Interviews

Public Relations in Zeiten alternativer Fakten

Christopher Runge, Bettertrust, PR-Agentur, Pressekonferenz, Diskussion

Bettertrust ist eine Berliner PR-Agentur mit Dependancen in München und Zürich. Sie wurde von Christopher Runge gegründet und hat sich auf Performance-PR und Reputationsmanagement spezialisiert. Aber auch TV-Platzierungen, Suchmaschinenoptimierung und CEO-Kommunikation gehören zum Portfolio der inhabergeführten Agentur. Erklärtes Ziel von Bettertrust ist, das Profil von Marken und Personen zu schärfen, ihre strategische Positionierung zu stärken und deren Ruf im Internet zu schützen. Im Interview geht es unter anderem um den Stellenwert von PR für Unternehmen in der heutigen Zeit und worauf dabei unbedingt zu achten ist.

Reputationsmanagement zur Markenbildung – Christopher Runge im Interview

Herr Runge, was unterscheidet Bettertrust von anderen PR-Agenturen in der Hauptstadt und wie konnten Sie sich in zehn Jahren als feste Größe in der schnelllebigen Agenturbranche etablieren?

Ich konnte mich vor allem in der Agenturbranche etablieren, da ich ein zentrales Element gelernt und geachtet habe: die Nähe zum Kunden. Des Weiteren ist mir über die Jahre auch klargeworden, dass man immer offen für Innovationen sein muss und auch mal Risiken wagen sollte. Denn nur so kann man mit den Kunden am Markt wachsen und auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen.

Hat in einer Welt des interaktiven Web 2.0 traditionelle Öffentlichkeitsarbeit mit face-to-face-Kommunikation, Veranstaltungen und Print-Publikationen noch einen Platz?

Selbstverständlich! Um den Geist des Unternehmens und der Geschäftsführung genauestens verstehen zu können, ist das Kennenlernen zwischen mir und den Kunden wesentlich. Nur durch den persönlichen Austausch kann man miteinander Ideen entwickeln und voneinander lernen. Die Print-Publikationen haben auch in der heutigen Welt neben dem Internet noch einen hohen Stellenwert. Bücher und Broschüren werden bei vielen meiner Kunden hoch angesehen. Aber auch hier kommt es auf die persönlichen Wünsche des Kunden an. Es ist auf jeden Fall festzustellen, dass es den meisten noch genauso wichtig ist, ein persönliches Gespräch zu führen und am Ende ein handfestes Ergebnis, wie einem gedruckten Artikel, in den Händen zu halten.

Als PR-Agentur müssen Sie sich nicht nur Gehör gegenüber einer Unzahl professioneller Konkurrenten verschaffen, sondern auch Laien, Blogger, Chats, Bewertungsportale und Social-Media-Kanäle beeinflussen die öffentliche Meinung. Betrachten Sie diese Influencer als Konkurrenz, oder können Sie diese für Ihre Ziele nutzen?

Es ist verkehrt, diese als Konkurrenz zu sehen. Bei der PR-Arbeit bedarf es an gezielten Einsätzen von diversen Partnern, sozialen Medien und Kanälen, um allen Wünschen der Kunden gerecht werden zu können. Durch Besonderheiten setzt man sich von der Menge ab, und dies wird nicht durch alltägliche Arbeit realisiert. Mit der Zusammenarbeit von eher unüblichen Partnern, wie etwa Bloggern, kann viel erreicht werden. Mit der Zeit mitzugehen, im Trend der Digitalisierung, birgt viele Vorteile für meine Kunden.

Public Relations war stets eine interessengeleitete Kommunikation. Erkennen Sie in einer Zeit von Fake News und „Alternativen Fakten“ auch in der PR-Branche einen Abbau von Seriosität und Wahrhaftigkeit?

Ehrlichkeit und Seriosität sind die wichtigsten Faktoren einer Markenbildung. Nur über Vertrauen gewinnt man die Loyalität der Kunden. Ein unseriöses Unternehmen, welches kein sauberes Image hat, wird Schwierigkeiten im langfristigen Erfolg vermerken. In einer Zeit, in der man sekundenschnell Fakten überprüfen kann, haben Lügen oder alternative Fakten keine gute Reputation in der PR-Branche.

Das Image ist in Politik und Wirtschaft oft wichtiger als das Produkt. Sie unterstützen Personen und Unternehmen beim Branding. Gibt es dabei für Sie inhaltliche Grenzen oder ist eine PR-Strategie für jedes Produkt denkbar?

Erstmal ist eine PR-Strategie für jedes Unternehmen und jeden Kunden denkbar. Inhaltliche Grenzen gibt es höchstens im Bereich der Werbung. Einige Veröffentlichungen eignen sich nur für bestimmte Ziel- und Personengruppen, sodass man dann ausgewählte Fachmedien nutzen muss. Aber generell kann für jede Branche und jedes Produkt eine Branding-Strategie entwickelt werden, nur wird gegebenenfalls in der Verbreitung der Strategie nicht jedes Medium genutzt. Es wird sich dann auf Nischen spezialisiert und gewisse Portale werden angepeilt.

Reputationsmanagement zählt zu Ihren Kernkompetenzen. Was würden Sie einem Unternehmen wie VW empfehlen, um nach dem Dieselskandal wieder zu einem positiven Image zu finden?

