Wirtschaft

Repräsentative Umfrage: 70% der Deutschen für Frauenquote

Der graue Dresscode von Anzug und Krawatte soll durch mehr Business-Kostüme aufgeweicht werden. 70% der Deutschen haben sich in einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bundesfamilienministeriums für eine gesetzliche Frauenquote ausgesprochen, um die Führungsetagen in den Unternehmen mit mehr weiblichen Managern zu besetzen. Nach Geschlecht unterteilt befürworten dies 79% der Frauen und 62% der Männer. 95% der Frauen und 88% widersprechen auch dem Vorurteil, es gebe in Deutschland nicht genügend Frauen, die für eine Tätigkeit im Topmanagement geeignet seien.

Allerdings vertraut die bis dato beinahe ausschließlich männliche und unter einander hervorragend vernetzte deutsche Wirtschaftselite den hiesigen Frauen nicht sonderlich. Über 90% der 100 größten deutschen Konzerne haben keine einzige Frau im Vorstand. Der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten Unternehmen lag Anfang 2011 gerade einmal bei 3,2%, bei den 30 größten im Dax gelisteten Konzerne sind ebenfalls nur fünf der 186 Vorstandsposten weiblich besetzt. Anscheinend gilt dabei auch das Vorurteil weiter, Frauen und Geld würden sich zwar verstehen, aber nicht effizient miteinander harmonisieren: In der Finanzbranche sind zwar mehr als die Hälfte der Beschäftigten weiblich, in den Vorständen nehmen sie allerdings nur 2,9% der Sitze ein, bei den Versicherungen sind es 2,5%.

In Frankreich beispielsweise gilt seit Anfang des Jahres eine 20% Quote, die innerhalb von 3 Jahren erreicht werden muss und eine 40% Quote innerhalb von 6 Jahren. Norwegen hat bereits 2003 eine 40% Quote für die Verwaltungsräte beschlossen. Für die deutschen Unternehmen würden sich etwas mehr weibliche Führungskräfte zudem auch finanziell rechnen: Frauen verdienen in Deutschland für die gleiche Arbeit immerhin noch bedeutend weniger (im Durchschnitt rund 23%).

Auch ein weiterer Aspekt spielt hier herein: Der typische Wirtschaftskriminelle ist laut der Prüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG Schweiz zu 87% männlich, zu 82% Führungskraft – zumeist im Finanzbereich oder im Vertrieb – und zu 76% zwischen 36 und 55 Jahre alt. 53% der Wirtschaftskriminellen stammen aus den höheren Hierarchieebenen, also der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat. Als Motive gelten persönliche Geldgier, Budgetkürzungen, Leistungsdruck, Veränderungen der persönlichen Lebensumstände (zu teurer Lebensstil), zu hoch gesteckte Arbeitsziele und oft lückenhafte Kontrollmechanismen.

Wer also in puncto Kriminalität der eigenen Führungskräfte auf Nummer sicher gehen und zudem für die gleiche Arbeit 23% weniger Gehalt zahlen will, sollte sich von seinen überkommenen Geschlechtervorurteilen verabschieden und verstärkt Frauen in die Managementebenen holen.

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