu ein Buch schreibt.
 

 

4. Wie wichtig halten Sie Praxisbezug für Studenten, z.B. in Form von Praktika, außeruniversitäres Engagement, Projekte etc., während des Studiums?

Ich halte Praktika, aber auch außeruniversitäres Engagement bei Parteien oder Organisation oder in der Kultur für einen wichtigen Bestandteil des Studiums. Leider gerät gerade das zweite durch die Standardisierung des Studiums durch den Bologna-Prozess immer mehr unter die Räder.

 

5. Wie sieht Ihr idealer Student aus und wie würden Sie in diesem Kontext „Erfolg“ definieren?

"Den idealen Studenten" gibt es nicht, auch nicht in der BWL oder  VWL. Der eine will Manager werden, der andere Wissenschaftler und der dritte hat etwas ganz anderes vor. Das Studium ist ein Entdeckungsprozess. Das sollten wir bei aller Zielorientierung nicht vergessen.
 

 

6. Was sind Ihre eigenen Werte und wie setzen Sie diese im Alltag um?

Ich versuche, mich am Kant´schen Imperativ zu orientieren, ehrlich fair und gerecht zu sein. Dabei bin ich durchaus ehrgeizig und will etwas bewegen. An der Hochschule lässt sich das ganz gut umsetzen, im Geschäftsleben hat mir meine Ehrlichkeit und Offenheit manchmal Probleme bereitet.

 

7. In Zeiten der Wirtschaftskrise stehen Unternehmensführer und Manager stark in der Kritik. Woran denken Sie bei den Worten „kurzfristiger Erfolg“ versus „Nachhaltigkeit“?

Ich finde das, was viele Manager getan haben, einfach schrecklich.  Ich könnte nie so kurzfristig auf den Gewinn – koste es, was es wolle – fixiert sein. Man sollte da auch zwischen Unternehmern, die über Jahre ein Unternehmen aufbauen auf der einen und Venture-Kapitalisten, Start-up-Jongleuren und bezahlten Managern auf der anderen Seite unterscheiden. Ich habe ja auch vorgeschlagen, Managerboni erst einige Jahre nachdem der Anspruch entstanden ist, auszuzahlen. Dann sieht man, was der Mann oder die Frau wirklich geleistet hat. Die Falle Sommer, Schrempp, Mehdorn, Zumwinkel und Middelhoff wären dann anders gelaufen. Die Bundesregierung hat meinen Vorschlag ja modifiziert in einer Gesetzesvorlage aufgegriffen.

 

8. Welche Person ist Ihr Vorbild und warum?

Friedrich der Große und Helmut von Moltke. Beide verstanden sich als Diener des Staates bzw. der Armee und haben darauf geachtet, Organisation zu schaffen, die von ihnen als Person unabhängig waren. Sie waren "preußisch" im besten Sinne – eine Tugend, die uns heute zunehmend fehlt.

 

9. Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen und warum?

Beruflich könnte ich mir nichts Besseres vorstellen. Ich würde aber wahnsinnig gerne Zeitreisen ins Mittelalter, zu den Römern, Ägyptern, Inkas usw. vornehmen. Und wenn ich an meine Freizeit denke: 
als begeisterter Hobbygitarrist würde ich gerne mal ein Tag Angus Young sein.

 

10. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht  ändern kann, den Mut, zu ändern, was ich kann, und die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden – wobei ich an den Punkten Gelassenheit und Weisheit immer noch arbeite.

 

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Kurzprofil von Prof. Dr. Max Otte:

 

Max Otte ist wurde 1964 in Plettenberg/Westfalen geboren. Neben Studien in Köln (Diplom-Volkswirt), der American University in Washington, D.C. (M.B.A.-Kurse) und der Princeton University (M.A. 
1991, Ph.D. 1996) war er in der Unternehmens- und M&A-Beratung tätig, bevor er 1998 als Assistant Professor an die Boston University ging, 1999 ein Internetportal gründete und  2001 Professor für Allgemeine und Internationale Betriebswirtschaftslehre (C-3) an der FH Worms wurde.  Der Verfasser von mehr als einem Dutzend Büchern und Manager eines eigenen Hedge Fonds wurde mit Buch "Der Crash kommt", in dem er 2006 die Subprime-Krise präzise voraussagte, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

 

 

1. Sie sind Professor. Warum haben Sie sich für eine Hochschulkarriere entschieden und was reizt Sie daran?

Schon mein Vater war begeisterter Lehrer. Ich liebe es, Dinge zu erklären und auszudiskutieren. Auch die Suche nach allgemeingültigen Prinzipien, oder, wenn Sie so wollen, der "Wahrheit", reizt mich. Ich schreibe zudem gerne. Allerdings baue ich auch sehr gerne etwas auf. 

So würde ich mich zu 40% als Unternehmer sehen, zu 30% als Publizist und zu 30% als Hochschullehrer. Derzeit bin ich unter Wegfall der Bezüge beurlaubt.

