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PwC-Studie zur Zeitarbeit – Equal Pay stärkt Arbeitnehmerüberlassung im qualifizierten Bereich

PwC-Umfrage unter Zeitarbeitsunternehmen: Dienstleister mit Ausrichtung auf höher qualifizierte Zeitarbeitskräfte profitieren von Lohnausgleich / Konjunkturabschwung und Fachkräftemangel bremsen Branche zusätzlich aus

Die deutschen Zeitarbeitsunternehmen stellen sich auf ein schwieriges Jahr 2013 ein. Dies geht aus einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor – mehr als 20 der führenden deutschen Zeitarbeitsunternehmen haben daran teilgenommen. Während die Zahl der Zeitarbeitnehmer in Deutschland in 2011 noch um 14 Prozentgegenüber dem Vorjahr auf rund 882.000 gewachsen ist, erwarten die Befragten im Durchschnitt eine deutliche Abschwächung des Wachstums auf 4 Prozent. In 2012 sowie in 2013 sogar einen Marktrückgang um einen Prozent.

Eine wesentliche Ursache für die rückläufige Entwicklung ist nach Einschätzung von 86 Prozent der Befragten die Verteuerung der Zeitarbeit aufgrund tariflicher Equal-Pay-Klauseln, die mittlerweile in mehreren Branchen eine Angleichung des Lohnniveaus von Zeitkräften an die Stammbelegschaft vorschreiben. Knapp vier von fünf Unternehmen verweisen zudem auf eine schwächere Konjunkturentwicklung und Fachkräftemangel als Gründe für die gebremste Branchenentwicklung.

Die befragten Personaldienstleister rechnen allerdings nicht mit einem generellen Nachfragerückgang, sondern mit einer Verlagerung hin zum Verleih höher qualifizierter Zeitarbeitskräfte und sehen grundsätzlich weiteres Wachstumspotenzial. Gerade einmal fünf Prozent der Befragten halten den Zeitarbeitsmarkt insgesamt für gesättigt.

„Das Interesse der Entleihbetriebe an flexibel einsetzbaren Zeitarbeitskräften verschwindet nicht, nur weil diese teurer werden. Allerdings dürften die Equal-Pay-Klauseln im klassischen Helfersegment zu einem deutlichen Nachfragerückgang führen. Zeitarbeitsunternehmen, die hier in der Vergangenheit besonders stark waren, werden sich neu positionieren müssen, während Dienstleister mit Ausrichtung auf höher qualifizierte Zeitarbeitskräfte profitieren“, kommentiert Dr. Ralph Niederdrenk, Zeitarbeitsexperte und Partner bei PwC.

Während bei den befragten Unternehmen derzeit noch gut jeder dritte Zeitarbeitnehmer eine Hilfskraft ist, dürfte der Anteil ungelernter Beschäftigter durch die Equal-Pay-Regelungen auf knapp unter 20 Prozent sinken. Einen deutlichen Anstieg prognostizieren die Befragten hingegen für das Segment der Hochqualifizierten bzw. Akademiker, die künftig 18 Prozent statt bislang 12 Prozent der Zeitarbeitskräfte stellen könnten. Auch die Vermittlung qualifizierter Arbeiter und Bürokräfte wird voraussichtlich an Bedeutung im Verleihmix gewinnen.

Marktbereinigung steht bevor

Einig sind sich die Befragten darin, dass sich die höheren Lohnkosten für Zeitarbeitskräfte nicht vollständig an die Entleihbetriebe weitergeben lassen. Nach Einschätzung der meisten Unternehmen (64 Prozent) wird diese Zusatzbelastung einige Personaldienstleister zur Aufgabe zwingen. Knapp vier von fünf Befragten rechnen zudem vermehrt mit dem Abschluss von Dienst- und Werkverträgen zu Lasten der klassischen Arbeitnehmerüberlassung, da Equal-Pay-Klauseln bei dieser Art der Auftragsvergabe nicht greifen.

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