Wirtschaft

Sarkozy: Rohstoffmärkte „sind ein Witz“ und zieht Mafia-Vergleich

Der französische Präsident Sarkozy hat sich für seine derzeitige Präsidentschaft der G-20-Gruppe führender Wirtschaftsnationen die Regulation der Rohstoffspekulation auf die Fahne geschrieben: Die zunehmenden Preisschwankungen an den Märkten seien eine akute Gefahr für das Wirtschaftswachstum. Die Spekulation mit Agrarprodukten im Besonderen trifft vor allem die Ärmsten weltweit (Spekulationen sind keine Investitionen – die künstlich hochgetrieben Preise haben nichts mit Angebot und Nachfrage zu tun und die eingestrichenen Gewinne der Spekulanten müssen von der realen Wirtschaft und den Verbrauchern bezahlt werde, wodurch das Wirtschaftswachstum und gestiegene Löhne umverteilt werden und zudem die Inflation/Teuerungsrate angeheizt wird, mit weiteren negativen Konsequenzen für kapitalintensive Investitionen). In Bezug auf die Spekulation mit Agrarprodukten an den Finanzmärkten sagte Sarkozy: „Diese Märkte sind ein Witz.“ Weiter heißt es: „Die Deregulierung der Finanzmärkte hat die Welt an den Abgrund geführt. Ein Markt ohne Regeln ist kein Markt mehr.“ Die Argumente der Finanzjongleure, dass europäische Handelsplätze nicht durch Regeln beeinträchtigt werden dürften, die an anderen Orten nicht bestehen, wies er entschieden zurück: „Wenn ein Land die Mafia nicht bekämpft, sollen wir alle deswegen die Mafia nicht mehr bekämpfen?“ Sowie: „Wir können uns nicht immer am Schlechtesten orientieren, der die wenigsten Regeln will.“ Europa habe daher die Pflicht, ein Modell für die Regulierung der Rohstoffmärkte zu entwickeln. Als Beispiel für die ausufernde Rohstoffspekulation im Agrarbereich führte Sarkozy den Kakaohandel an: An den Finanzmärkten werde mit dem Handel von sogenannten Derivaten ein Vielfaches der tatsächlichen Warenmenge umgesetzt. Dabei sei es „inakzeptabel“, dass ein einziger Händler den gesamten verfügbaren Kakao aufkaufe, „ohne auch nur einen einzigen Cent dafür auszugeben“ und dadurch einen erheblichen Gewinn realisiert, für den in dem Nullsummenspiel andere aufkommen müssen. (Siehe Reaktionen der internationalen Presse auf die Rede im Handelsblatt.)

Weitere Beispiele für das Ausmaß der Spekulation: Der OPEC-Generalsekretär Abdullah El-Badri hat am Rande des World Economic Forums (WEF) in Wien Ende letzter Woche die Entscheidung, die Ölfördermengen vorerst nicht zu erhöhen, verteidigt und stattdessen die Spekulanten im Ölgeschäft hart attackiert: „Es gibt genug Öl auf dem Markt und die Lager sind gut gefüllt.“ Es werde allerdings täglich 35-mal so viel Öl gehandelt wie verbraucht. So solle laut El-Badri niemand den Tatbestand von sich weisen, es würde keine Spekulation geben. Es liege nun daher an den Regierungen der USA und der EU-Länder, Maßnahmen gegen die spekulationsbedingten Preisschwankungen zu ergreifen. Ähnlich auch der Berater Sven Marlinghaus von Brainnet zu der hohen Votalität bei Rohstoffen: „Rund 70 bis 80 Prozent der Rohstoffpreise sind spekulationsbasiert.“
 

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