Wirtschaft

Ranking der sieben teuersten Staatsprojekte in Russland

Russland schwimmt auf einer rieseigen Öl- und Gasblase, die Milliarden in die Kasse spült. Zusätzlich wird nun die Erschließung der Lagerstätten in der Arktis angegangen. Hier lagern geschätzte 13% der weltweiten Ölvorkommen und 30% der weltweiten Erdgasreserven. Russland beansprucht dabei zwei Drittel der Arktis für sich. Laut Alexei Miller, dem Chef von Gazprom – dem größten Gaskonzern der Welt – sind die Bemühungen zur Erschließung der russischen Gasvorkommen in der Arktis so dimensioniert, dass dies faktisch der Gründung eines zweiten Gazprom-Konzerns gleich käme. Dabei kommt ein einziger Staatsmonopolist Gazprom allein schon auf einen Marktanteil in Europa von 23%. Gazprom war 2011 das profitabelste Unternehmen der Welt und verdrängte mit einem Reingewinn in Höhe von 44,46 Mrd. Dollar (+35%) den Vorjahressieger ExxonMobil auf Platz 2 (41,6 Mrd. Dollar Gewinn). Die chinesische Industrial and Commercial Bank of China kam mit 32,2 Mrd. Dollar auf Rang 3.

Die Deviseneinnahmen Russlands werden dabei innerhalb der nächsten zehn Jahre unter anderem in einige gigantische Mega-Projekte fließen. Ziel der meisten Projekte ist es, die russische Wirtschaft zu fördern und aus Russland ein modernes und dynamisches Land zu machen. Die russischen Nachrichtenagentur „Russia Business Consulting“ hat nun kürzlich ein Ranking der sieben teuersten Staatsprojekte in Russland erstellt:

Platz sieben:
Das Forschungs- und Innovationszentrum „Skolkowo“. Das Innovationszentrum, das russische „Silicon Valley“, entsteht bis 2015 auf der Fläche von 400 Hektar westlich von Moskau. Die Schwerpunkte werden in den Bereichen Energie, Informationstechnologie, Telekommunikation, Biomedizin und Atomtechnologien liegen. Schmerzlich: Für das Mega-Projekt musste sich sogar Milliardär und Oligarch Roman Abramowitsch von einem 78 Hektar großen Golfplatz trennen. Das Gesamtbudget des Projektes beläuft sich auf schätzungsweise 2,5 Milliarden Euro.

Platz sechs:
Das russische Satellitennavigationssystem „GLONASS“ ist ein Konkurrenzsystem zu dem US-amerikanischen GPS, dem europäischen Galileo und dem chinesischen Compass. Seit Anfang Dezember 2011 ist das System mit 24 aktiven Satelliten erstmals global einsatzfähig. Der Zugang zu zivilen Navigationssignalen des Glonass-Systems mit einer Genauigkeit von 1 m soll an jedem Punkt der Erde unentgeltlich und ohne Einschränkungen gewährt werden. Die Projektkosten werden inkl. des künftigen Ausbaus mit 10 Mrd. EUR angegeben.

Platz fünf:
Russland wird im September 2012 auf der Insel „Russki“ in der Nähe von Wladiwostok („ferner Osten“) das vierundzwanzigste Gipfeltreffen der APEC-Mitglieder, der Internationalen Organisation „Asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit“, ausrichten. Hierfür werden an der russischen Pazifikküste mehrere neue Objekte errichtet, unter anderem zwei Brücken, die die Insel mit dem Festland verbinden, ein neuer Konferenzsaal mit 6.000 Plätzen, ein Ozeanarium, ein Operntheater und zwei Hotels. Zudem werden zahlreiche Gebäude, Strassen und Autobahnen sowie der internationale Flughafen saniert. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 15 Milliarden Euro.

Platz vier:
Auf dem vierten Platz der teuersten Staatsprojekte Russlands kommt der Bau von drei Pipelines, die russisches Erdgas nach Europa und China transportieren sollen. Die Pipelines „Nord Stream“, „South Stream“ und „Altai“ kommen zusammen auf rund 31 Milliarden Euro. Die Nord Stream ist schon zur Hälfte einsatzbereit, bei der South Stream gibt es allerdings noch erheblichen Diskussionsbedarf mit der Türkei, durch dessen Gewässer die Rohrleitung führen soll. Ankara erhofft sich bessere Konditionen.

Platz drei:
Russland richtet 2014 die Olympischen Winterspiele, 2016 die Eishockeyweltmeisterschaft und 2018 die Fußballweltmeisterschaft aus. Dafür werden viele Stadien, Sporthallen, Flughäfen, Bahnhöfe, Hotels und Restaurants errichtet. Die Organisation und Durchführung der drei wichtigen Sportsveranstaltungen wird Russland in den kommenden Jahren voraussichtlich 50 Milliarden Euro kosten.

Platz zwei:
Der Nordkaukasus gilt als Russlands unterentwickelte Krisenregion: Zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer liegen unter anderem die Teilrepubliken Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan, in denen es immer wieder zu terroristischen Anschlägen kommt. Das russische Innenministerium zählte im vergangenen Jahr 609 Anschläge in der Region. Moskau hat nun den Plan entwickelt, aus der Region ein mondänes Skiparadies zu machen: Dafür werden zum Beispiel in den Bergen von Nordkaukasus in den nächsten Jahren zahlreiche neue Seilbahnen und Skipisten sowie Urlaubsdestinationen gebaut. Das Projekt zur wirtschaftlichen und touristischen Entwicklung des Nordkaukasus kostet voraussichtlich 138 Milliarden Euro.

Platz eins:
Das teuerste Projekt Russlands ist derzeit die Erweiterung der Hauptstadt Moskau. Moskau ist mit knapp 11 Millionen Einwohnern die 20. größte Stadt der Erde (die größte ist Tokio mit 35 Mio. Einwohnern). Im Juni 2011 wartete Präsident Dmitri Medwedew nun mit dem Vorschlag auf, die Grenzen der russischen Hauptstadt zu erweitern. Die zwischenzeitlich konkretisierteren Pläne sehen vor, die Gesamtfläche der Metropole um 20 Tausend Hektar zu vergrößern. Dadurch würden mehrere Kleinstädte um Moskau in die Metropole integriert werden – eine Herausforderung nicht zuletzt für die Infrastruktur: Es müssen neue Autobahnen angelegt und Gebäude errichtet werden, neue U-Bahn- und Telefonlinien entstehen, Dörfer abgerissen werden und Kompensationszahlungen erfolgen. Die Gesamtkosten der Erweiterung von Moskau werden auf über 250 Milliarden Euro geschätzt.

Nicht in dem Ranking enthalten ist das Großprojekt zu Erschließung der Öl- und Gaslagerstäten in der Arktis:

Russland will 500 Mrd. Dollar in die Erschließung der arktischen Ölreserven investieren
– Russisch-norwegische Kooperation zur Erschließung der Arktis – 100 Mrd. Dollar Investitionen

Total will als erster Öl-Multi auf Ölforderung in der Arktis komplett verzichten

(mb)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.