Wirtschaft

Ratingagentur stuft Griechenland unter Ramschniveau – Athen empört

Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands nur vier Tage vor einem Euro-Sondergipfel zur Schuldenkrise gleich um drei Stufen auf B1 kräftig herabgestuft. Damit befindet sich dessen Bonität unterhalb des Ramschniveaus – damit folgt Moody’s zeitversetzt der Ratingagentur Fitch (Mitte Januar). Moody’s behalte sich zudem eine weitere Herabstufung vor und belässt den Ausblick auf „negativ“. Die Regierung in Athen zeigt sich über diesen Schritt empört. Dadurch werden die Zinsen für Griechenland (auf dem Kapitalmarkt, nicht für die an den Euro-Rettungsschirm) noch teurer, was es prinzipiell noch weiter erschweren würde, sich aus der Verschuldung zu befreien: Eine klassische self-fulfilling-prophecy – zum Nachteil der gut 11 Mio. Einwohner des Staates. Als Gründe nannte die Ratingagentur: „Die Sparmaßnahmen und Strukturreformen, die für eine Stabilisierung der Schulden notwendig sind, bleiben sehr ambitioniert und großen Umsetzungsrisiken ausgesetzt.“ Möglicherweise komme Griechenland auch nicht um eine Umschuldung herum, bei der die Gläubiger auf einem Teil ihrer Forderungen verzichten müssen (beispielsweise schonend durch eine Laufzeitverlängerung). Die Regierung in Athen reagierte empört, die Herabstufung sei vollkommen ungerechtfertigt. Darin würde sich keine objektive und ausgewogene Einschätzung der Umstände zeigen, weil die bereits erzielten Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung sowie weitere auf den Weg gebrachte Reformen ignoriert würden. Prinzipiell stehen die Ratingagenturen tief in der Kritik, da sie absolut unbrauchbare Einschätzungen im Vorfeld der Finanzkrise 2007/08 lieferten, die immensen Risiken der Subprime-Produkte als wesentliche Mitauslöser der späteren gigantischen Finanzkrise nicht erkannten und ihre genuine Aufgabe damit komplett verfehlten. EU-Währungskommissar Olli Rehn plädiert im Gegenzug dafür, Griechenland mehr statt weniger Luft zu gewähren: Die Kreditzinsen für Athen müssten gesenkt und die Laufzeiten von dreieinhalb auf sieben Jahre verlängert werden, um dem Land mehr Spielraum zu verschaffen.

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