Wirtschaft

RWE will bei Energiewende voRWEg gehen

Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE muss durch die Energiewende erwartungsgemäß einen Dämpfer beim Gewinn verkraften – trotz des seit 2001 feststehenden Atomausstiegs (Atomkonsens von Rot-Grün mit den Atomkonzernen) wurde der notwendige Konzernumbau weg von der Atomkraft zu lange hinausgeschoben und zu zögerlich umgesetzt. Nun will RWE bei der Energiewende voRWEg gehen und sich den veränderten Rahmenbedingungen anpassen.

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ging das Ebitda um 21,1% auf 6,244 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz fiel leicht um 1% auf 38,167 Milliarden Euro. Der Nettogewinn ging um 46% auf 1,4 Milliarden Euro zurück. Für das Gesamtjahr 2011 wird ein Rückgang des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 20% erwartet, das Nettoergebnis dürfte um rund 35% fallen, der Umsatz auf dem Vorjahresniveau verharren. RWE-Chef Jürgen Großmann sieht allerdings nach dem diesjährigen Gewinneinbruch durch die Atomwende bereits die ersten Zeichen für eine Trendwende: „Auch die kommenden Jahre werden schwierig für uns, aber ich bin optimistisch, dass wir die vor uns liegende Talsohle zügig durchqueren.“

Verluste musste das Unternehmen nicht nur durch die zwei bereits stillgelegten AKW verkraften, auch im Gasgeschäft wurde mit der Sparte Trading/Gas Midstream ein Verlust von 831 Millionen Euro eingefahren, nach einem Gewinn von 75 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Grund ist hier die immer noch bestehende und äußerst stark umstrittene Ölpreisbindung des Gaspreises in den langfristigen Lieferverträgen mit Russland. Dadurch müssen teurere Preise bezahlt werden, als die Kunden angesichts der deutlich niedrigeren Preise auf dem Spotmarkt zu zahlen bereit sind. RWE zeigt sich jedoch optimistisch, die entsprechenden Verträge neu verhandeln zu können.

Auch der größte deutsche Energiekonzern E.ON wollte bereits Mitte Juli mit Gazprom über eine Senkung des Gaspreises verhandeln und notfalls sogar vor ein internationales Schiedsgericht ziehen, um die Ölpreisbindung zu kippen. Die EU-Kommission will diese Preisbildungsformel ändern und die Preise vom Spot-Markt ausgehend interaktiver gestalten. Auch der deutsche Bundesgerichtshof hatte bereits im März 2010 die Öl-Gas-Preisbindung gekippt. Deutschlands wichtigste Gas-Lieferanten, so auch Russland, liefern allerdings gemäß den bestehenden langfristigen vertraglichen Vereinbarungen weiterhin Gas, dessen Preis ans Öl gekoppelt und dadurch deutlich zu teuer ist. Derzeit klagt auch der größte polnische Versorger PGNiG vor dem Stockholmer Schiedsgericht für niedrigere Preise für russisches Erdgas.
 

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