Energie & Umwelt

Russland soll 30% des EU-Gasbedarfs decken und über die Ukraine transportieren

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat dem Gastransitland Ukraine den Rücken in der gegenwärtigen Auseinandersetzung des osteuropäischen Landes mit dem Gaslieferanten Russland gestärkt. Zugleich bekräftigte er aber auch die herausragende Rolle Russlands bei der Gasversorgung der EU. Laut Oettinger werde die EU in Zukunft 600 Milliarden Kubikmeter Erdgas importieren müssen, 25-30% werden dabei allein auf Russland entfallen.

Die 27 EU-Staaten inklusive des Beitrittsaspiranten und wichtigen strategischen Partners Türkei haben 2010 zusammen 547 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht. Davon wurden 175 Milliarden Kubikmeter selber produziert und die restlichen 372 Milliarden Kubikmeter importiert.

In der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Energieminister Juri Boiko in Kiew betonte Oettinger allerdings auch neben der Bedeutung Russlands auch die herausgehobene Bedeutung des Transitlandes Ukraine für die europäische Versorgungssicherheit. Gegenwärtig werden rund 80% des russischen Erdgases für die Union über das Pipelinenetz der Ukraine befördert (siehe Grafik). Russland versucht sich zwar aktuell mit Nord- und Südumgehungen (Nordstream und Southstream) von der gegenseitigen Abhängigkeit mit der Ukraine zu befreien (regelmäßige „Gaspreiskriege“ 2006, 2009, 2011), so wie die EU sich ihrerseits durch Nabucco von Russland unabhängiger machen will. So werde allein die Nordstrem der Ratingagentur Fitch zufolge für die bisherigen Transitländer Ukraine und Slowakei zu Einnahmeausfällen von jeweils 20% führen. Laut Oettinger werde die Ukraine aber dennoch das wichtigste Transitland für die Erdgaslieferungen nach Europa bleiben. Daher hat der EU-Kommissar die Unterstützung der EU für die Modernisierung des ukrainischen Gastransportsystems angekündigt. Dies soll unter anderem durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und die Europäische Investitionsbank bewerkstelligt werden.

Die Ukraine tanzt derzeit auf zwei Hochzeiten: Einerseits soll noch im laufenden Jahr das Assoziierungsabkommen für eine künftige EU-Mitgliedschaft mit der Europäischen Union geschlossen werden, das dann auch ein Abkommen über die Bildung einer Freihandelszone enthält, die noch in 2011 in Kraft treten könnte. Andererseits flirtet Kiew, das traditionell in einen europäisch orientierten westlichen Landesteil und einen an Russland orientierten östlichen gespalten ist, auch die Mitgliedschaft in der Zollunion im postsowjetischen Raum. Dabei kommt der Ukraine nicht nur eine strategische Bedeutung als Transitland zu, das Land sitzt auch auf einem Billionenschatz an eigenen Energieträgern (vor allem Gas), der künftig verstärkt erschlossen und gehoben werden soll. Allerdings werden hierfür noch ausländisches Know-how und Technologien benötigt.

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