Volkswagen hat mit ihrer Salami-Strategie während des Abgasskandals einige Fehler begangen. Um ihre Reputation wieder aufwerten zu können, würde ich zu einer offenen Kommunikation und Transparenz raten. Wie am Paradebeispiel von Tesla zu sehen ist, kann eine Krise schnell eingedämmt werden. Mangelhaftigkeiten sollten sofort kommuniziert werden, denn durch die gegenseitige interne Schuldzuschreibung entstanden immer weitere Lügen. Die Presse sah dies wie ein gefundenes Fressen und wollte weitere Fehler in Erfahrung bringen. Somit erlangte der Skandal mehr Aufmerksamkeit der Presse. Dadurch verlor Volkswagen komplett seine Glaubwürdigkeit und auch ihre gute Reputation.

Tesla hat dagegen richtig gehandelt. Nachdem sie herausfanden, dass ihre Dieselwerte bei der Produktion von den Elektroautos den Normwert deutlich überschritten hatten, sind sie damit an die Presse gegangen. Mit einem ausgearbeiteten Zeitplan sollte gezeigt werden, wie sehr sich das Unternehmen um eine Verbesserung bemüht und nichts zu verbergen hat. So wurde Tesla gelobt für ihren Umgang mit eigenen Fehlern. Statt einen Skandal heraufzubeschwören, wurde die eigene Unternehmensphilosophie gestärkt.

Damit VW ein besseres Image erreichen kann, braucht es neue und vor allem offene Kommunikationsstrategien. Die Käufer müssen wieder in VW vertrauen können. Dafür braucht es Zeit und Geduld.

Sie erstellen Content, optimieren Websites, lancieren Publikationen und vermitteln TV-Auftritte. Fügen sich Bettertrust-Kunden überwiegend in Ihre PR-Strategien oder müssen Sie die Maßnahmen oft Kundenwünschen anpassen?

Da wir sehr nahe mit unseren Kunden arbeiten, sind Kundenwünsche ein prägender Teil unserer Unternehmensphilosophie. Selbstverständlich haben wir ein Inhaltsportfolio, welches wir den Kunden vorzeigen. Dieses kann individualisiert werden, je nachdem was gewünscht ist. Wir bieten dabei alles an, von verbesserten Google-Platzierungen und YouTube-Videos über Websites bis hin zu neuen Broschüren und Büchern.

Bettertrust kooperiert mit vielen anderen Unternehmen im Medien- und Online Marketing-Bereich. Ist die optimale Vernetzung die eigentliche Kunst moderner PR oder spielt die Qualität der beworbenen Marke nach wie vor eine wichtige Rolle? Worauf vertraut der Kunde?

Der wesentliche Fokus liegt auf einer optimalen Vernetzung der verschiedenen Medien und nicht auf der Qualität des zu vermarkenden Produktes. Und da Kunden verschiedenen Präferenzen haben, ist es wichtig, sich nicht nur auf ein oder zwei Medien zu beschränken, sondern alle anzugehen. Dazu gehören die klassischen Printmedien und das Fernsehen, aber auch moderne Kanäle wie die Betreibung eines eigenen Blogs oder eines YouTube-Kanals. Bettertrust kooperiert aus diesem Grund mit vielen anderen Partnern, Influencern, Bloggern und Journalisten. Das Vertrauen der Kunden in uns und unsere Mitarbeiter spielt dabei eine wichtige Rolle.

Zugespitzt formuliert: Ist es im digitalen Zeitalter überhaupt noch möglich, sich ohne PR als Person mit einer Idee oder einem guten Produkt in der Öffentlichkeit durchzusetzen? Welche Anteile haben Markenqualität und PR-Strategie am Erfolg?

Es ist unbedingt notwendig, PR Arbeit zu betreiben. Die Qualität der Marke hängt stark von der wahrgenommenen Qualität der Kunden ab. Wie sich bei VW gezeigt hat, sinkt die gefühlte Qualität eines Produktes und damit auch die Absatzzahlen. Der Kunde vertraut auf Experten, einer guten Reputation und einer erfolgreichen Medienpräsenz. Dies beweist auch das Erfolgskonzept von Apple.

Mit Zweigstellen in München und Zürich ist Bettertrust bereits expandiert. Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren, wird es weitere inhaltliche Schwerpunkte geben?

Unsere Kunden werden in den nächsten Jahren expandieren und dadurch wird sich auch Bettertrust weiter ausdehnen und neue inhaltliche Schwerpunkte setzen, um neue Märkte erschließen zu können. Durch die neuen Megatrends der Urbanisierung und der Digitalisierung müssen auch wir als PR-Agentur auf dem neusten Stand sein und können nicht in der Zeit stehen bleiben. Ich bin auch gespannt, was die Zukunft noch bringen wird.

Herr Runge, wir danken für das Gespräch.

Christopher Runge, Bettertrust, Interview, Profil, Konferenzraum
Christopher Runge, Geschäftsführer von Bettertrust (Bild: © Bettertrust)

Das Interview mit Christopher Runge führte Oliver Foitzik.

Über Bettertrust

Christopher Runge ist Inhaber und Geschäftsführer von Bettertrust, einer PR- und Online Marketing-Agentur aus Berlin-Mitte. Das erfolgreiche Unternehmen unterhält Dependancen in München und Zürich. Bettertrust ist auf PR, Reputationsmanagement, TV-Platzierungen, Suchmaschinenoptimierung und CEO-Kommunikation spezialisiert.

Oliver Foitzik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.