 

2. Wie gestaltet sich Ihr Tagesablauf als Professor?

Als ich an der FH lehrte, habe ich meine Lehrveranstaltungen und  Präsenz auf zwei Wochentage gelegt. Das war Lehre und Sprechstunde im Akkord. Ich glaube aber, dass ich einen guten Job gemacht und mir für jeden Studierenden, der zu mir kam, Zeit genommen habe. Mir war es lieber, zwei Tage pro Woche an der Hochschule zu "knüppeln" und den Rest der Zeit für kreative Dinge – Nachdenken, Schreiben, meine Unternehmen – zu haben.
 

 

3. Inwieweit halten Sie Kontakt zur Praxis und welche Aktivitäten führen Sie hier durch?

Im Moment bin ich Unternehmer und Publizist und gebe nur  gelegentlich Seminare. Ich manage persönlich einen Hedge-Fonds, habe eine Vermögensberatung und einen Finanzverlag aufgebaut. Ich bin also Praktiker, der ab und zu ein Buch schreibt.
 

 

4. Wie wichtig halten Sie Praxisbezug für Studenten, z.B. in Form von Praktika, außeruniversitäres Engagement, Projekte etc., während des Studiums?

Ich halte Praktika, aber auch außeruniversitäres Engagement bei Parteien oder Organisation oder in der Kultur für einen wichtigen Bestandteil des Studiums. Leider gerät gerade das zweite durch die Standardisierung des Studiums durch den Bologna-Prozess immer mehr unter die Räder.

 

5. Wie sieht Ihr idealer Student aus und wie würden Sie in diesem Kontext „Erfolg“ definieren?

"Den idealen Studenten" gibt es nicht, auch nicht in der BWL oder  VWL. Der eine will Manager werden, der andere Wissenschaftler und der dritte hat etwas ganz anderes vor. Das Studium ist ein Entdeckungsprozess. Das sollten wir bei aller Zielorientierung nicht vergessen.
 

 

6. Was sind Ihre eigenen Werte und wie setzen Sie diese im Alltag um?

Ich versuche, mich am Kant´schen Imperativ zu orientieren, ehrlich fair und gerecht zu sein. Dabei bin ich durchaus ehrgeizig und will etwas bewegen. An der Hochschule lässt sich das ganz gut umsetzen, im Geschäftsleben hat mir meine Ehrlichkeit und Offenheit manchmal Probleme bereitet.

 

7. In Zeiten der Wirtschaftskrise stehen Unternehmensführer und Manager stark in der Kritik. Woran denken Sie bei den Worten „kurzfristiger Erfolg“ versus „Nachhaltigkeit“?

Ich finde das, was viele Manager getan haben, einfach schrecklich.  Ich könnte nie so kurzfristig auf den Gewinn – koste es, was es wolle – fixiert sein. Man sollte da auch zwischen Unternehmern, die über Jahre ein Unternehmen aufbauen auf der einen und Venture-Kapitalisten, Start-up-Jongleuren und bezahlten Managern auf der anderen Seite unterscheiden. Ich habe ja auch vorgeschlagen, Managerboni erst einige Jahre nachdem der Anspruch entstanden ist, auszuzahlen. Dann sieht man, was der Mann oder die Frau wirklich geleistet hat. Die Falle Sommer, Schrempp, Mehdorn, Zumwinkel und Middelhoff wären dann anders gelaufen. Die Bundesregierung hat meinen Vorschlag ja modifiziert in einer Gesetzesvorlage aufgegriffen.

 

8. Welche Person ist Ihr Vorbild und warum?

Friedrich der Große und Helmut von Moltke. Beide verstanden sich als Diener des Staates bzw. der Armee und haben darauf geachtet, Organisation zu schaffen, die von ihnen als Person unabhängig waren. Sie waren "preußisch" im besten Sinne – eine Tugend, die uns heute zunehmend fehlt.

 

9. Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen und warum?

Beruflich könnte ich mir nichts Besseres vorstellen. Ich würde aber wahnsinnig gerne Zeitreisen ins Mittelalter, zu den Römern, Ägyptern, Inkas usw. vornehmen. Und wenn ich an meine Freizeit denke: 
als begeisterter Hobbygitarrist würde ich gerne mal ein Tag Angus Young sein.

 

10. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht  ändern kann, den Mut, zu ändern, was ich kann, und die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden – wobei ich an den Punkten Gelassenheit und Weisheit immer noch arbeite.

 

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Kurzprofil von Prof. Dr. Max Otte:

 

Max Otte ist wurde 1964 in Plettenberg/Westfalen geboren. Neben Studien in Köln (Diplom-Volkswirt), der American University in Washington, D.C. (M.B.A.-Kurse) und der Princeton University (M.A. 
1991, Ph.D. 1996) war er in der Unternehmens- und M&A-Beratung tätig, bevor er 1998 als Assistant Professor an die Boston University ging, 1999 ein Internetportal gründete und  2001 Professor für Allgemeine und Internationale Betriebswirtschaftslehre (C-3) an der FH Worms wurde.  Der Verfasser von mehr als einem Dutzend Büchern und Manager eines eigenen Hedge Fonds wurde mit Buch "Der Crash kommt", in dem er 2006 die Subprime-Krise präzise voraussagte, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

 

 

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